Alle Kreter sind Lügner!

2017-11-17 § Hinterlasse einen Kommentar

Um die Thematik mit der ihr zustehenden Ernsthaftigkeit zu bearbeiten, müssen einige Prämissen aus dem Laborat beschrieben werden. Natürlich ist da Prämisse Eins: Die Überschrift wird zur Thematik. So kupfert man nun das Bestehende von einer etwaigen Ideen-Welt ab, um die Argumentationsgrundlage auf der Basis von bestehenden Termini, deren Funktion und schließlich auch den determinierten Methoden anwenden zu können. Vorweg interessiert mich und damit auch meine Leser, ob die Aussage „Alle Kreter sind Lügner“ möglich ist. Sie wird über die mir allen zur Verfügung stehenden Werkzeuge einem ‚Stresstest‘ unterworfen; mit der Hoffnung (ich will Hoffnung verwenden und nicht sofort Arbeitshypothese, weil diese nun mal schwächer ist als die reine Hoffnung im Rationalen), einzig und allein –> es keine logisch gültige Prämisse ist. Damit entstehen schon zwei (gewichtige und damit relevante) Probleme:

1. Die Aussage kann nur als Prämisse fungieren.
2. Damit unterliegt sie der Prädikatenlogik und ist somit präjudiziell.

Deshalb möchte ich einen Exkurs in weniger bewegte Gefilde (als der reinen Logik) tun, um so offensichtliche ‚Stör-Argumente‘ gegen den Diskurs darzulegen – obgleich deren Verwendung seine Berechtigung hat.

Das einfachste zuerst – empirisch betrachtet: „Ja und natürlich“. Die kretischen Insulaner können selbstverständlich alle der Lüge bezichtigt werden. Mehr noch, ohne auch nur einen einzigen Kreter getroffen zu haben, ist die Wahrscheinlichkeit, ein empirisch geprüftes Argument für den Hang der „Kretaner zur Lüge“ und ihrer Ausführung offensichtlich, ja sogar Staatstragend (Polistragend) in der methodischen Begrenztheit (die zugleich ihr größte Stärke wäre) befangen ist. Jene Empiristen haben vordergründig die besten Voraussetzungen um Beweise zu liefern. Da wären zum ersten, eine Polis, dessen Gesetzgebung sich vom Rest-Griechenland unterscheidet. Und das euklidische Merkmal der zählbaren (und damit leicht geo-demographisch zuordenden-machenden) Stichprobe von N = 100 %.  Ihr Auftrag im chi-Quadrat auch nur eine Einzige Nicht-Lügende Person zu ermitteln, kann allein druch Vollerhebung nicht das Problem darstellen. Abgesehen, der Frage im Item 2: „Sind Sie ein Lügner“ – dessen Antwort allein schon Unklarheit bringt, wird der Empirist an der offensichtlichsten Hürde scheitern. Der Frage: „Was eine Lüge ist?“. Nur allein eine Lüge als Un-Wahrheit darzustellen, führt den Empiristen zur nächsten höheren transzendentalen Problematik -> Was nun Wahrheit sei, um dessen Gegenteil zu Erfassen. Seine Suche wird zum grotesken Schauspiel. Die Suche, nach einem der immer die Wahrheit spricht – um ihn zu fragen, was nun eine Lüge sei.

Eine Ebene höher befindet sich die Aussage: „Alle Kreter sind Lügner“ – gesprochen von einem Kretaner.  Er möchte sich selbst, und noch mehr den Rezipienten, in drei Welten entführen – dessen Realität genauso Bestand hat, wie die Frage nach dem Gegenteil eines „Taschenrechners“. Die Frage ist eine Einladung zu mind. drei Betrachtungsweisen:

  1. Es ist ein performativer  Widerspruch.
  2. Wir haben hier eine doppelte Negation.
  3. Die Aussage muss rekursiv verstanden werden.

ad 1.: Das es sich um einen Widerspruch handelt, kann in der Welt der Philosophie er als Grundspruch angenommen werden. Der Widerspruch ist das tragende Moment der Faszination und damit ein Werkzeug der Begeisterung für das Philosophische – was auch immer das Philosopische (per-se, an-sich, a-priorie, …) sei. Der Widerspruch begreift die Philosophie als Prozess ohne Abbruchbedingung. Der „fromme“ Wunsch nach Unendlichkeit liegt in ihm. Aus diesem Grund gibt es die „Kritik“. Die Kritik ist zum Widerspruch, genauso ein tragendes Element des Diskurses – sieht sich aber nicht genötigt performativ zu sein. Die Performanz des Widerspruches bietet schon die damit verbundene Selbstkritik (im Sinne unserer Aussage/Prämisse). Der performative Widerspruch ist minder-wertig im Vergleich der Selbstkritik, oder ‚en-Clusion‘ des perfomante Ich im Gegenteil meiner Selbst.

ad 2: führt eigentlich zu ad 3: und wird hier subsumiert. Die einfache doppelte Negation wird verstanden als: (exemplarisch) Ich  bin nicht ein/e xy-Gegenposition. Ich bin somit nicht das was ich nicht-sein-kann. Die einfache doppelte-Negation erlaubt aber Aussagen über das Ontologische hinaus – sie ist somit performant.  Arbeitsnotiz: {Nun kann also ein Seiendes keine Aussagen treffen, die ihr Nicht-Seindes zur Folge hat – ausgenommen, die Lüge könnte hier als Konstante seinen Platz finden}. Dem Philosophen ist es aber egal, ob seine Aussage mit einer Konstante operiert. – So erlauben wir uns den Schluss: Alle Philosophien operieren mit der Konstante „Lüge“. Das heist: „Sie arbeiten auch mit der Unwahrheit – was wider das Wesen wäre – und somit doch eine hochperformatene Widersprüchlichkeit darstellt, wie sie in ad 1 versucht wurde zu Widerlegen. Die Gegensätzlichkeit kann also nur über eine sich widersprechende Hypothese begriffen/damit_bewiesen werden. Die Rückführung in das darunterliegende System erlaubt eine Entgrenzung der Beweiskraft von seinem originären Sein und wird damit als ontologisches Problem eher zwi-spächtlichen Weltsichten anerkannt.  Es kann nun, was die Sein-Frage betrifft, sowohl ein Zustand des Performativen als auch ein Zustand des Widerspächlichen anerkannt werden. Keine Begrenzung soll hier dem freien Gedanken seinen Einhalt bieten. Trotz-alle-dem wird der Versuch einer nicht-performaten, um weiter zu gehen – eines rekursiven Gegenteil dargelegt.

So begreife ich nun den Sachverhalt: „Die Lüge ist eine Methode“. Die Lüge soll als solches begriffen werden. Ob nun der Sachverhalt einer Tätigkeit immer als Methode verstanden wird ist nebensächlich – das Verb braucht seine Prüfung um zu wirken. Ohne Prüfung, ist die Tätigkeit ein Summarium des Seins-Prozess. Alles Sein unterliegt der Prüfung um Sein zu sein. Dieser Ansatz ist unnötig (unperformant) – erlaubt auch keine Besonderheiten, die weder tragend noch argumentativ notwendig sind – jedoch eine Neudefinition erlaubt, um so der Gesetzmäßigkeit ohne Gesetz zu entsprechen.  Die doppelte Negation des Lügners, der behauptet zu lügen, ist nebensächlich – weil doch in seinem Wesen bedeutend und zugleich peripher. Was soll der Lügner auch tun, außer zu lügen? Was soll jener tun, der einen Lügner beim Lügen beobachtet/ertappt, außer ihm der Lüge zu bezichtigen? Welchen operativen Mehrwert hat nun die Beobachtung des Lügners beim Lügen für die Logik? Geht es darum, mit einer unbestimmten Variable zu operieren? Geht es darum diese Variable dem Typ Wahr/Falsch [boolisch] zu zuweisen? Wenn ja, dann öffnet uns ein Pool von Möglichkeiten, der Lüge, den Kretern, jenen die nicht lügen, jenen die glauben nicht-zu-lügen und jenen die das originäre Sein als höchste Instanz verstehen, einen Gegenpart zu liefern. Die Gegenwirklichkeit ist ein Teil der Realität. – Sie beschreibt jene Dinge die noch nicht beschrieben wurden. So ist es ein Einfaches den Versuch, die Aussage/das Argument: „Alle Kreter lügen“ neu zu betrachten:

Das Lügen() als Methode. Der Übergabeparameter ist boolesche – nun –> Lügen(wahr) oder Lügen(falsch). Die Übergabe macht die Erkenntnis und nicht die Aussage. Es ist eine sich-selbst-prüfende-Methode. Sie bestimmt sich nun über den Aufruf ohne Übergabe und wird damit zur Aussage als ein nicht-Elementares. Gegenwärtig stellt sich mir die Frage warum eigentlich ein performativer Widerspruch nicht auch eine doppelte Negation sein kann – mehr noch, wurde eigentlich eine doppelte Negation nicht immer als performativer Widerspruch erkannt – oder vielleicht als Zwischenkategorie. Der performative Widerspruch  erfährt hier seine Teilzeitbeschäftigung als Argument.  Sowohl wahr innerhalb des Konstrukts, als auch Relevant für weiterführende Darstellungen; Ich möchte fast behaupten – er nimmt den Stellenwert/Charakter eines Beispiels ein. Noch hat uns die Frage nach einem rekursiven Seins-Merkmarkmal unserer Grund-Hypothese nicht ausreichend Antworten gegeben, die als valide-wahrheitsbezogene und damit, weil schon durch das Attribut ‚Wahrheitsbezogen‘, eine induzierte Darstellung neu gedacht wird?

Arbeitsnotiz (Intermezzo): Um nun die Logik als unbrauchbar für Ethische-Grundsätze oder Moralische-Meinungen darzustellen, ist folgende Idee darzulegen:

P1: Epimenides war ein guter Lügner
P2: Alle Lügner sind Menschen
S1: Epimenides war ein guter Mensch

Unbrauchbar, weil gänzlich FALSCH! Der logisch richtige Satz lautet:

P1: Epimenides war ein guter Lügner
P2: Alle Lügner sind Menschen
S1: Epimenides war ein Mensch

Um nun aber die Unzulänglichkeit der Logik für Ethik und Moral abzuleiten, muss es zu einer Änderung in der Prämisse 2 kommen. Das Aussagenkalkül wirkt verstörend – ist aber logisch korrekt.

P1: Epimenides war ein guter Lügner
P2: Alle Menschen sind Lügner
S1: Epimenides war ein guter Mensch

 

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