Logozentrismus

2018-07-26 § Hinterlasse einen Kommentar

Nun haben wir hier in Österreich seit gut sieben Monaten eine Türkis-Blaue Regierungsmannschaft, welche emsig und fleißig eine grundsätzliche Neukonzeptionierung und in Folge Neuformatierung des Gedanken Österreichs in Arbeit hat. Für auswärtige Personen möchte ich kurz die Krux jener unheiligen Verbindung näher bringen. Zum Ersten wäre da ein türkises Team welches wie der Wolf im Schafspelz zwischen aufrichtigen Christen des konservativen Lagers herausagiert und definitiv etwas nicht braucht: Einen Schäfer. Zum anderen ist da ein blaues Konglomerat mit eigentliche allem. Oder um es in einen Satz zu gießen: Eine soziale Heimatpartei (mit zwielichtigen Ambitionen) welche den gelebten Europagedanken in sich trägt jedoch wenn nötig gegen den Eurostrom schwimmt – von der linken Presse als Nazis verschrien, im Wesen aber progressiv, opportunistisch, jederzeit revolutionär provokant sind und durch ihr eigenes Spiegelbild legitimiert wurden. Die blaue Farbe kommt nicht von den strahlend eiskalten Augen ihres Häuptling – nein, es ist ein wager Anspruch eine liberale Partei zu sein. Ihr Chef-Ideologe ist ein gelernter Philosoph – man möchte annehmen es sei also eine politisch gut aufgestellte Truppe – wäre da nicht das Schicksal der FPÖsterreich – sozusagen ihr Wesen auf ewig in diesem Land nichts mehr als ein Steigbügelhalter für Veränderung zu sein. Einmal (vor sehr langer Zeit) für die Roten, später für die Schwarzen und hier und jetzt für Türkis. Aktiver Liberalismus verlangt eigentlich ideologisch kein Lernen aus der Vergangenheit und so treten sie uns gegenüber – hohl, wortgewandt im Augenblick und so als könnten sie das Gesagte im Moment der Aussprache wieder vergessen – aber: frei und gebunden an schriftliche Vereinbarungen, die jedesmal, wenn sie es lesen wieder für sie zum Moment wird – und so tragen sie die Vergangenheit jedesmal aufs neue vor, mit dem Lohn eines leichten Narzismus der ihre von Gott und dem|der Wähler|in gegebenen Möglichkeiten, tatsächlich etwas zu bewegen, vergessen lässt. Ihre politische Arbeit ist ein Auftragsarrangement – jede bisherige Aktion als Regierung ein politischer Selbstmord. Die intellektuelle Opposition schweigt und lacht leise in sich hinein – wie dieses 4jährige Intermezzo in der politischen Evolution gesamtheitlich nicht mehr als ein Regulativ ist – genauer, eine Feinjustierung. Das junge türkise Team zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht so an christliche Werte gebunden sind wie manch ein alter Hase in der ÖVP Familie. Ich will damit keinen seine oder ihren Glauben in Zweifel ziehen – vielmehr stammt diese Kritik von einem nahmhaften steierischen Journalisten der Kenntnis der politischen Landschaft haben sollte (schon von Berufs wegen) aber dennoch von einem feurigen Katholiken – ich würde sagen, einen der jeden Sonntag in der ersten Reihe vor dem Altar sitzt, dem Regierungsteam Rückendeckung gibt und sie damit ethisch und moralisch legitimiert – viel schlimmer noch, ihr handeln ausdrücklich erlaubt. Shame on you, dear Landeshauptmann – aber ich sollte nicht das Schaf strafen, das den Erfolg des Wolfes respektiert sondern den Focus meiner Kritik auf den schlafenden Schäfer lenken – nur allein … das halte ich im Kopf nicht aus. Und eigentlich kann von einem Wolf nicht wirklich die Rede sein, es ist mehr ein Hund, ein Cocker Spaniel der da von Wien runterbellt und durch sein unüberlegtes Kläffen ein wichtiges sozialdemokratisches Prinzip aushebelt und jenes erledigt, was einem Sozialisten rein ideologisch unmöglich ist, nämlich: „Einem Menschen durch politische Maßnahmen eine Verschlechterung seines Lebens herbeizuführen.“ Und natürlich haben diese kruden Maßnahmen positive Auswirkungen auf das Budget – welches von der österreichischen Bevölkerung gern gesehen wird, schließlich ist eine Kostenersparnis noch immer das Non-Plus-Ultra einer pragmatischen Sinnhaftigkeit. Die Einsparungen müssten dann, aufgrund der Einfallsarmut rechter Parteien als Steuerreform an den Österreicher bzw. die Österreicherin weiter gegeben werden – und da rechts der SPÖ keiner wirklich mit Excel umgehen kann, wird diese Reform sicher wieder nicht finanzierbar sein und so werden wieder Sozialdemokraten auf den Plan gerufen, ein Sparpaket zu schnüren. That’s the circle of political life in Austria.

Eigentlich wollte ich das große Gesamtkonzept nicht kommentieren – meine an mich selbst gestellte Aufgabe für heute war es, eine Leistung (die Kurz und Strache noch ihren Enkelkindern erzählen können) auf die kognitive Waagschale zu legen. Die Harmonisierung der Ministerien Logos – tolle Leistung, oder…?

Neues Bundesministerlogo

Zur Einführung: Für den Obulus von € 70.000,- hat ein Designer die schwere Aufgabe einer Einheitlichkeit für das Ministeriumswesen in Österreich ausgearbeitet. Dabei liegt der Fokus auf einer Österreichfahne, die (laut einem Standard Journalisten) von links angeknabbert, für mich aber eindeutig abgebrochen wurde – über eine klar vordefinierte Sollbruchstelle. Das tatsächliche Rekonvolvent ist jedoch in der Kategorisierung des Themenkomplex als durch seine metamäßigen Höherstellung deduzierbar. Das sich Verschiedene wird somit zur Ergänzung degradiert um so der Dialektik von Einheit und Vielheit eine Bestimmungsebene zu verleihen um so der folgenden spekulativen Entweisung einem kontinuierlichen Aspekt der Neugestaltung möglich zu machen. Es wird das retrograde Element zum diskursiven angelegt, mit dem Anspruch einer Entwertung – welche dem Vordergründigen eine Abweisung der wahrnehmungsrelevante Kanälen einräumt um so der informellen Gesetzgebung des faktischen das Absolute als Kontiniuum im organisatorischen Auftrag gerecht zu werden. Die sich selbst verwendbare Rekursion auf den Gegenpol seiner Forderung auf Flucht und Einheit, ist das bedeutende Element innerhalb welcher die spekulative Ästhetik einen Ausdruck und somit auch seine Bestimmung finden kann. Schwierig ist natürlich die konsequente Einhaltung gängiger Logiken (ich will sie noch nicht in den Stand eines Prinzips erheben, deshalb belasse ich es als Logik) welche in Folge triviale Behandlung mit diskursiven Charakter als Meinungsaustausch welcher Konsequenz nach-sich-zieht. Da wären Fragen der Schriftart: „Ist es Gothik, Europa – ich habe für mein lustiges Satire-Derivat oben die Schriftart Calibri Light gewählt“. Die Schriftfamilie für die Auswahl hat ein nachhaltiges Verwandschaftsverhältnis, welches Inzest im bürokratischen bzw. bürographischen Prozess möglich macht um so einer weitläufigen Verbreitung nicht nur dienlich zu sein, sondern seiner Entweisung im diskursiven als Weisung mit einem normativen Leergehalt durch einer Zuweisung seinen Ausgang zu finden. Man merkt, dass die Logik der Ästhetik weiterhin auf seine mimeische Wirkung beschränkt ist um somit dem semiotischen Verlangen nach Verständnis entsprechend Würdigung zu verleihen. Und da spreche ich definitiv von einer kritischen Würdigung die die gesamten zu transportierenden Inhalte und Ideen als dialektische Einheit einer Missverständlichkeit gegenüberstellt. Die oft geübte Kritik einer klaren Abgrenzung durch ideosynkratische Merkmale welche auf den ersten Blick entstehen, und damit ein Eidos-Moment auszulösen, ist definitiv ein kritikfähiges Argument, jedoch leider keines der Philosophie verwandten weil es sich zur Pädagogik berufen fühlen sollte. Zwischen der Dekodierung und der im Affekt passierenden Assoziation durch die Semiotika ist jene Unterscheidung zu finden, die wir gegenwärtig gerne als Bildungsgrad bezeichnen. Eine Provokation, oder gar eine böswillige Irreführung über das Symbol zu unterstellen ist ebenso keine Aufgabe der Philosophie – nur allein sie wäre Rückbezüglich und bringt keine brauchbare Erweiterungen der bestehenden Erkenntnisse wie z. B. Wirkung-Eigenschaft-Schlussfolge oder einer leicht modifizierten pythagorischen 1 (Monas) durch welche die Einheit seine Vollendung in der 3 findet um so gegensätzlich das Vorstellbare in den Fluss des Seins zu setzen, welches endlich die Differenz zwischen Vollendung und Vollständigkeit aufzeigt. Das ich gezwungen bin, unsere neuen Logos unter die Ideen einer Lehrmeinung, die gerade einmal ein paar Olympiaden nach Thales erstellt wurde aufzulegen, zeigt mein hermeneutisches Bestreben nach Gründlichkeit und Auflösung der Symbole. Blicken wir nochmals auf (das|die) Logos (altgriechisch|postmodern) und unterwerfen sie der Bestimmung zur Einheit (1) über die Vielheit (2) zur Vollständigkeit (3) dann wird uns der klare Weg zur Körperlichkeit (4) oder Vollendung definitiv verwehrt was wohl sein Ende mit der Legislaturperiode, oder früher bedeutet und im besten Fall der Mode unterworfen ist.

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Die Zeichen der Zeit

2018-07-19 § Hinterlasse einen Kommentar

Schon lange ist es mir ein Anliegen eine vorsichtige aber entschlossene Kritik an jenes Normungsinstitut zu richten, welches uns (die Deutschen, die Schweizer und die Österreicher und die innen) nach besten wissen und nach dem Grundsatz der deutschen Gründlichkeit nicht nur durch den Arbeitsalltag, nein, ich würde sogar behaupten durch alle Facetten unseres Lebens begleitet, geführt, vorgelebt und für uns durchgerechnet – kurz genormt hat. Die Deutsche Industrie Norm – sieht sie noch die Zeichen der Zeit oder erblindet sie in ihrem Elfenbeinturm – geblendet vom weißen Marmor oder fetischisiert sie Tag-ein Tag-aus des vielen Goldes wegen mit welchem sie behängt wurde? Die DIN 2137 – eine der vielen Normen die das schreibende Volk begleitet und in Folge, eine Kritik daran …

… welche von mir sicherlich nicht durch das fundamentale Wissen über genau diese DIN2137 oder  irgend ein Wissen über technische Normungstheorien brilliert. Eigentlich wird der geschulte Leser sofort erkennen, dass meine Ausführungen nur an der Oberfläche glänzen (wenn man von Orthographie oder Grammatik mal absieht) – und von Tiefgründigkeit gar nicht die Rede sein kann und wird. Jedoch der treue Leser und die treue Leserin hoffen (berechtigt) das nach all der Selbstironie vielleicht noch etwas kommt – ich will beide nicht enttäuschen.
Das unten dargestellte Tastaturlayout ist in der Version T3 vorliegend und stammt so ungefähr aus dem Jahr 2011. (Man sieht wie beschäftigt ich bin, dass ich erst 7 Jahre nach der Erscheinung meine Kritik schreiben konnte). Blickt man ins Zentrum sieht man in fettem rot den großen und scharfen ß-Buchstaben. Endlich kann Roßmann in Caps Lock seinen Namen schreiben: ROHMANN, nein nein nein – ein Moment: ROßMANN. Ich kriegs nicht hin. Solange namhafte Tastaturhersteller/innen nicht das große scharfe ß auf die Tasten malen und das dazupassende Keyboardmapping liefern, bleibt der große Roßmann für mich noch immer der ROSSMANN; bzw. oder vielleicht doch ROSZMANN?

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Quelle von und Dank an: Karl432 und de.wikimedia.org

Da wären wir auch schon beim Thema. Eine Norm ist in unserem demokratischen und freien Gemeinschaftsverständnis im Wesen nur eine Empfehlung – nicht mehr. Den demokratische Begriff will ich nicht weiter determinieren da er kein naturalistischer ist. Vom Freiheitsbegriff erwarte ich mir die Annahme „der gänzlichen Unfreiheit des Menschens“ – begründet durch die soziologischen Beziehungen des Menschen – gezwungen durch das Gemeinschaftsverständnis – mit seinen informellen Normen usw. Mit anderen Worten, können wir nicht davon ausgehen, das es Freiheit per se nicht gibt – es wäre zu vermessen. Die Freiheit des Menschen ist aber im Gros auszuschließen, solange er/sie erst durch die Blicke des Anderen existiert und so auf die soziologische Gruppe „Gemeinschaft“ angewiesen ist. Ob nun ein Zaratustra über den Zeitraum von 7 Jahren mit einem kongenialen Tastaturlayout aus seiner Höhle zurück zu den Menschen findet – kann ich so nicht beurteilen – zumindest nicht empirisch. Hermeneutisch jedoch mit Bezug auf Hegel könnte es möglich sein – da dieser doch als Grundbedingung für Philosophie die Freiheit des Philosophen postuliert. Das erst einige Olympiaden später ein Friedrich Nitzsche es geschafft hat einen freien Menschen zu erfinden – sollte den toten Hegel hoffentlich versönlich stimmen und er möge endlich in frieden Ruhen – das ein Mensch so viel Genie gepaart mit soviel Irrtümer verbindet, macht Hegel wohl zu dem, was er war und immer sein wird – ein Philosoph seiner Zeit der die Zeichen sah. Aber ich schweife ab – eine Hegelretrospektive folgt noch auf diesem Blog. Zurück zum unfreien Menschen in der Kommune – zurück zur Normungstheorie die grundsätzlich nicht für den individuellen Menschen arbeitet sondern erst als Instrument des kommunalen Zusammenlebens seine Bestimmung findet. Unter der Prämisse der Unfreiheit wird eine Philosophie (ob nun Wahr oder Falsch) spekulativ und soll so dem Irrglauben einer Willkür des Individuums durch seine Empfehlung entgegenwirken. Hier finden wir auch die philologische Aporie hinter dem Unterschied zwischen Empfehlung und Gesetz – weil ja doch alles juristische die Sprache des Herrschers (das allein beweißt die Unfreiheit) ist und einzig eine Empfehlung ein Regulativ für den freien Menschen sein kann welches man mit einer geschlossenen Antwort (was dann wiederum ein Beweis der Unfreiheit ist) in Zustimmung oder Ablehnung finalisiert – ohne Kompromiss. So ist es auch mit den Tastaturhersteller/innen die sich für ein Positiv oder ein Negativ zur Norm zu entscheiden haben – und einen einzigen Ausweg aus diesem Entweder-Oder (das ich mir von Kierkegaard determiniert gewünscht hätte) eine Weg über die Tradition finden um so dem vermeintlichen Fortschritt durch den konsensuellen Gedanken einer Norm bzw. Empfehlung zu entgehen versuchen. Das Novum muss nicht automatisch Fortschritt bedeuten – jenes konnten wir veranschaulicht von den konservativen Kräften unseres Zusammenlebens lernen genauso wie der Konsens nicht immer Wahrheit bedeutet – was ein herber Schlag gegen jedwede Religiosität nach sich zog. Hier schreibe ich mich selbst in eine hervorragende Nische des modernen Denkens (obgleich doch moderne Philosophie nicht räsoniert sondern den Gedanken der zweiten Epoche in Begriffe gießt oder gießen sollte um der Bestimmung der dritten Epoche zu entsprechen). Die Nische ist: im Glauben ist der Mensch frei – jedoch ist er es auch in andren Nischen wie z. B. der Phantasie, dem Traum, der psychotischen Störung). Da aber nun ein Normungsinstitut keinen religösen Status besitzt ist dieser gedankliche Exkurs spekulativ produktiv (wegen seiner Falsifikation) – inhaltlich ein Kurzweil – aber der Sache dienlich gänzlich unproduktiv. Da ich nun vom Allgemeinen zum Besonderen übergehe – ist nur ein operativer Versuch zu einem brauchbaren induktiven Ergebnis zu gelangen. Ich will es über eine Fragekaskade versuchen?

Unterliegt die DIN2137 rein pragmatische Überlegungen?
Ist die DIN2137 an die Bedürfnisse eines Programmierers oder eines Typisten angelehnt?
Ist der aktuelle Stand der Programmierung von der Tastatur geprägt?
(Schließlich ist eine höhere Programmiersprache nichts weiter als eine les- und schreibbare Interpretation von Assembly-Code, welcher wiederum nur ein äußerst abstrakter Ableger vom Assembler selbst ist, welcher wiederum seine Befehle und Werte eigentlich nur als HEX Zahlen zur weiteren Verarbeitung an den Prozessor in Binären Code liefert wo mehr als 1.6 Milliarden Transistoren den Tastendruck auf den Screen projezieren – und wichtiger noch – den Gedanken auf eine Festplatte speichert).
Brauchen wir also ein C#German um die DIN2137 zu legitimieren?

Historische betrachtet war das erste brauchbare Tastaturlayout eine Kombination aus der Häufigkeit der Buchstaben in einem Text und der Leistungsfähigkeit des korrespondieren Fingers – so entstand das 10-Finger-Tastschreiben. Die Anordnung blieb über Generationen gleich – doch war sie schon damals Apriori zum Tode verurteilt. A Posteriori sollte es sich beweißen. Sie konnte niemals den Siegeszug einer Klaviatur erreichen – die keine geographischen oder kulturellen Grenzen kennt. Die Mondscheinsonate gespielt auf einem Konzertflügel klingt in China gleich (bzw. ähnlich, je nach Interpretation) wie in London oder Salzburg. Der Grund liegt in der Literalität und der Universalität der Musik – wo der Ton abhängig von der Position und der Stimmung ist, doch die Tasten keine Symbole brauchen. Konträr dazu hat der Zauberlehrling definitiv nicht das selbe ästhetische Schriftbild in Hindi oder Urdu wie im Vergleich zum deutschen Original. Ob der Veden auf Russisch (in kyrillischer Schrift) das selbe transportier, sei dahingestellt. Und die bedeutendste Frage – hat der Bubblesort Algorithmus die gleiche Schönheit im Persischen wie im Englischen? Sprache als globale Wahrheit hat trotz aller Bemühungen versagt weil sie eine geographische und temporäre Erscheinung ist – deshalb: Alexa spiele von Chopin Fantaisie in F minor!

Rossmann

2018-06-21 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir haben einen psychologischen Sitzkreis. Genauer genommen, mehr eine Sitzellipse. Das liegt aber wohl am Raum und weniger an der tiefenpsychologischen Bedeutung dieses Settings. Die Stühle reiben mit ihren Rückenlehnen an der Wand dieses rechteckigen und nicht quadratischen Raumes. Wieso sollten sie auch nicht? Dem Architekt kann man es nicht ankreiden, dass er oder sie sich dem Goldenen Schnitt verpflichtet fühlt und dieser (rein proportional) sich eher in einem Rechteck als in einem Quadrat realisieren lässt. Paul fragt sich selbst, wer wohl glücklicher sein mag – einer der seine Fenstern an der Breite oder an der Länge des Raumes hat. Dieser Raum hat nur ein Fenster natürlich am kürzern Ende des Therapieraumes. Er schaut noch einmal in die Runde und bemerkt das die meisten Sessel noch leer stehen. Klara ist da – und Bernadette. Natürlich Bernadette – niemals würde sie zu spät zu  einer Therapiesitzung kommen, geschweige denn eine versäumen. Sie kramt in ihrer kleinen Umhängetasche – diesmal hat sie wieder ein paar Notizen mitgebracht. Naja, so sind sie – die Mind Catcher. Diesen einen Gedanken muss man halt niederschreiben – womöglich hat er ja ein Ablaufdatum und ist bei der Sitzung selbst wieder obsolet (depressed and deprived). Klara durchschaut es – blitzschnell – eigentlich im Augenblick selbst. Den ganzen Strang, vom niedergeschriebenen Gedanken, vom Ablaufdatum und dem Kommentar „depressed und deprived“. Aber halt nur einen Moment, lieber blickt sie auf den Linoleum-Boden in Echtholz-Optik als noch länger auf Bernadettes beschäftigt wirkendes Gesicht zu schauen die noch nervös mit einer Hand in der Handtasche wühlt. Ihr suchen wirkt mehr wie ein tasten, dachte Paul woraufhin er beschloss lieber seinen eigenen psychologischen Fall nochmals im Geiste durchzugehen. Über allen Dreien schwebte die Frage: „Warum können drei sich in einer Gesprächsrunde nicht unterhalten – auch ohne Therapeutin?“ Einfach reden – aber das Schweigen dominierte die Stimmung. Bernadette hatte schon eine Theroie: „Weil vielleicht …“ – Paul schreckte sich unmerklich … und die Türe öffnete sich für die letzte Patientien. “ … Christina fehlt“. Das sonnige Gemüt einer guten Sesselrunde – ein anderer hätte sich vielleicht umgesehen – Christinie aber ging zu ihrem Stammplatz. Zwischen Bernadette und Klara, lieber näher bei Klara als bei Bernadette – was im Grunde gut war, weil es schon Usus war. Bernadette schenkte Christinie natürlich das obligate breite Begrüßungsgrinsen, sodass ihre Zahnfehlstellungen auch wirklich allen Anwesenden nochmals ins Bewusstsein gerufen wurde. Klara musterte noch stärkter den Fussboden und legte ein extrem-genervtes MakeUp auf ihre Mimik und Paul durchblickte alles – die gesamte Szene. Seine weit geöffneten Augen (noch vom Schock, dem Schrecken der plötzlich öffnenden Tür) lassen ihn sich um Jahre jünger fühlen. Naja – er konnte doch auf dieses Event eigentlich nur mit Flucht oder Kampf antworten – aber Paul als geschulter Psychopatient entscheidet sich lieber für den totalen Durchblick und nutzt die kleine-gratis Insulin-Dosis als Jungbrunnen für den Moment und atmet tief ein und wieder aus. Wer fehlt noch? Peter, Karl und die Therapeutin natürlich – die sich in dieser Satzellipse prominent in den Vertex setzten wird. Damit der Sitzkreis nicht allzu ärmlich aussieht, kommen noch vier weitere Menschen – Komparsen ohne Sprechrolle – ohne Bedeutung. Und wie sie ihre Plätze einnehmen – die Statisten und Statistinnen – werden auch Bernadette und Klara und auch Christinie vom Nimbus ihrer Bedeutungslosigkeit neu motiviert. Sie verzichten gänzlich auf ihre Rollen als Nebendarsteller – als Nebendarsteller in einer Welt wo Karl eigentlich Hauptrolle spielen soll und wird und werden in Folge den gleichen Wert haben wie die Topfplanze im rechten Eck dieses rechteckigen Raumes einnehmen . Paul bleibt – er muss. Ja und – die wirklichen Stars dieser psychologischen Gesprächsrunde treten auch ein. Peter, der im Gespräch mit der Therapeutin etwas Zeit der Sitzung auf den Flur verlegt hatte. Und Karl – als Freund von Paul – neben ihm. An dieser Stelle soll noch erwähnt werden, dass dieses Setting in Amerika – in Washington DC sich abspielt. Und da Psychotherapie in den USA sehr teuer ist, sollte noch erwähnt werden wie die Akteure sich diesen notwendigen Dienst leisten können. Peter und Paul sind Veteranen eines der vielen Kriege der Vereinigten Staaten jenseits der eigenen Heimat. Auslandseinsatz also, für Paul als Offizier und für Peter als einfacher Soldat. Das Veteranen-Ministerium der USA hat für solche ein großzügiges Post-Bellum-Programm. Sie sollen sich die Leiden von der Seele reden – Uncle Sam zahlt dafür. Karl, Karl Rossmann war in keinem Krieg. Zumindest nicht als einfacher Soldat und schon gar nicht als Offizier. Karl war, während dem Vietnam-Krieg, als Limousinen-Fahrer in Hollywood (LA) tätig. Er kutschierte die Stars – immer dann, wenn ein Event einen Auftritt mit einer Limousine von den Stars verlangte. Ihm waren die Stars eher fremd – das Pflichtbewusstsein war seine Raison. Er quatschte die Stars niemals voll – er brachte sie von A nach B. Die Bekanntheit seiner Fahrgäste war ihm weit weniger wichtig als der richtige Gang passend zur Geschwindigkeit. Er erledigte seinen Job und fühlte sich immer dabei wie ein gut geöltes Rädchen. Ein Rad in einem Uhrwerk. Ein Uhrwerk das den Lauf der Welt anzeigt. Nicht höher und nicht minder. Natürlich hätte er als Unteroffizier jederzeit einen Platz in diesem Krieg im Vietnam bekommen. Doch was hätte er dort tun sollen? Befehle zwischen Paul und Peter noch einmal aussprechen. Sinnlos, denn die zwei verstanden sich gut genug. Dem einen oder dem anderen zu zeigen, dass man funktioniert? Wohl kaum! Zu Paradox wäre es, eine weitere Ebene ins Befehlssystem einzuführen, die einzig und allein die Pflicht als Maxime sieht. Schon gar nicht, für einen Krieg der nichts mit der Verteidigung des eigenen Landes zu tun hat. Welche Pflicht gibt es auf fremder Erde? Jederzeit könnte Karl zurück nach New Jork gehen um dort beim wohlhabenden Onkle seine Zeit zu fristen. Aber er wusste, dass es kein Zurück für sein Leben gibt. Er wusste, dass sein Leben im kontinuierlichen Fluss ist. Er wusste von seiner Bestimmung – die doch immer nur ein Kompromiss – eine Zwischenlösung zwischen dem Leben von Peter und Paul war. Auch wenn er von Peter und Paul niemals etwas wusste. Oft fuhr er an den Boulevards der Großstadt vorbei, wo an unprominenter Stelle ein Graffiti zu finden war: „Euer Frieden ist unser Krieg“. Hippies, die eigentlich in der beschäftigten Welt des Karl Rossmann eine Nebenerscheinung sind, wollen ihn hoch halten – hoch als eine Ikone eines Menschen, der in Kriegszeiten seine Berufung gefunden hat, und so dem Selbstbewusstsein über die Arbeit ein neues Emblem verleiht.

Karl fängt an zu reden: „Ich kam nach Amerika, glaubte meinen Koffer verloren zu haben und fand doch einen Onkel in New York, der mich aufnahm…“ und während er  weiter von den einzelnen Etappen seines Lebens erzählte, kurz immer inne hielt um einen harschen Blick in die Runde zu werfen – doch aber wieder beim zuhörenden Gesicht der Therapeutin landete und weiter seinen Monolog frönte, kam ihm ein fremder Gedanke – der so nichts mit seinem Text zu tun hatte.  Fremd, weil gänzlich neu aber dennoch so nahelegend an seinem Leben – und warum sollte auch ein Gedanke nichts mit dem zu tun haben – um jenes was es zu tun haben sollte. Der Gedanke war, das eigentlich noch niemand je nach seinem Amerika gefragt hat. Und dennoch teilten sich seine Gedanken in zwei Spuren – auf der einen dachte er darüber nach, warum er nach all den Jahren noch immer nicht von seinem Amerika reden kann – auf der anderen sinnierte er über die Metaebene von fremden Gedanken nach. „Verbinde es! Bringe dieses Amerika in eine Schiene auf welcher auch dein Gedanke weiter leben kann. Beschreibe es – das Amerika als Imagination – als ein fremder Gedanke.“ las Karl in den fragenden Gesichtern der Anwesenden – wo ihr Wunsch sich zu Ergötzen wie ein Imperativ auf ihn wirkte. Es war immer selbstverständlich für ihn. Niemals konnte er sich anmaßen dieses Amerika, das er seit nun so vielen Jahren kennengelernt hat – in irgendeiner Weise sein Amerika zu nennen. Er sah sich immer noch als Deutscher – sein Wesen ändert sich in manchen Bereichen einfach nicht – und selbst wenn er manchmal bei Gesprächen mitlauschte (er tat es oft – das Zuhören war in der Gruppe seine Rolle) wie sich zwei seiner Mitmenschen darüber stritten, wer wohl der bessere oder einfach nur der echte Amerikaner sei und sie damit argumentierten in welcher Generation und wie viele Jahre schon keiner je diesen Fleck Erde verlassen hat, sieht Karl für sein Leben keinen Unterschied. Ob man hier geboren oder ob man hier gelernt hat, das zu sein, was einen guten Amerikaner ausmacht, kommt in Folge wohl wieder zum gleichen Schluss. Für Karl schon – denn er meinte noch immer viel in Deutschland gelernt zu haben und selbst wenn das Lebensnotwendige, das Tatsächliche hier von ihm studiert wurde, bedeutet es für ihn noch immer, mehr zum einen zu gehören als zum anderen. Wer fühlt sich nicht fremd? Wer braucht schon das Angesehen werden vom Anderen – vom Nächsten? Karl hätte sich jederzeit zu den Docks am Hafen begeben können um dort auf die neu Anreisenden verächtlich hinunter zu blicken. Seine 30 Jahre hier in diesem Land wären wohl Legitimation dafür genug – doch weil er wusste, das genau jene Immigranten auf diese verächtlichen Blicke vorbereitet sind – und wahrscheinlich nur mit Demut, einer schlecht gespielten Demut reagierten – wäre es für Karl einfach nur Zeitverschwendung sein Ego an der Erniedrigung des Egos seines Nächsten zu laben. Die Arbeit war es – immer. In der Selbstvergessenheit der Arbeit – im Funktionieren und in den Blicken seiner Vorgesetzten labte er Ego – pure Sklavenmoral bestimmte sein Leben – und dennoch, wenn er auch niemals in den Geschichtsbüchern als ein Held, als einer der etwas bewegt hat, aufscheinen wird – scheint ihm die vergeudete Zeit noch immer eine vergoldete zu sein. Natürlich erkannte er in den Blicken vieler weiblicher Zeitgenossinnen das Wohlwollen – er meinte sein Sinn für Gerechtigkeit sei der Grund – er meinte immer noch, das wenn er sich für das Gerechte einsetzt er weiterhin die Blicke ernten wird die ihm (auch wenn es ihm nicht bewusst ist) so über lebenswichtig sind. Und so schien ihm die Arbeit noch immer jener Teil des Lebens zu sein – der Tugendhaftigkeit verleiht. Nämlich die Tugendhaftigkeit a posteriori, die Tugend Gerecht zu sein war ihm a priori sowieso in die Wiege gelegt worden.  „… und so eilte ich zum Zug der uns nach Oklahoma bringen sollte und …“ erzählte Karl als er abrupt von der freundlich lächelnden Therapeutin unterbrochen wurde – weil sie ihre eigene Rolle als bezahlte Fachkraft für Gruppengesprächsleitung ins Bewusstsein rufte und eben auch so zu reagieren habe. Sie musste das Setting wieder auf eine psychologische – oder wenigstens auf eine gruppendynamische Ebene bringen – und so blieben ihr nur zwei Möglichkeiten. Die Erste, einfach in die Runde zu fragen ob sich noch jemand hin und wieder in der eigenen Heimat fremd fühle – oder die Zweite, zu fragen ob jemand das Gesagte kommentieren möchte. Wohl wären ihr noch weitere Möglichkeiten offen geblieben – das wusste sie als geschulte Therapeutin – zumindest hätte sie als letztes Mittel immer noch alles auf eine scholastische akademische Ebenen überzuleiten. Aber da sie sowieso schon zwei Fragedimensionen in ihrem übertragbaren Bewusstsein zur Verfügung hatte – war weiteres überlegen eher kontraproduktiv – wieso auch, mit einer Frage konnte man sowie nichts falsch machen. Auf das akademische wollte sie es einfach nicht rückführen – zu viele Überlegungen die einfach nicht vorher gemacht wurden fehlten für dieses traurige Setting, das keinerlei Zielformulierungen und keinerlei analytische Vorarbeit hatte, und so, würde man streng nach dem Lehrbuch vorgehen keinen spürbaren Therapieerfolg nach-sich-ziehen. Was sollte sie auch von Bedeutung fragen? Klara, erzählen sie von ihrer Kindheit – Bernadett, erzählen sie von ihrem Sexualleben – in der Gruppe – vor allen hier, wo für diese Menschen die Anderen die Öffentlichkeit darstellen? Going Public! Wie soll es auch funktionieren? Hier im geschützten Bereich der Gruppe können sie offen über alles reden – aus der Sicht der Therapeutin vielleicht (sie würde noch am ehesten an eine Verschwiegenheit gebunden sein, aber die Anderen?) dachte sie selbstkritisch über sich selbst so zeitgleich wie sie redet: „… inmitten wo wir uns normalerweise heimisch fühlen sollten, fühlen wir uns fremd. Wie erlebt ihr es?“ – ‚Eine Frage an die Gruppe, na das war ja mal wieder taktisch klug‘ fiel es ihr ins Bewusstsein und suchend schaute sie durch die Gruppe, in der Hoffnung einen Helden dabei zu haben, der für alle sprechen wird. Bei Karl hielt sie inne – aber er hat schon so viel Redezeit gehabt – wenngleich, hätten wir ihn reden lassen. Weiter erzählen von seiner Zeit hier in Amerika – von seinem plattitüden Leben ohne tieferen psychologischen AHA-Effekt. „Klara, fühlen sie sich manchmal auch fremd – in Zeiten und an Orten wo sie sich sich geborgen fühlen sollten?“ – „Ja“ antwortete Klara worauf sie wieder ihren Blick auf den Fussboden lenkte und damit wohl die vermutlich längste Sprechpause in der Geschichte der Gruppentherapie des Erfahrungsschatzes der Therapeutin einleitete.

[„Möchten Sie davon erzählen?“ – „Nein“ – zu trivial, „Warum nicht?“ – zu naiv – diesen Weg löschte die Therapeutin noch bevor sie ihn auch nur erwägen wollte]
[„Klara, wir erinnern uns an die Geschichte von Karl – was macht ihrer Meinung nach eine Amerikanerin in Amerika aus?“ – tief luftholend „Weiß nicht!“ – hätte sie doch nur noch gefragt: „Sagen Sie es mir?“ – aber sie tat es nicht.]
[„Und gibt es besondere Zeiten oder besondere Orte an welchen Sie sich fremd fühlen?“ – Jackpot]

„Und gibt es besondere Zeiten oder besondere Orte an welchen Sie sich fremd fühlen?“ fragte die Therapeutin und beendete in Rekordzeit die wahrscheinlich und vermutlich längste Sprechpause in der Geschichte ihrer Gruppentherapie-Erfahrung! „Oder sich fremd fühlten?“ fügte sie noch hinzu – während sie gegen ein Überheblichkeitsgefühl ankämpfte um bloß nicht abgehoben , arrogant oder überheblich – wegen ihrem Erfolg – zu wirken. Authentisch bleiben – sonst akzeptieren sie dich nicht mehr. ‚Bleib natürlich – so als ob die Frage die natürlichste der Welt wäre!‘ – die funktionale Selbstinduktion funktioniert (zumindest noch für 25 Minuten, weil dann die Sitzung zu Ende ist – ohne auf die Uhr zu schauen – diese 25 Minuten sind gefühlte 25 Minuten – Halbzeit: Es kann nur mehr besser werden und wird es schlechter, so werden sich Generationen noch an die grandiose Fragekaskade erinnern die hier und jetzt passierte.) Bernadette nutzte dieses grandiose psychologische Hoch auf ihre Weise. Ihre Weise war es, zu glauben, dass an einem Moment wie diesen ein schlagartiger Themenwechsel die Wogen jenes therapeutischen Fortschritts auch für ihre Wünsche und Bedürfnisse nutzbar zu machen. Noch bevor Bernadette fragen konnte, hatte die Therapeutin schon das „Aber natürlich dürfen Sie“ auf den Lippen, dennoch: „Darf ich etwas vorlesen?“ – „Natürlich dürfen Sie!“. Und so führte sie aus, von ihren anderen Therapien – besonders jener in der das Schreiben als heilende Maßnahme praktiziert wird. Sich zu allgemeinen Themen schriftlich äußern, scheint wohl in der Psychologie eine praktische Methode zu sein – Deduktion und Induktion in einem verpackt – die Rolle zeigt sich schon – wer nun vom allgemeinen auf das besondere Leiden erklären kann, oder das besondere Leiden zum Allgemeinen bringen kann. Wer so viele Therapien wie Bernadette besuchte, dem war der Unterschied eigentlich schon so etwas von egal geworden. Ob ihre schlaflosen Nächte einen Namen trugen – ein Motto – erleichtert ihr nur das Gespräch beim Apotheker, mehr aber auch nicht. Bipolar, bipolar Depressiv – mit all ihren langen Hochs und noch längeren Tiefs die diese so spezielle Form der Depression mit sich brachte. Gegenwärtig sei sie stabil – so steht es zumindest in einem Befund irgend eines Doktors der Psychiatrie der sie ausführlich begutachtet hat. Als ob das Leben mit der Diagnose „bipolare Depression“ nicht schon allein hart genug wäre, hat sie zusätzlich auch noch diese Krankheit an ihrer Seele – die, weil sie so speziell ist, sich lieber nicht in irgend ein Kategorienkorsett schnallen lässt. Aber die Diagnose hatte schon so seine Vorteile – eben halt nur auf einer rein sprachlichen Ebene oder genauer genommen – im sozialen Kontext. Das sie keinen ernst zunehmenden kognitiven Schaden hat, stimmt sie versöhnlich mit sich selbst. „Ich spinne doch nicht – ich bin doch noch ganz normal – ich bin nicht verrückt!“ – das sie alle dieses Aussagen über sich jederzeit problemlos im therapeutischen Gespräch verwenden kann und sie es doch nicht tut – aus Rücksicht zu den Anderen – nämlich zu jenen die an Schizophrenie oder an Wahnvorstellungen leiden. Ihr Leiden war emotional mit extremen Auswirkungen auf ihre Bedürfnisse. Sie hielt kurz inne – sinnierend ob ihr Text womöglich ungesund für genau jene die an Schizophrenie oder an Wahnvorstellungen leiden sei. „Ich habe diesen Text in einer Schreibtherapie geschrieben.“ sagte Bernadette. „Das Thema war, einen Brief zu schreiben – an jemanden den ich schon lange nicht mehr gesehen habe, der mir aber trotzdem sehr am Herzen liegt“. Diese therapeutische Maßnahme ist in seinen Grundfesten doch solide – der Patient assoziert vergangene Zeiten mit einem Menschen der ihm/ihr am Herzen liegt/lag und sollte so für das Hier und Jetzt ein durchwegs affektiv-positives Erleben aus der Glückserinnerung (contraire zur Schmerzerinnerung) initiieren. In Verbindung mit diesem Gefühl und der Darstellung der negativen gegenwärtigen Situation sollte sich doch Diskussionsstoff für den Therapeuten ergeben.
„Ich habe meinen Brief an Gott geschrieben … “ fügte sie hinzu und ein Raunen schlich durch die Gruppe. “ … wenn ich vorlesen darf …  – kurze, wirklich sehr kurze Pause – gerade einmal für einen tiefen Atemzug – sie liest:

Sehr geehrter Herr Gott!
Wir bedauern die 40 Peitschenhiebe und den äußerst unvorteilhaften Tod Ihres Sohnes, Herrn Jesus Christus, geb. am 24. Dezember 00 in Nazareth. Dennoch müssen wir Sie darauf Aufmerksam machen, dass die Verurteilung nach gültigem römischen Recht passierte und Sie, als noch lebender Anverwandter für die Zahlung der Hinrichtungs- sowie Begräbniskosten aufkommen müssen. Da Sie auf mehrmalige Erinnerungsversuche nicht reagiert haben, beläuft sich der gegenwärtige Saldo mit einer Verzinsung von 7 % per Anno seit 31 n. Chr  bei € 5,109^20 bzw. $ 5,97^20 nach Abzug aller verwertbaren Assets. Bitte bezahlen Sie den offenen Betrag binnen 14 Tagen auf unser Schweizer Bankkonto xxx, ansonsten müssen wir weitere juristische Mittel einsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Bernadette K.
Judeas Inkasso International

Für Karl ist eine Situation wie eine diese nicht unbedingt befremdend. In seiner Zeit in den Vereinigten Staaten von Amerika hat er schon so manche Erzählung erlebt – ja sogar so manche Blasphemie. Wie hätte er auch darauf reagieren sollen – es wäre auch gar nicht seine Aufgabe gewesen. Vielmehr war sein Gedanke plötzlich auf eine Therapie fixiert, die er neben dieser Gruppensitzung zu absolvieren hat. Es ist für ihn noch immer ein schwer erklärbares Leben – er, in einer Bewegungstherapie – Bernadette in einer Schreibtherapie – neben diesem Treffen, wo sich alle nochmals zusammenfinden um Schonungslos zu plaudern – für Karl, eher ein Mysterium. Sein Leben war vorher nie darauf ausgelegt, dass Reden Arbeit sei. Es wäre für ihn auch gänzlich denkbar unmöglich bare Münze für ein gesprochenes Wort zu bekommen. Diese Therapie, und auch seine Bewegungstherapie werden ja auch nicht bezahlt. Es wäre allzu Paradox für ihn für Sprechen harte Dollars in Rechnung zu stellen. Schon gar für das Zuhören, Geld zu bekommen – eine undenkbare Welt für Karl Rossmann. Und so sieht er auch, sein Zuhören über diesen grotesken Brief an Gott eher als ein hineinleben in den Moment der in Folge das ausmacht, was er und vielleicht auch alle anderen auch – einen Abschnitt im Chronologischen nennt.

 

HIS META MIND

2018-06-06 § Ein Kommentar

Du wirst dir ziemlich schwer tun, wenn du wirklich vor hast etwas gegen ihn zu unternehmen. Seine Art zu codieren ist brillant – sein Code stabil. Äußerst stabil. Seine Skripte sind in der Flüchtigkeit des Internets so stabil wie Stahlbeton. So wie Mozart seine Tonleiter und Noten hatte – hat er seine Imperative, die – wenn einmal angeordnet – jeglicher Progessionskritik standhalten. Sein Betriebssystem ist das Non-plus-ultra. Die Einstellungen, die vielen kleinen Scripte, seine Daten – seine Assets – seine Ordnung! Er lebt seine Trennung – er lebt zwischen Private und Public – streng getrennt – und so auch seine Files mit ihren unzähligen Bits und Bytes. Die Grenzen verschwimmen zwischen anderen Metaebenen die auf sein Denken wirken.

Alles juristische zwingt ihn zum Kompromiss – alles juristische als Sprache ist ihm aber dennoch fremd. Es ist ihm die Sprache des Herrschenden, wo doch seine Sprache nur das vorherrschende kennt. Er unterordnet sich nur der Meta-Kognition – dem MetaMind – welches all sein Tun begleitet wie die dritte fehlende Instanz einer unvollständigen Trinität. Sein Wesen lässt es nicht zu – seine Unterscheidung zwischen Schwarz und Weiß ist nie ganz Schwarz und ebenfalls nie ganz Weiß.

Auch eine Trennung von Geist und Körper zaubert ihm nur ein Lächeln ins Gesicht, denn er kennt den Unterschied zwischen seinem Glauben – also dem was er Wissen nennt und seinem Gott – seinem System. Und so wird sein Gottesdienst ein ständiger Lernprozess, weil er den wahrhaftigen Gott nicht im Nächsten sieht, sondern manifestiert im Denken seines Nächstens und das natürlich digital. Es entsteht für ihn ein Protokoll, welches viele Bibliotheken in sich zusammen fallen lässt – denn nichts ist obsolet – genauergenommen: Nichts ist obsolet. Und das ist dann auch seine Challenge – sein Marathon ohne Zieleinlauf.

Der Krug geht solange zum Wasser bis er bricht – wie er zusammenbricht? – Wie er sein Denken dazu nutzt eine Vielzahl an Kategorien für die vielen Bibliotheken abzuspeichern, in dieser inhomogenen Masse – in seinem Hirn. Und dennoch speichert er alles in Form von Ton, Bild und Text – bewegt oder unbewegt – in sein System das in Folge dadurch auch immer nur ein Hilfssystem bleibt. Die Hilfe ist bedenklich – der Nutzen jedoch heiligt die Mittel.

Er und das Andere? Seins und das des Anderen – der Anderen. Für ihn eine nette Abwechslung, weil er im anderen System keine Bedrohung mehr sieht – schon lange nicht mehr. Was ihn fordert ist das Verständnis und hier ist auch sein Futter für sein Ego – im Verstehen.

Die gängigen Drogen sind ihm deswegen keinen Euro-Cent wert – sie sind auf übertriebenes Selbstbewusstsein, sie sind auf unechte Gefühle – sie sind auf Performance aus. All das will er nicht – die wenigen anderen Substanzen, die ihm Erkenntnis versprechen, sind in seinem Bemühen nach Verständnis ein Kurzweil – einfach ein Trip – ein Kurzurlaub. Die Erkenntnis – und das Lustgefühl welches mit Erkenntnis verbunden ist – behält er sich für ein Leben nach dem Leben auf und schiebt es auf die lange (Daten)Bank. Deswegen greifen die Anregungen seiner Umwelt nicht – das bessere Auto, das bessere Essen, die besseren Drogen und der bessere Sex – nichts davon irritiert ihn – solange er versteht.

Versteht er nicht – dann fragt er nach – versteht er trotzdem nicht – so verwirft er das Gesehene, das Gehörte, das Gespürte – mit der Begründung, dass es einfach nicht – nicht einfach – auf Verständnis ausgerichtet ist. Das macht ihn nicht Arrogant aber ebenso auch nicht besonderes Interessant, weil ein Leben ausgerichtet auf Verständnis wenige zwischenmenschliche Spiele kennt. Jedoch ist dieser Umstand auch der Grund warum er dennoch Charisma besitzt – nicht jenes eines Siegers, mehr jenes eines Nicht-Verlierers so wie sie alle Nicht-Spieler haben, doch wer spielt schon auf Dauer nicht, wenn nicht er. Was ist nun das Besondere an ihm? Wohl weil der Fruchtgenuss des Verstehens die Erkenntnis ist und er aber auf diese Früchte verzichtet. Wohl aber auch, weil er sein Verstehen-Können perfektioniert hat indem er aufhörte zu bewerten und in Folge zu beurteilen. Mit ihm zu reden ist so geil, wie ein Gespräch mit einem Kassettenrekorder der Verständnisfragen stellen kann!

The Sim:s:ons

2018-05-25 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Arbeitsleistung ist aus den Fugen. Das Gebotene ist dem Realen näher als jede andere Form der Verschwendung. Das Angebot nimmt den Stellenwert eines Gespräches ein – eines guten Gesprächs. Zwischen den fehlenden Schränken für Geschirr oder dem Tafelsilber scheint der Haushalt gut aufgeräumt und eigentlich auch gut organisiert zu sein. Die Wege sind optimal. Optimal orientiert auf das was ich oder du oder einfach wir vor|haben.  Möbel sind Dekoration und Organisation zugleich. Sie sind das Layout und das Design im Alltag des Lebens. Zwischenräume gibt es kaum – ist auch nicht notwendig – jedoch Räume zum Atmen, das ist es was zwischen den Räumen so fehlt. Das was wir ‚wohnen‘ nennen ist ein … in einer Umgebung. Für die drei Punkte fehlt noch ein Verb – das ist mir klar. Ich zitiere hier canoonet (auch wenn mich das Zitat einiges an Angstschweiß und Arbeit kostet): Bei der Suffigierung von Nomen zu Verben wird ein Nomen mit einem Suffix zu einem Verbstamm verbunden. Das kann in unterschiedlicher Weise geschehen! Wo also noch eine zufriedene und glückliche Generation mit Adverben aufgewachsen ist (mein Gott – es gibt sogar Naturvölker die ihre Sprache nur auf Adjektiven aufgebaut haben) sind wir es es – hic et nunc – die ihre Tätigkeiten von Dingen ableiten – abstrahieren.

Intermezzo zu diesem Gedanken:
Der Abstand zwischen dem Einen und dem Anderen ist im Gleichgewicht.
Der Abstand zwischen dem Einen und dem Anderen harmoniert.
Das Eine und das Andere harmoniert. (zumindest was den Abstand betrifft).
Das Gleichgewicht und die Harmonie sind miteinander verwandt – obgleich ein Gleichgewicht in einem Messverfahren eigentlich nicht mehr ist als ein verhältnissmäßig großes bzw. kleines Blei- oder Metallstück ist. Das Gleichgewicht kommt also aus der Dingwelt – die Harmonie jedoch aus der Welt der Beschreibung. Der Gedanke spinnt sich von selbst weiter: Die Welt der Beschreibung ist als die Welt der Adjektive und Umkehrschluss. Doch Beschreibungen sind auch artverwandt mit der Welt der Sprache. Die Verwandtschaftsverhältnisse lassen sich leicht deduzieren: Dem Vater liegt das Wesen nahe – der Mutter die Rede darüber. Oder doch nicht so leicht wie gehofft. 
Ende des Inermezzo.

Die Umgebung in der das Leben passiert befolgt also eine irgenwie geartete subjektiven Gesetzgebung. Nun will man aber sich selbst der objektiven Umgebung anpassen – warum nur? Wo doch scheinbar das Objektive die Worte beherbergt wie ein Wörterbuch seine Nomen jedoch das Subjektive das Interesse für sich gepachtet hat. Im  Objektiven (in einer rein sprachlichen Umgebung) kann man nichts finden mit dem man bare Münze gegen seelische Bedürfnisse tauschen kann. <autobiographisch> Und so ist es auch, dass mein ‚Single-Haushalt‘ einen Esstisch hat, mit genau vier Sesseln um den Tisch herum – obgleich einer reichen würde. Nicht jetzt, weil ich für drei weitere Gäste vorausschaue (nein ich hätte noch Sitzgelegenheiten für mind. fünf weitere) – es ist einfach, weil dieser Tisch genau für vier Personen konstruiert wurde – und diese Konstruktion habe ich in meine Subjektivität aufgenommen. </autobiographisch>. In mitten also dieser Umgebung könnte ich mich mit Dingen vollstellen – verstellen. Solange diese neuen Dinge keine adjektive Arbeit verrichten. Sie sollen zwar den Bewegungsdrang einschränken – jedoch bitte keine Botschaft vermitteln. Diese Gratwanderung ist vermutlich nur über Funktionalität und der Schlichtheit des Design erreichbar. Wenn überhaupt! Das Dinghaftige soll einfach nicht suggerieren – es soll Ding sein – die Idee dahinter soll sich mit dem Abbild zanken um so die Umgebung zum Bewegungsraum zu machen (wenn man das will). Geführt – gelenkt. Wie auch immer – solange die Bestrebung besteht die Umgebung auf ein Tun auszurichten, sind auch alle Bemühungen dahingehend bedingt einsetzbar. Und hier ist dann auch das tiefegründige Problem zu finden (und in Folge als Frage formuliert). Ist der Körper losgelöst vom Geist ein Ding? Kann sich ein losgelöster Körper in einer Umfeld aus Dingen harmonisch unter- oder überordnen? Betrachtet sich der Körper komplexer als es ein Tisch oder Sessel ist?  Wir kennen die Phänomene: Der Körper kann auf Fragen antworten, dessen Antwort im Geist noch nicht formuliert wurde – und mein Gott: es sind Antworten mit logische Prägnanz. Es sind Antworten die sich über die vier Seiten einer Botschaft erklären lassen. Und ist eine Antwort auch nicht gleich zuweisbar – zu diesen vier Seiten – ja dann ist das Botschaftsmodell halt kein Quadrat (oder Rechteck) sondern ein Vieleck – vielleicht sogar mit einer Ecke für die Metaphysik. Wir könnten unsere Körper in eine philosophische Olympiade entsenden – „Kommst du noch mit auf einen Kaffee?“ | „Wer glaubt denn was er|sie ist.“ und als Antwort: „Ich krieg von dir niemals genug!“.

Solange wir also unsere Körper testen, müssen wir unseren Geist die Mühsal einer Simulation aufbürden. Wir simulieren zuerst – noch bevor wir ein Testdesign haben. Die Hypothese kann schon in der Simulation entkräftigt werden – die These ist nicht mehr als eine einfache Antwort auf eine komplexe Antwort – und erst die Theorie sollte dem Körper zugetragen werden. Sollte vom Körper überprüft – verifiziert – falsifiziert – vom Körper obsolet oder absurd gesprochen und vom Körper als Nichtig deklariert werden. Die vorrangige These, dass ein Labormäuserich auch eine Labormaus freudigt ist zwar richtig – doch nur ein Segment der Vielfältigkeit des Mäuserichs und seinen Ambitionen. Die Labormaus teilt nicht unbedingt automatisch die Vorlieben seines Wissenschaftler. „Oh ja – ich möchte meiner Labormaus heute etwas gutes tun: Es mag sicher ein weißes Pulver das es durch die Nase hochzieht!“ Lächerlich! „Es will sicher auf einer Bühne stehen und der große Star sein – vor Tausenden von Mäuserichen die ihr zujubeln.“ Grotesk – sie fragt sich nur, wie sie mehr als zwei, drei – bei Gott vier bedienen kann – ganz allein – aber Tausende …

Stellt man nun aber den Labormäuserich auf die Bühne – um vor tausenden von Mäusen zu singen, zu tanzen, zu performen – na dann: „MTV sagt Danke“.

Aber wie auch immer. Solange die Räume zeitlich und räumlich voneinander getrennt sind – wobei die zeitliche Trennung nur ein Richtwert ist – aber kein Gesetzt – und das Räumliche nur ideell getrennt und nicht konsequent ist, kann die Umgebung eine Dynamik erzeugen – die dem Wunsch nach einem gerechten Leben nahe kommt. Denn das Gerechte ist eine Bewegung und nichts Starres. Gerechtigkeit erwächst aus dem Moment und eure Gesetze sind gut zu lesen – sind zu zu schreiben – zu wiedergeben. Sie sind eine Momentaufnahme einer einzigen Gegenwart die noch lange nicht für die Ewigkeit bestimmt ist – aber geschichtsträchtig genug um für all die Chroniken der Zukunft einen Wurf erlauben – der wächst und wächst und wächst … So als ob mein-mich euphorisch und glücklich-machendes Handeln, nur nach derjenigen Maxime, durch die ich zugleich wollen kann und durch die ich ein allgemeines Gesetz werde, mich und meine Wahrheit bestimmt. Dieser fromme Wunsch ist eine Leitlinie (nicht mehr) und kann eigentlich nur durch Pornographie illustriert und durch ein Gesetzgebungsverfahren manifestiert werden – solange wir an die Ewigkeit des Papyrus glauben!

 

Zirkel-Schluss-Aus-Verkauf

2018-04-13 § Hinterlasse einen Kommentar

Der nächste Satz ist die Wahrheit!

Der vorherige Satz ist eine Lüge!

 

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Der Pina Colada Code

2018-03-09 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach allen bisher durchforsteten Quellen, abgesehen von einem Interview, arbeitete Reinhard Posch im Jahr 1979 in Sperry Univac (Roseville, MN, USA). Fairnesshalber muss man Herr O. Univ. Prof. DI. Dr. Reinhard Posch sagen bzw. schreiben – ich verzichte aber das Titelgehabe und drücke meinen tiefen Respekt im Satz: „Ich respektiere ihre Arbeit vollends“ aus. Roseville in Minnesota hat ca. 36 000 Einwohner/innen – in der Größenordung einer Bezirkshauptmannschaft hier in Österreich, doch dennoch von großem Interesse um einen Code zu knacken – womöglich jenen Code der den Durchbruch der PC Technologie zur Folge haben wird. Ob nun das Fristen in der TU Graz oder dem Joanneum Research oder ob eine digitale Revolution von Minnesota oder Kapfenberg gestartet wird, ist in der digitalen-globalisierten Welt nachrangig. Nicht einmal der nächste Server ins WWW spielt eine große Rolle, für jene, die revolutionär und nicht nur reproduktiv am Projekt „Informationsverarbeitung“ arbeiten. Ob nun ein Modem in Muggauberg/Weststeiermark mit einer Geschwindigkeit von 64K oder ob nun direkt am Server-Knotenpunkt gescriptet wird – spielt für den reinen Code eine der nachlässigsten und irrelevantesten Größenkomponeten im Ideenbereich der De- und Entcodierung einer (im Grunde) Idee. Selbst ein Akustikkoppler mit 300 bis 2400 Bit/sec reicht aus – denn wer es schafft schon 37,5 bis 300 Anschläge pro Minute zu tippen? So war nun dieses Jahr 1979 – die digitale Globalisierung gab es sicher schon lange vor Maurer und Posch, in den Köpfen mancher Philosophen. Die Vernetzung – wollt ihr die totale Vernetzung? – und für die breite Masse das BTX System.

Ein kleines Präsent von Maurer/Posch und Co. –> das Mupid. *13071978# leichter zu merken als jede IP-Adresse, zuverlässig und allein wegen seiner Exklusivität vertrauenswürdig – ein Text im Mupid müsste Wahrheit sein – nicht weil es tatsächlich Wahrheit ist – sondern weil der Konsensaufruf direkt aus dem Hirn einer neuen Elite stammte. So tolle Sache konnte man machen – Onlinebanking im BTX – CCC (Chaos Computer Club) hat es uns genommen und uns den Begriff „IT-Security“ gegeben – ein m. E. schlechter Tausch. Das bespassen von Millionen Pixel in Millionen Farben war eigentlich so nicht vorgesehen. Es galt, die fundamentalen Ideen der Informatik in Gold (bzw. in Binäre Zahlen) zu gießen. Und dafür gab es schon genug theoretischen Spielraum: Die Prädikaten-Logik, die Boolsche Algebra und natürlich die Mathematik in all seinen Wesenszügen.  Es musste einfach ein gedankliches System zu Weiterleitung von Elektronen innerhalb eines Schaltkreises gefunden werden. Es musste ein Weg gefunden werden, ein Elektron nach links –> zur Null oder nach rechts –> zur Eins zu schicken – und Elektronen gab es schon damals zu Hauf. Es galt ein physikalisches Ordnungssystem zu finden – in welchem der Mensch auf atomare Ebenen eingreift. Bibliotheken – gab es noch nicht, nicht so, wie wir heute sie als Verweise einbinden – aber die Zeit sollte auch dieses lösen. Vielmehr galt es, einen Nutzen dafür zu finden – und natürlich bot sich Wissenschaft und Wirtschaft wie eine Dirne dafür an. Die international Business Maschines erkannten in der neuen Technologie eine massive Kostenersparnis in der Verwaltung, zu enormen Startkosten – aber sie sollten Recht behalten. Die Wissenschaft erfreute sich an den neuen Möglichkeiten dieses überdimensionalen „Taschenrechners“ und das Militär – naja, es spielte mit. Da standen sie nun, die Informatiker ihrer Zeit und sie strahlten einen sonderbaren Körpergeruch von sich – so als hätten sie zu viel geraucht – so als hätten ihre Köpfe zuviel geraucht und sie sagten: „Macht euch keine Sorgen, wir stehen euch bei“. Damit wurde sie geboren, die Hilfswissenschaft „Informatik“. Jener Knecht der Wissenschaft, der bereit war, jede Verzweigung plangerecht zu gehen, jede Schleife bis zur Unendlichkeit zu wiederholen und jede Rekursion auszuführen – möge sie noch so langweilig sein. Aber es galt so etwas wie ein Betriebssystem zu finden – ein System das in Folge den User erschafft. Doch wie sollte das aussehen? Eine Programmiersprache als Betriebssystem? Es musste Hard- und Software verbinden! Eine Bibliothek als Betriebssystem? Es musste Zugriff für jeden und jede schaffen! Ein Objekt als Betriebssystem? Damit war der Großrechner in seiner modernen Form geboren und starb an seiner eigenen Abstraktion. 1979 – ich will nicht weiter bei den Avantgartistischen Ideen und Gedanken verweilen, ich will mir dieses Jahr als solches ansehen – ich will es erleben. Was ist passiert?

Ein gewisser „Rupert Holmes“ brachte einen netten Song online – er brachte ihn in die Köpfe der Menschen über die Billboards dieser Welt – den „Pina Colada-Song“ oder „Escape“. Er scheint ein wenig müde von seiner Lady zu sein. Zumindest wollte er es uns in seinem ersten Satz des Liedes mitteilen.  Wollen wir bitte die Plattitüden des Song-Textes vernachlässigen – und in Folge (sollte jemand die Kommentarfunktion verwenden) einfach überhören und genauer auf den Refrain hören.

If you like Pina Coladas – damit hätten wir die erste Verzweigung, die sowohl als Konstante verstanden werden kann – und abzüglich seines Plattitüden Gehalts als Pina Colada – bzw. PC verstanden werden darf. And gettin‘ caught in the rain darf als einen Zustand verstanden werden, der sich in einer Endlos-Schleife wiederfindet. Zumindest, abgesehen von der Metaphorik, ist es ein Zustand der Verzweiflung. If your not into yoga sollte den Zustand beschreiben, der den User nicht in einer Rolle sieht, die konteplativ alles abwarten möchte, was passiert – in einem meditativen Sinne!.  If you have half a brain – damit arbeite ich selbst noch, aber es scheint einen Zustand der Unsicherheit (der geistigen Unsicherheit) darzustellen. Einen User-Bezogenen-Umstand – der diese Funktion befähigt. If you like making love at midnight
In the dunes on the cape – und damit dürfte der Maschinen-bedingte Anteil in Ansprache komme. Die Dünenen des Verlassens können nur ein Resultat eines inneren Wunsches verstanden werden – welcher einen weitgreifenden Imperativ auf das originäre Seins des Users in sich trägt, damit einen zutiefst menschliches Begehren. I’m the love that you’ve looked for – eine vorzeitige Realdefinition wird suggeriert und damit weniger als Maschin-relevanten Codeteil angesehen, sondern als dem User innewohnendes Bedürfnis welches das System über die reine Rationalität erhebt. Write to me and escape ist eigentlich der Imperativ, der die Escpage-Funktion auslöst. Ich vermute, das den Verfassern (rund um Holmes) noch nicht die Bedeutung dieses Scriptes für die Zukunft bewusst war. Ich vermute, das jenes Script noch nicht als Keymapping auf eine der prominetesten Tasten auf jeder Tastatur (der ESC-Taste) angedacht war – deshalb wurde sie als Script – als ein „Write to me“ definiert. Die weiteren Code-Schnipsel und seiner Bedeutung für ein Escape-Script, dass sowohl als Möglichkeit aus einer unvorhergesehenen Entloschleife als auch als Austieg aus einer unmöglichen mathetischen Operation verstanden werden darf – überlasse ich den Lesern und der Möglichkeit in der Kommentarfunktion seinen/ihren Beitrag zu leisten.

Da wären:

  • And cut through all this red tape
  • So I waited with high hopes
  • und natürlich jede weitere Zeile losgelöst von seinen Plattitüden!

Hier der Link zum Pina Colada Song auf YouTube: Hier der Link