Sie ist für mich der gute Geist!

2018-11-01 § Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Ida!

Das muss ich wohl erklären – es gibt zwei Arten von Philosophen: „Den Praktiker und den Theoretiker“ (und von beiden noch die weibliche Form). Keiner von beiden ist eine konkrete Hilfe für Ratsuchende. Ich will es durch ein Bespiel illustrieren: Jemand fällt in ein tiefes Loch – es bildet sich eine Traube von unterschiedlichen Menschen darum. Natürlich auch ein Philosoph. Der Praktiker bringt sofort mind. 5 gänzlich verschiedene Erklärungen WARUM dieser jemand in das Loch gefallen ist. Der Theoretiker redet lang und ausführlich über das Loch und die Lochhaftigkeit und über die planke Nicht-Existenz von Boden oder er spricht über das Fallen als dynamischer Prozess innerhalb einer Kausalkette von Bewegung versus dem absoluten Ruhepunkt. Sonst würde er eigentlich weiter beobachten und sich Gedanken machen – um daraus zu lernen, wie ein Anderer diesen Jemand aus dem Loch hilft. Nun ist aber ein echter Philosoph in seinem Wesen kein Arsch (auch wenn er zu 95% Analytiker oder Systematiker ist). Wenn er nun merkt, dass keiner einen Finger rührt, fängt er an, über Ethik und Moral zu sprechen bis endlich ein Anderer seine Hand hinunter in das Loch hält um zu Helfen, nur um das Geschwätz des Philosophen nicht länger anhören zu müssen. Aber selbstverständlich kann es vorkommen, das genau dieser Jemand auf einen Philosophen trifft der Vollblutwissenschaftler (Analytiker und Systematiker) ist. Dann sitzt er über Monate und Jahre, neben dem Loch und denkt über ein Sein im Nichts nach und ruft nur zwischendurch/willkürlich Fragen hinunter um vielleicht einen Denkfehler zu korrigieren oder um eine gedankliche Sackstraße zu verlassen. Aber auf jeden Fall wird ein Gros der Philosophen Ideen und Gedanken vorschlagen um ein nochmaliges Fallen in ein tiefes Loch vermeidbar zu machen. Beziehungsweise; Wenn die Mehrheit wünscht, dass sich dieses Ins-Loch-fallen-Event wiederholen soll – so liefert er auch dafür Ideen und Gedanken. Und in den meisten Fällen, liefert er Ideen und Gedanken für ‚das Eine‘ oder ‚das Andere‘ oder gar für ‚etwas ganz Anderes‘, genau jenem, der eine großzügige Entlohnung für die Denkarbeit einräumt.

Deine Philosophin in dir ist definitiv nicht pessimistisch. Sie ist eher diejenige, die dir (im Ganzen) sagt: „Stell das Telefonbuch neben das Telefon“. „Häng einen Ausdruck vom Busfahrplan neben die Tür!“ – „Lies dir nochmals die Kochanleitung für Pasta durch! (nur um auf Nummer Sicher zu gehen)“ Deine Philosophin in dir, ist jene die dir unbewusst hilft eine Bankomatkasse zu bedienen – obwohl diese Kassa ein Modell ist, welches du vorher noch nie gesehen hast. Sie ist es, die ein neues Smartphone bald verständlich macht, obwohl du nie die Betriebsanleitung gelesen hast. Überall dort, wo ein System zu erkennen ist – übernimmt sie auch die Überhand und leitet dich durch dieses durch. Pessimistisch ist sie nur, wenn sie dich durch ein System mit Fehlern leiten soll. (z. B. eine Chefin gibt dir Anweisungen die keinen Sinn ergeben.) Sie ist es aber auch, die dir den Sinn von GIS-Gebühren, Bankspesen oder dem ‚Vorzeigen des Zulassungsscheins‘ bei einer Polizeikontrolle erklärt. Und je mehr du deine Philosophin in dir ‚fütterst‘, desto eleganter und leichtfüssiger tänzelst du durch die Systeme in unserem Leben – durch das Wiener U-Bahn Netz, die Logik einer Chopin-Partitur, ein komplizierter STVO-Schilderwald. Und ist sie wohlgenährt, dann lenkt sie in einer sachlichen Diskussion ein, und sagt: „Das ist Meinung und nicht Fakt“ – oder „Es mag wahr sein, aber woher weiß ich diese Wahrheit“. Sie interveniert, wenn du etwas unterschreiben musst und sagt: „Ich möchte alles vorher lesen bevor ich etwas unterschreibe“. Sie begleitet dich immer – und das tut sie gut. Aber sie ist in dir nicht die absolute All-Macht. Sie fragt ganz naiv: „Was darf ich hoffen?“ – Sie fragt kindlich: „Was soll ich tun?“ – Sie fragt unsicher: „Was kann ich wissen?“. Und im Grunde fragt sie nach dem, „Was der Mensch ist?“ – das Ich und der Nächste. Die seltsamen/theologischen Fragen: „Woher komme ich?“, „Wohin gehe ich?“ usw. sind für die Philosophin in dir eigentlich leicht und schnell beantwortet: „Vorher war ich in der Küche, jetzt bin ich im Wohnzimmer!“ – „Heute am Abend gehe ich zum Swing-Tanz – in meinen Swinger-Club (HAHHAHA)“.

Liebe Grüße,
Tom

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