Der Pina Colada Code

2018-03-09 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach allen bisher durchforsteten Quellen, abgesehen von einem Interview, arbeitete Reinhard Posch im Jahr 1979 in Sperry Univac (Roseville, MN, USA). Fairnesshalber muss man Herr O. Univ. Prof. DI. Dr. Reinhard Posch sagen bzw. schreiben – ich verzichte aber das Titelgehabe und drücke meinen tiefen Respekt im Satz: „Ich respektiere ihre Arbeit vollends“ aus. Roseville in Minnesota hat ca. 36 000 Einwohner/innen – in der Größenordung einer Bezirkshauptmannschaft hier in Österreich, doch dennoch von großem Interesse um einen Code zu knacken – womöglich jenen Code der den Durchbruch der PC Technologie zur Folge haben wird. Ob nun das Fristen in der TU Graz oder dem Joanneum Research oder ob eine digitale Revolution von Minnesota oder Kapfenberg gestartet wird, ist in der digitalen-globalisierten Welt nachrangig. Nicht einmal der nächste Server ins WWW spielt eine große Rolle, für jene, die revolutionär und nicht nur reproduktiv am Projekt „Informationsverarbeitung“ arbeiten. Ob nun ein Modem in Muggauberg/Weststeiermark mit einer Geschwindigkeit von 64K oder ob nun direkt am Server-Knotenpunkt gescriptet wird – spielt für den reinen Code eine der nachlässigsten und irrelevantesten Größenkomponeten im Ideenbereich der De- und Entcodierung einer (im Grunde) Idee. Selbst ein Akustikkoppler mit 300 bis 2400 Bit/sec reicht aus – denn wer es schafft schon 37,5 bis 300 Anschläge pro Minute zu tippen? So war nun dieses Jahr 1979 – die digitale Globalisierung gab es sicher schon lange vor Maurer und Posch, in den Köpfen mancher Philosophen. Die Vernetzung – wollt ihr die totale Vernetzung? – und für die breite Masse das BTX System.

Ein kleines Präsent von Maurer/Posch und Co. –> das Mupid. *13071978# leichter zu merken als jede IP-Adresse, zuverlässig und allein wegen seiner Exklusivität vertrauenswürdig – ein Text im Mupid müsste Wahrheit sein – nicht weil es tatsächlich Wahrheit ist – sondern weil der Konsensaufruf direkt aus dem Hirn einer neuen Elite stammte. So tolle Sache konnte man machen – Onlinebanking im BTX – CCC (Chaos Computer Club) hat es uns genommen und uns den Begriff „IT-Security“ gegeben – ein m. E. schlechter Tausch. Das bespassen von Millionen Pixel in Millionen Farben war eigentlich so nicht vorgesehen. Es galt, die fundamentalen Ideen der Informatik in Gold (bzw. in Binäre Zahlen) zu gießen. Und dafür gab es schon genug theoretischen Spielraum: Die Prädikaten-Logik, die Boolsche Algebra und natürlich die Mathematik in all seinen Wesenszügen.  Es musste einfach ein gedankliches System zu Weiterleitung von Elektronen innerhalb eines Schaltkreises gefunden werden. Es musste ein Weg gefunden werden, ein Elektron nach links –> zur Null oder nach rechts –> zur Eins zu schicken – und Elektronen gab es schon damals zu Hauf. Es galt ein physikalisches Ordnungssystem zu finden – in welchem der Mensch auf atomare Ebenen eingreift. Bibliotheken – gab es noch nicht, nicht so, wie wir heute sie als Verweise einbinden – aber die Zeit sollte auch dieses lösen. Vielmehr galt es, einen Nutzen dafür zu finden – und natürlich bot sich Wissenschaft und Wirtschaft wie eine Dirne dafür an. Die international Business Maschines erkannten in der neuen Technologie eine massive Kostenersparnis in der Verwaltung, zu enormen Startkosten – aber sie sollten Recht behalten. Die Wissenschaft erfreute sich an den neuen Möglichkeiten dieses überdimensionalen „Taschenrechners“ und das Militär – naja, es spielte mit. Da standen sie nun, die Informatiker ihrer Zeit und sie strahlten einen sonderbaren Körpergeruch von sich – so als hätten sie zu viel geraucht – so als hätten ihre Köpfe zuviel geraucht und sie sagten: „Macht euch keine Sorgen, wir stehen euch bei“. Damit wurde sie geboren, die Hilfswissenschaft „Informatik“. Jener Knecht der Wissenschaft, der bereit war, jede Verzweigung plangerecht zu gehen, jede Schleife bis zur Unendlichkeit zu wiederholen und jede Rekursion auszuführen – möge sie noch so langweilig sein. Aber es galt so etwas wie ein Betriebssystem zu finden – ein System das in Folge den User erschafft. Doch wie sollte das aussehen? Eine Programmiersprache als Betriebssystem? Es musste Hard- und Software verbinden! Eine Bibliothek als Betriebssystem? Es musste Zugriff für jeden und jede schaffen! Ein Objekt als Betriebssystem? Damit war der Großrechner in seiner modernen Form geboren und starb an seiner eigenen Abstraktion. 1979 – ich will nicht weiter bei den Avantgartistischen Ideen und Gedanken verweilen, ich will mir dieses Jahr als solches ansehen – ich will es erleben. Was ist passiert?

Ein gewisser „Rupert Holmes“ brachte einen netten Song online – er brachte ihn in die Köpfe der Menschen über die Billboards dieser Welt – den „Pina Colada-Song“ oder „Escape“. Er scheint ein wenig müde von seiner Lady zu sein. Zumindest wollte er es uns in seinem ersten Satz des Liedes mitteilen.  Wollen wir bitte die Plattitüden des Song-Textes vernachlässigen – und in Folge (sollte jemand die Kommentarfunktion verwenden) einfach überhören und genauer auf den Refrain hören.

If you like Pina Coladas – damit hätten wir die erste Verzweigung, die sowohl als Konstante verstanden werden kann – und abzüglich seines Plattitüden Gehalts als Pina Colada – bzw. PC verstanden werden darf. And gettin‘ caught in the rain darf als einen Zustand verstanden werden, der sich in einer Endlos-Schleife wiederfindet. Zumindest, abgesehen von der Metaphorik, ist es ein Zustand der Verzweiflung. If your not into yoga sollte den Zustand beschreiben, der den User nicht in einer Rolle sieht, die konteplativ alles abwarten möchte, was passiert – in einem meditativen Sinne!.  If you have half a brain – damit arbeite ich selbst noch, aber es scheint einen Zustand der Unsicherheit (der geistigen Unsicherheit) darzustellen. Einen User-Bezogenen-Umstand – der diese Funktion befähigt. If you like making love at midnight
In the dunes on the cape – und damit dürfte der Maschinen-bedingte Anteil in Ansprache komme. Die Dünenen des Verlassens können nur ein Resultat eines inneren Wunsches verstanden werden – welcher einen weitgreifenden Imperativ auf das originäre Seins des Users in sich trägt, damit einen zutiefst menschliches Begehren. I’m the love that you’ve looked for – eine vorzeitige Realdefinition wird suggeriert und damit weniger als Maschin-relevanten Codeteil angesehen, sondern als dem User innewohnendes Bedürfnis welches das System über die reine Rationalität erhebt. Write to me and escape ist eigentlich der Imperativ, der die Escpage-Funktion auslöst. Ich vermute, das den Verfassern (rund um Holmes) noch nicht die Bedeutung dieses Scriptes für die Zukunft bewusst war. Ich vermute, das jenes Script noch nicht als Keymapping auf eine der prominetesten Tasten auf jeder Tastatur (der ESC-Taste) angedacht war – deshalb wurde sie als Script – als ein „Write to me“ definiert. Die weiteren Code-Schnipsel und seiner Bedeutung für ein Escape-Script, dass sowohl als Möglichkeit aus einer unvorhergesehenen Entloschleife als auch als Austieg aus einer unmöglichen mathetischen Operation verstanden werden darf – überlasse ich den Lesern und der Möglichkeit in der Kommentarfunktion seinen/ihren Beitrag zu leisten.

Da wären:

  • And cut through all this red tape
  • So I waited with high hopes
  • und natürlich jede weitere Zeile losgelöst von seinen Plattitüden!

Hier der Link zum Pina Colada Song auf YouTube: Hier der Link

Advertisements

Wo bin ich?

Du siehst dir momentan die Archive für März, 2018 auf Gedanken mit dem Netz gefangen an.