Postmodern

2018-08-02 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Geschichte der Philosophie sollte eigentlich hinlänglich bekannt sein. Es hat sich in den letzten 656 Olympiaden so einiges getan. Zahlreiche große Namen sind aufgetaucht die mit noch zahlreicheren Worten, Ideen und Gedanken den ihrigen Teil zu dem beigesteuert haben, was wir philosophischen Fortschritt nennen. Dieser Fortschritt ist natürlich ein Irrglaube – es gibt keine Progression in der Philosophie. Auch das Finden von neuen Begrifflichkeiten ist nur ein trauriger Versuch den Gedanken, die Idee, das Wort mit Silben in Töne zu gießen. Aber es muss sie doch geben, diese Geschichte der Philosophie (nur allein, aus pragmatischen Gründen) den gäbe es sie nicht, so müssten viele Universitäten ihre Lektoren und Professoren ins Vorwarnsystem des Arbeitsmarktservice eintragen. Nun gibt es drei große Herangehensweisen, um die Philosopheme in ein chronologisches Korsett zu zwängen. 1) Über die Namen jener Subjekte die den geisteswissenschaftlichen Status am vorzüglichsten vortragen konnten weil sie mit Charaktereigenschaften, ich gehe sogar soweit zu sagen, mit physiognomischen Besonderheiten ausgestattet waren – um das Protokoll des Weltengeistes mit der geringsten Fehlerquote bei der höchsten charismatischen Wirkung auf die Mitmenschen wiederzugeben. Das philosophische Moment wurde erst in der Kongruenz des Inhalts zum Medium Mensch möglich – manchmal ein Faszinationsmoment, manchmal erst der Grund es auf eine wissenschaftliche Ebene zu heben – obgleich Philosophie – wahre Philosophie im Wesen keine Wissenschaft ist – sie ist lediglich die Mutter jeder Wissenschaft und genau jene Mutterpflichten sind es, ihren Kindern (Disziplinen) das bestmögliche Vorwärtskommen zu ermöglichen. Aus ihr heraus entspringt auch das Postulat – alles Philosophische als Weiblich zu betrachten – alles philosophieren selbst, so in Folge als reines maskulines anzusehen. Ihm zugrunde liegt nicht die Frage, wie oft gemeint – sondern das kognitive Bedürfnis zu Verstehen. Die Frage ist nur ein Werkzeug um das Gebilde Verständnis aufzubauen. Wenn die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt wird, so hat die Frage selbst rein nichts Räsoniertes in sich – will sie nicht dem Verständnis dienen und damit dem Verstand. Zu wissen woher sie (die Philosophie) ihre Mode entnimmt dient ebenso wenig dem Fortschritt als es das psychologische Profil des Philosophen selbst tut. So sind sie, die Subjekte einmal Lehrer, einmal Wissenschaftler, einmal Narren, einmal dem Rausch verfallen, einmal gute Familienväter – Streber oder Revolutionäre. Das Psychogramm des Philosophen wirkt auf das Weltgeschehen, wie die Schriftart auf den Text – es erzeugt ein Bild, ein Sinnbild. Das praktische nun ist, dass jene ein Geburtsdatum und ein Todesdatum haben – sie wären also prädestiniert um von ihnen eine Geschichte der Philosophie abzuleiten. 2) Die Orte in welchen das ausgesprochen wird, worüber an anderen Orten geschwiegen wird. Topographisch gibt und gab es Hot-Spots welche durch ihre Prägung erst jene geistige Arbeit möglich machen, die das wiederspiegeln sollen was dem Gegenwärtigen seine volle Präsenz verleiht. Der Raum entreißt sich durch seine Nicht-Bewegung aus dem chronologischen und beeinflusst so das Gegenwärtige durch seine Vergangenheit und Zukunft, die dem Wesen des ruhenden Ortes inne wohnt. Der Raum selbst ist geistig steril. Des Ortes Besonderheiten sind einem Tatsächlichen unterworfen und vermitteln so das Entrissene im Lauf seines Werdens. Das Sein beinhaltet alles Vergangene als Mal und alles Zukünftige als Präposition/Vorzeichen des Möglichen und des Ideellen. Beispiel: Benötigt der Weltengeist Olivenhaine für seine Wirklichwerdung im Exemplarischen, so wird er die Insel Sylt oder England meiden. Ist sein Denken erst im Trabantenstadtbau des realen Sozialismus möglich, so ist der Vatikan auszuschließen – kategorisch natürlich. Die Kulisse ist nicht nachhaltig und selbst wenn jemand meint, er spüre die Präsenz eines Genies in Weimar oder Jena so ist es meist keine philosophische Eingebung sondern mehr ein Marketing-Gag der Gründerväter, der auf das Subjekt wirkt (siehe Herangehensweisen 1) . Das Absurde des Raumes ist erst der Indikator, um eine Geschichte abzuleiten – den schließlich zeichnet sich ein Ort durch seine Attribute aus, die einen Chronismus möglich machen – aber von sich im Zentrum losgelöst, ihre Unterschiedlichkeit zur Folge hat und damit jedes Philosophem allein gegen den Grad des Populären nach sich zieht. Es liegt daran, das jeder Ort durch seine Begrenzung zur Heterotopie wird um damit die Wirkung von Axiom und Gesetz als weltüberspannende Wahrheit negiert. Die Grenze wird zur Geschichte – ob sie nun politisch, durch ein Bündnis, durch die Natur oder einen sprachlichen Einfluss geschieht, sind nur vier Überlegungen die als Begrenzung herangezogen werden können – sie erlauben aber eine Geschichte der Philosophie zu deduzieren. 3) Ist die Ableitung von der Strömung eines Gedankens, einer Idee oder den Begriffen. Diese ist kategorial herrlich sortierbar. Die Strömungen beinhalten die Subjekte und die Orte in welchen sie wirkten, erweitert sie aber um jene Mitmenschen und Räume die an ihr mitwirkten. Sie werden zur Entität und subsumieren Gemeinsamkeiten um der Ganzheitlichkeit des Raum-Zeit-Kontinuums mit- und gleichzeitig entgegen zu wirken. Eine Strömung entsteht also aus Schnittpunkten und aber auch aus Parallelen. Erkennt die Geschichtsschreibung eine Gemeinsamkeit zwischen den Erkenntnissen, so ist die Strömung ebenda wie sie durch ein Voranschreiten auf unterschiedlichen Bahnen ebengleich eine Zuweisung erlaubt – sie passiert dann meist postkognitiv – wie eine Metaphysik der in die Strömung passenden Determinante oder sie ist Selbstnominel (z. B. normativ und in Folge deskriptiv – Wiener Kreis). In der Strömung selbst liegt ihr eigens Verwesen begraben – wie schon Zenon beschrieben hat, aber trotzdem ein Ordnungssystem erlaubt. Ich will es etwas verändern – im Bedeutungsgehalt sollte es aber dem zenonischen Gedanken entsprechen der für sein Beispiel einen Menschen wählte, der auf einen Schiff gegen die Fahrtrichtung geht. Wir wollen uns einen Fisch wie einen Gedanken vorstellen der in einem Fluss in Fließrichtung schwimmt. Dreht er seine Richtung und schwimmt gegen den Strom (wie es z. B.  Lachse tun) so verändert er nicht seine Position obgleich er definitiv in Bewegung ist. Der Fisch (Gedanke) ist nun also im Strom (der Zeit) – zugleich in Bewegung und ändert dennoch nicht seinen Ort was ihn zum Phänomen einer Strömung macht weil sein Kraftaufwand nichts anderes zur Wirkung hat, als Stillstand. Der Wahrheitsanspruch einer Strömung ist dementsprechend hoch, nur allein weil dieser Fisch (Gedanke) wie ein Fels im Flusse wirkt – dennoch aber durch seine eigene Lebenszeit begrenzt ist, die sowohl wie die Grenze eines Ortes (siehe Herangehensweise 2) als auch wie die Zuweisung zur Zeit verstanden werden kann und im Vergleich zu einem gewaltigen Stein im Fluss, der durch die Zeit/den Strom sich verformt, welches ein vorhandenes Wissen ist, sehr wohl eine Wahrheit durch seine Bezeichnung transportiert und aber eben nur als Geschichte in die Ewigkeit einfließen kann. Das ist die dritte Herangehensweise um eine Geschichte der Philosophie zu schreiben.

Und so können wir, wenn wir es uns einfach machen wollen – alle Episoden zwischen Thales und Sloterdijk (oder Maier – siehe http://maier.css4.at) nachspielen – wir können aber auch die Naturphilosophien bis zum Poststrukturalismus aufzeichnen oder auf einer Landkarte vom antiken Knossos bis zum groovy Reykjavik mit Farbstiften eine Logik ableiten wie bei Malen nach Zahlen man zu einem Bild kommt. Der schwierige Weg, und dieser wurde von Hegel schon paraphrasiert ist ein Weg der Einsicht. Es ist die Einsicht darin, das das Gegenwärtige schon das Vergangene in sich trägt und so auch das Absolute als Einheit versteht, welches im Hier und Jetzt wirkt und ohne ein a Priorie oder a Posteriori ein bestimmendes Seins-Element ist – welches empirisch nur innerhalb unserer eigenen Lebenszeit verifizierbar sein sollte, weil dieses Element mit seinen Attributen die es zum Bestimmenden macht einer Falsifikation stand hält und einer Verifikation nicht bedarf. Das Hier-und-Jetzt ist also die kumulierte Erkenntnis und entspricht sie nicht einer Mode so entspricht sie dem Anspruch einer Kritik an ihr Selbst. Möchte man jedoch tatsächlich von einer Geschichte der Philosophie sprechen, dann bleibt uns nur eine etwas schwammige Einteilung in drei Wirkungen. Der ersten Wirkung: die der Idee oder des Gedankens, die in der Antike seine Heimat hat – oder am ehesten mit ihr erklärbar ist. Das dunkle Mittelalter, oder das schweigsame Zeitalter, ist jene Zeit des Räsonierens über die Idee oder des Gedankens. Wir haben hier eine gewaltige Zeit ohne vieler Subjekte (wie z. B. Th v. Aquin) weniger bedeutende Orte und schon nahezu keine Strömungen. In all seinen Vorstellungen soll uns diese Zeit, wenngleich sie wenig Glamour wie die Antike oder die Moderne hat, als ein paradiesisches Zeitalter des Denkens erscheinen. Sie ist die zweite Stufe von Bedeutung, sie war die Verarbeitung in Reinform – ungetrübt und sie mündet in der Moderne – das Zeitalter der Begriffe und der Begrifflichkeiten. Die Moderne ist die Zeit, wo endlich nach den vielen Jahren des Räsonierens das Wort folgt – der Satz – die vollständige Erklärung. Da den Menschen in seinem Wesen, ein gewaltiger Wortschwall nicht unbedingt sein Wesen Definition gibt – er über Jahrhunderte hinweg das Denken als Praxis hatte oder vorher die reine Erfassung der Idee das Ausgangsmoment innewohnend hatte – so war die Verwortlichung – das Zeitalter des Logos – eher eine Bürde – wie die Erfassung der Abstraktion und das Begreifen zuvor. Und so entsprang auch, nach einem fleißigen über Ursache und Wirkung reden und schreiben – ein Bedürfnis über die Moderne hinauszudenken – es entstand eine Lotterie in welcher die Theoreme und Hypothesen über das, was nach dem Wort – nach der Moderne kommen mag den Einsatz darstellte und damit verbunden die Hoffnungen jener Forscher – die das Ende eines Hier und Jetzt herbeisehnten. Fiktive Vorstellungen – Dystopien und Utopien – Postulate von der Auflösung aller Symbole und in Folge einen neueren Aufbau des Turms zu Babel. Eine Beendigung darüber zu Schreiben oder Reden über das, worüber im Zeitalter des Räsonierens schon Klarheit gefunden wurde – oder man glaubt, das diese Klarheit immanent sei. Das unsägliche soll zum Ungesagten werden – die Idee zu einfach um weiter an ihr zu verweilen aber dennoch zu Abstrakt, als wenn sie weiter kommuniziert werden soll. Inmitten der vielen Vorstellungen – der determinierten Begriffe – scheint eine Postmoderne nur durch das Finale der Determinierung seinen Bestand finden wo in  ihm keine höhere Sprachlichkeit oder ein höheres Kommunique als begriffen aufgefasst werden kann. Die Postmoderne ist jenes Portal, das uns durch die Sprachlichkeit zu einem Nicht-Sein führt – welches zur Bedingung allem Seins erhoben wurde. Dieses Portal stand schon immer offen – durchschreiten wir es, so werden wir erkennen das das Nichts und das Sein das selbe ist – verbleiben wir, so reden und schreiben wir weiter – wir werden weiter lesen und weiter zuhören – welches der Grund ist, über das Nichts jenseits der Moderne zu sinnieren sein soll – ist nicht der Abschluss der Moderne!

 

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