Unterm Rad

2018-01-12 § Ein Kommentar

Für heute habe ich mir vorgenommen, meine erste Literaturkritik zu verfassen und in Folge auch zu veröffentlichen. Die Arbeit eines/r Literaturwissenschaftlers/lerin wird schon nicht so schwer sein. Für meinen Erstlingsversuch haltet Hermann Hesse und sein Text „Unterm Rad“ den Kopf hin – ich fühle mich wie ein Friseurlehrling bei seinem ersten Haarschnitt. Gleich einmal für jene die es nicht wissen, ein paar notwendige Basisinformationen vorweg – ja: Hesse hat den Literatur-Nobel-Preis erhalten. Ja: ‚Unterm Rad‘ ist als Oberstufen-Literatur einzuordnen – und ja: Autobiographische Züge sind nicht auszuschließen – der Text erzählt ja auch von Hesses Heimat: Baden-Württemberg. Selbstverständlich war Google-Maps (in der coolen Satellit Darstellung) einer meiner Begleiter durch die vielen Worte und Sätze des Textes. Ich musste mir einfach die Bilder von Calw, Stuttgart und Heilbronn synchron zum Lesen ansehen.  Und ja: Die gelieferten Bilder von Google entsprachen weitgehend den Beschreibungen von Hesse, ob sie auch der Realität nahe sind, getraue ich mich nicht zu bezeugen. Mir fehlen einfach die Mittel um empirische Vor-Ort-Kulissen-Forschung zu betreiben – es führt so oder so zu einem –> Irrelevant. Etwas Desktop-Research über die Nagold gehört auch hier zur Pflicht und noch lange nicht zur Kür – wo ich mich gerne hinschreiben möchte. Und die kleine Steinbrücke oder ‚den Falken‘ herauszudedektivieren – vor Ort hätte schon seinen Reiz – bringt aber nicht wirklich viel zur psychisch-philosophischen und philologischen Komponente der Kritik ein. Nur ein wenig Atmosphäre in der Nase – oder sich allein den Satz denken: „Hier, in diesem Kloster-Garten hatten Hermann und Hans ihre innigen Gespräche“ – sollte man jemanden mitnehmen, so braucht man sich die Plattitüde nicht nur denken – nein, man kann Sie dem/der Reisebegleiter/in direkt ins Gesicht sagen!  Viel wichtiger als die Atmosphäre (die von Hesse sowieso in den nur denkbar blumigsten Worten bestens [und mit bestens meine ich besser als die Realität aber dennoch immer Wahrheit] beschrieben wurden) ist sicher ein geschärfter Blick auf die Akteure – mehr noch: Auf dessen Psyche! Noch bevor ich mit der obligatorischen Reflexion auf die Personen beginne, muss ich nochmals mit Nachdruck festhalten, dass seine Verben, die ontologischen Entitäten und seine Auswirkung – dass Tätigkeiten im Konnex zu seinen Gemütsauswirkungen wohl den Literaturpreis legitimieren – mehr noch, ich sage dass darin das Genie zu finden ist. Einfach ausgedrückt: „Jemand der das kommunale Mostpressen mit einem feinst justierten Präzisionswerkzeug des Geistes in einer derartigen Form bearbeitet hat alle Ehren der Landwirtschaftskammer für sich gepachtet. Wer über Arbeit so schreibt wie es Hesse tat, soll mit Stolz den Karl-Marx-Orden für besondere Leistungen tragen. Das macht die Texte von Hesse so besonders – er ist Idealist – und idealisiert den Moment – er malt mit Farben die denkbar sind, die vorhanden sind und die für seine Zwecke schalten und walten. Es sind die Bilder im Kopf, die Hesse befähigen, befehlen will. Es sind die Filme im Kopf, die Hesse knebeln und geißeln, treiben und trainieren, beherrschen will. Der intellektuelle Leser will das nicht – eingestehen, dass das Wort eines Anderen überhand nimmt. Der intellektuelle Leser verdrängt jene Momente, die von Hesse so idealisiert wurden und richtet seinen Fokus wieder auf die Personen – die Schwachstellen – nur um wieder gut schlafen zu können. Und zu Recht – inkonsequent in jeder Hinsicht. Jede Person, ein Bild aus der Polaroid Kamera. Jede Person reduziert auf ihren ersten Eindruck. Allen voran sicher Hans’ens Vater, der die Ehre besaß gleich zu Anfang psychographiert zu werden, der aber gegen Ende sich Wider seine eigene Positionierung verhält. Er wird so widersprüchlich – er gibt Hans 50 Pfennig um sich zu Amüsieren, wartet aber mit Rohrstab um ihn für sein zu Spät kommen zu prügeln. Was soll das? Es ist seine Rolle, die er spielte. Es war immer seine Rolle – von Anfang an – und nie war es Ehrgeiz die ihn trieb (wie es so oft in anderen Kritiken zu lesen ist). Er funktionierte – wusste die Bekannten in Stuttgart zu nutzen – er wusste die kommunikativen Konflikte des Moments zu meistern. Er kaufte sogar den Blaumann für seinen angehenden Lehrling. In allem war nur das bloße Funktionieren in Hans’ens Giebenraths Leben seine raison de etre. Im Moment des finanzierten Untergangs seines Zöglings und der beabsichtigten Strafe für das Untergehen – erwachte Vater Giebenrath erst in seiner Rolle als Vertreter. Als Rad im Uhrwerk der Wirtschaft – er gab Hans die Möglichkeit zur Entscheidung, zwischen Vernunft und Rausch – Hans entschied sich für den Tod! Damit endet auch Hans’ens Vaters Dasein – allein nur weil er glaubte, sein eigenes Schicksal im Verhalten des Bubens zu finden – weil er glaubte, in einer Welt des „Entweder-Oder“ zu lebe und weil er erkannte, das es so etwas wie einer Alternative zum „Entweder-Oder“ gibt. Eigentlich würde ich gerne jetzt wieder in meinen Modus als Philosoph eintreten – möchte lieber über dieses „Entweder-Oder“ sinnieren, möge es beschrieben sein von Kierkegaard oder möge es als Phänomen noch immer über uns weilen – ich habe mich für die Literaturkritik entschieden – uns damit auch zurück zu den Personen „Unterm Rad“. Und da haben wir auch wieder die Genialität von Hesse, der eigentlich Hans nur mehr (in einer Metaphysischen Ebene) die Möglichkeit zwischen Prügel und Tod überlässt. So als wenn. Hansens Leben war zu Ende. Hans hatte nur Schmerz oder Tod als Zukunftsperspektive – und diese Verzweigung brachte ihn in den Tod – womöglich ein Freitod? Tatsache ist – gegenwärtig können wir Hansens Schicksals nicht auf eine Bildungskritik zurück führen. Gegenwärtig ist Hansens Schicksal nicht die Summe seiner negativen Erlebnisse – mein Gott, er hatte bisher auch wirklich keine. Keine Konflikte, die einen Selbstmord legitimierten. Er war, auch bis zu seinem Tode, immer das denkbar glücklichste Wesen seiner Zeit. Und wenn man erlaubt, in einer Krankheit Glück zu finden, so war er im Laufe seiner Geschichte dem Glück näher als es einem Anderen je. Es war nie eine Frage ob Hans Giebenrath durch (z. B. seinem Ausscheiden aus dem Seminar) sein Leben glücklich sei. Wir müssen uns „Hans Giebenrath“ als einen glücklichen Menschen vorstellen. Vorweg, bevor es zum Grotesken Teil der Arbeit kommt: Ich konnte keine Kritik am Schulwesen finden!

Nun zum ‚literarisch-relevanten‘ Teil dieser Kritik:

  1. War Hans Giebenrath schwul? Eher schon!
  2. War Hansens Vater schwul? Wahrscheinlich schon!
  3. War der Schuster Faith schwul? Spricht alles dafür!
  4. War der Pfarrer ein Päderast? Eher schon.
  5. Alle Akteure in Heilbronn, waren diese schwul? Ja.
  6. Hermann Heilner, der sooft als autobiographisches Element im Text interpretiert wurde, war dieser schwul? Höchst wahrscheinlich schon!
  7. August, der so hoch gepriesene Heiland, war er dem männlichen Geschlecht zugewandt? Grundsätzlich ja, aber es könnte sich auch um eine massive Störung eines funktionierenden Lebenskonzept handeln, dessen eine weitgehende Verwirrung innewohnt. August, ist mit Abstand die interessanteste ‚unsicher-als-schwul-zu-bezeichnende‘ Person. Noch nie, und darin liegt das Paradoxon, habe ich jemals so viel Wärme in einem handwerklichen Beruf erlebt, als in der Lehrausbildung von Hans Giebenraths „Ausbildung zum Mechaniker“.

Es bleibt uns eigentlich nur mehr die Frage, ob Hesse es geschafft hat, eine für einen eindeutig schwulen Hans Giebenrath, eine dementsprechende Umwelt zu schaffen? Und leider nein. Sie endet im Tod des Protagonisten. Sie endet und verschwindet wie eine nicht-verifizierte, also falsifizierte Realität. Sie verpufft im Tod eines im Grunde langweiligen Individuums. So stellte Hesse eigentlich nur den Versuch an, eine für einen potentiell schwulen, aber nicht eindeutig schwul gekennzeichneten Charakters, eine Utopie zu schaffen – die dem Schwulen ein Selbstbewusstsein jenseits seines Charakters bietet?

Und es bleibt mir schlussendlich nur die Frage übrig? War Hermann Hesse selbst ein warmer Bruder?

 

 

 

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Eine Welt der zwei Geschwindigkeiten

2018-01-05 § Hinterlasse einen Kommentar

Vorweg möchte ich einen Anstoß in Richtung „Welt“ und in folge in Richtung „Geschwindigkeit“ geben. Unser Elaborat soll also mit dem Welt-Begriff, dem Welt-Verständnis beginnen, welches sich in vielerlei Denk-Disziplinen andersartig offenbart. So ist das Welt-Verständnis eines Geographen definitiv anders, als jenes des Psychologen oder Mathematiker. Die umfassende Welt soll, als begrenztes Etwas im Welt-All, als fortschreitende Konkression, die im Gegensatz zur Regression verstanden werden. Der Charakter dieser Konkression ist einer der Unendlichkeit nährendes, durch Aufbau (Konstruktivismus als Steigbügelhalter) gekennzeichnetes und als Zielbestimmung indifferent – sozusagen ein „Freies Spiel der philosophischen Kräfte“. Warum bringe ich dieses Faktum an dieser Stelle?

Nun – in einer aktuellen Online-Ausgabe einer Tagespresse wurde berichtet, das es Mathematikern gelungen sei, die höchste (bisher denkbare) Primzahl gefunden zu haben. Dafür – Applaus – dagegen: Ein Kommentar eines wiffen Komentarschreibers: „Es gibt unendlich viele Primzahlen …“. Die Mathematik träumt sich so aus der Verantwortung und überlässt es den Hilfswissenschaften, eine brauchbare Lösung zu generieren. Mein Anliegen ist es auch nicht, die grundlagenphilosophische Frage nach der Unendlichkeit auf der Agenda ganz oben anzusiedeln. Meine Aufgabe ist es hic-et-nuc die Welt der zwei Geschwindigkeiten zu betrachten. Die Welt ist also ein eingebettetes Element in einen metaförmlichen Gedanken. Sie ist die Beschränkung unseres Daseins und wird für Ontologen als das non-plus-ultra dargestellt. Sie erlaubt eigentlich nur, jeglichem Seins eine Grundlage zu bieten – sie ist die wahre Täuschung in einem Kosmos der Illusionen. Über ihr kann gedacht werden, genauso wie unter ihr gedacht wird. Über ihr ist Konstruktion – unter ihr ist die Konstruktion eine Regelverletzung, dennoch: Ist gerade unter ihr alles ein reines Postulat – ein verwässertes Dogma und damit das klarsichtigste, durch einen Nebel verhängtes Regelwerk. Axiome über Axiome, von Menschenhand geschrieben – aus dem reinen Gedanken entsprungen und schlussendlich manchmal mit dem Synonym „Gott“ veröffentlicht. Dies ist sie nun – deine und meine – ihre und seine – eure und unsere Welt. Sie ist als Erkenntnis zu klein und als Phantasievorstellung allzu trivial – zu seicht um nur allein den Marianengraben zu denken. In dieser Vorstellung wird, die dem/der Philosophen/in eigentlich keinen Weg übrig lässt, als jenen der Verwechslung und der permanenten Abkehr vom Grundlegenden, angeboten und angebiedert. Meine persönliche Art des philosophieren ist im Normalfall geprägt durch das Satz- und Fragezeichen. Das Satzzeichen als verständnisabhängiges Hermeuneutikum – das Fragezeichen um im Geiste meiner Vorfahren „Großopa Sokrates“ zu huldigen. Nun finden wir aber in diesem – und in vielen meiner anderen Aufsätze kein – oder nur wenige Fragezeichen. Die Analyse hängt ab vom Bericht – der Bericht hängt ab von der Wahrnehmung und die Wahrnehmung ist eine Baustelle auf ihrem bestimmten Weg zur Vollendung oder zur Verwirrung, die das entgültige Faktum aus seiner sich selbst entwirrenden Vollendung oder vollständigen Entwirrung allem Unnötigen – aller Metaempfindung, wenn man möchte: die Emotion als Meta-Auffang-Becken. Es entfremdet sich jegliche Physik und ersetzt vielmehr seine beschreibende Erkenntnis, die gebunden ist an der Wahrheit und weitgehend dem Gefühl von Wahrheit. Die Metaphysik der Gegenwart ist zwar noch immer der kognitive Abfalleimer eines Welt-Verständnisses, erlaubt aber Emotion mit-ein-zu-gliedern, und wird so als Verständnis mehr oder weniger tragbar. Es kann eigentlich unter einer untergehenden Sonne keinen größeren Schatten geben, als jenen den wir in seiner Hochblüte erlebten. Er wird zum Schatten der Vollkommenheit. Ist dennoch nicht die Nacht der allumfassende Schatten? Ist nicht das Denken in seiner Mittelmäßigkeit näher an einem Konsens – zwischen Licht und Schatten – wenn man es so will? Es erinnert mich an die Antwort eines meiner Professoren, als ich ihn mit der Theorie „Welt der zwei Geschwindigkeiten“ konfrontierte: „Ich bin einer der Schnellen“ und belege es durch empirische Untersuchungen, dass die Langsamen ein Pack von Arbeitslosen, Tagträumern (und was weiß ich noch für Begriffe gefunden worden) sind. Und zeitgleich erinnert es mich an die Frage an einen Studenten der Psychologie, erstes Semester: „Dualismus oder Materialismus?“ – er antwortete wie aus der Pistole geschossen: „Dualismus“. Er antwortete wie mein Professor – so als ob meine Fragen ein Bekenntis zu einem Glaubensdogma wäre. Zuwider, zuwider! Und es konfrontierte mich selbst, zu meinem Prinzip des Richtigen. „Was auch immer du sagst – es ist richtig, wenn du die Verantwortung dafür trägst.“ Nun ist aber dieses Richtig nicht der Gegenspieler des logisch FALSCHEM. Dieses Richtig ist auch kein moralisches oder gar ethisches Etwas. Dieses Richtig löst sich im Verlauf des Gegebenen selbst auf und wird so zum Richtigen weil es eine Wechselwirkung der Kausalität und schlussendlich sogar eine Bereinigung der Falschheit durch „Reue“ liefert. Das was uns diese Welt also bietet und jenes was eine andere Welt in seinem Angebot uns liquidiert ist schlussendlich ein Souvenir dessen was wir Leben nennen.

Wie zu Anfangs versprochen sollte ich auf das Entfragmentarium „Geschwindigkeit“ eingehen. Ich sollte nun gezwungen werden, gemäß meiner Kraft der Finger und der Kraft meiner Emotionen und der Kraft meines Geistes und sowieso schlussendlich der Kraft einer uns verbindenden digitalen Wesenheit (einem Seins-typischen-Phänomen) dem Verzicht auf Purismus einem Multi-medialen-Pixel-Daseins seinen Realcharakter verleiht. Die Frage der Geschwindigkeit ist somit allein über die Hilfswissenschaften neu und richtig gedacht. Die Hilfswissenschaften lösten die Physik ab. Sie bedienten sich einiger ihrer Axiome oder ihrer Dialekte und bildeten ein neues Begriffsspektrum dessen, womit wir zwischen Zeit und Ort bisher kalkulierten. Es waren die Hilfswissenschaften die den Ort – oder die Länge – oder die Distanz eliminierten. Die einfache Formel: „Distanz (Strecke) x Zeit = Geschwindigkeit“ ist neu gedacht und damit wird der endlich neu verstandene Sinn von Geschwindigkeit asphaltiert – somit beschreitbar.

Im reinen Denken war diese neue Form von Geschwindigkeit schon immer gefordert (von millionen und aber-millionen Pädagogen – z. B.). Vom entfernten Denken (das dem Reinen diametral liegt)  ist die Frage in welcher Zeit man ein Ziel erreicht vorrangig. Nun stellt sich die Frage, warum nun der Weg im reinen und entfernten gleichmäßig seine Wertigkeit findet? Warum nun für den Begriff der Geschwindigkeit ausschließlich ZIEL und ZEIT von Bedeutung sind? Nur allein warum das Ziel nur bedingt vom Weg anhängig ist? Die Fragen vermitteln schon weitgehend ein Spektrum des fächerübergreifenden Denkens. Dessen was in der trivialsten Ebene (der Wirtschaftswissenschaften, allem empirischen) genau darin die Fehlberechnung nahelegt und dem Begriff der „Effizienz“ einem veränderten Einblick auf die Materie gewährt. Effizienz ist nie an den Weg gebunden, sondern immer auf das Ziel gerichtet. Der Weg wird nun also zum analytischen Instrument um z. B. ein Produkt von seiner Idee bis zu seinem Recycling durchwanderbar zu machen, oder bis ein Neuron Synapse zu Synapse abwandert, bis endlich das Ziel – die durchgefertigte Reproduktion erreicht wurde.

Persönlich möchte ich noch empfehlen dass, in einer Welt der zwei Geschwindigkeiten die Schnellen „vorsichtig“ und die Langsamen „vorausschauend“ sein sollten!

 

Wo bin ich?

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