Es waren einfach zu viele!

2017-02-24 § Hinterlasse einen Kommentar

Im Grunde ein ganz gewöhnlicher Tag, schlicht und einfach – so wie wir ihn kennen. Es gab eigentlich keinen besonderen Grund zur Besorgnis, wir waren es ja so gewohnt. Auch wenn uns die Extreme der näheren Vergangenheit noch immer wieder zu erhöhter Wachsamkeit verpflichtet haben, so war es doch normal – es war unser Status qvo. Wir waren eigentlich gut vorbereitet – oder lass mich sagen, wir waren vorbereitet. Tags über waren unsere „Systemadministratoren“ mit uns und mit möglichen Gefahren und mit denkbaren Szenarien und Abwehrmaßnamen beschäftigt. Am späten Nachmittag gingen sie aber nach Hause um zu entspannen, um bei der Familie zu sein, um Abzuschalten. Wir können nicht abschalten – wir haben einen 24 Stunden-Job. Eine sofortige Rückfrage war möglich, weil wir doch die Handynummer unserer „Administratoren“ hatten. Naja, und tagsüber waren sie sowieso anwesend – da war eine Rückfrage jederzeit möglich. Tagsüber scheinte das Licht; des Nächtens war es trüb und dunkel für uns. All die Skripte, die uns Halt geben sollen, wären ausgedruckt eine wärmende Decke für ein einen Obdachlosen, für uns Lebensnotwendig.

Noch ehe sich Wogen verglätten, möchte ich mich und meine Aufgabe vorstellen. Ich bin ein Rufzeichen und arbeite in einem Sicherheitsprotokoll auf dem größten Server zwischen Europa und Asien, Afrika – wir sagen gerne dem Rest der Welt. Und genau an diesen einem Tag war ich beschäftigt in einer Firewall, zwischen Europa, Asien und Afrika bzw. dem Rest der Welt. Meine Wahl ein Rufzeichen zu werden war wohl eher auf meine eigen Faulheit zurückzuführen. Der Aufwand war nicht groß, ein horizontaler Strich und ein einfacher Punkt – meine Hauptaufgabe: „Imperative quittieren“ „Imperative brüllen“. Keine große Aufgabe in diesem Skript – ich glaube ich war nur eine restrivtive Order in einem Html-Report – so oder so, das Leiden der Sonderzeichen durfte oder musste ich miterleben.

Niemand hätte sich gedacht, das eine so gewaltige Anzahl an Klammeraffen einen Neuanfang im Europäischen Netz sucht. Niemand hätte sich auch nur gedacht, dass Klammeraffen aus dem arabischen oder persischen Schriftraum zu uns kommen wollen. Die Firewall (in der auch ich tätig bin) glaubte an Gefahren, Threads, Viren. Die Firewall war ein Bollwerk – Filtering pur. Aber das arabische und persische Satzzeichen sich zu einem Klammeraffen degradieren lassen – war einach bis dato noch nicht erwartbar. Stolze Schriftzeichen, wie man sie nur in der arabischen und persischen Kultur findet, degradieren sich zu einfachen funktionalenen Zeichen wie dem Klammeraffen. Doch sie kammen, obgleich es noch in den 80er und 90er Jahren en vogue  war – wir brauchen Klammeraffen! Wir brauchen unendlich viele – jeder Mensch soll eine E-Mail-Adresse haben – wir brauchen Klammeraffen, mind. 5 Milliarden.

Und och es waren zu viele – zu viele Klammeraffen. Auf einem Schlag, und wir mussten ihen erklären: „Wir haben keinen Bedarf“. Wir mussten sie passieren lassen, wir konnten nicht mehr entscheiden ob sie nun funktional sind oder nur funktional aussehen – es waren millionen, es waren zu viele. Wir kannten die Reden des Ministers für Inners – „Wir brauchen keine Klammeraffen mehr, wir haben genug Klammeraffen – deutsche Klammeraffen. Wir brauchen Rauten – Hashtag-Zeichen – und ewig, wir brauchen Punkte. als Satzzeichen, als Tausender-Trennzeichen“

Und so kamen sie, millionen Klammeraffen, zu Stolz als Punkt zu sein; im Interview gaben sie an:“Wir wollen hier bleiben, wir wollen in einer E-Mail-Adress Platz finden, wir wollen gespeichert werden, als Klammeraffe auf einer Festplatte, auf einer SSd auf einer Hdd – wir wollen nicht spamen, wir wollen leben“.

 

Advertisements

Vom M zum D zum T – Eine Autopsychographie

2017-02-10 § Hinterlasse einen Kommentar

Hier mal ein Dialog den ich in meinem Hirn heute mitmemoriert habe – kurz vor dem Mittagsschlaf:

Ü-Ich: „Pass lieber auf, sonst geht alles Schief“
Es: „Ich will nicht, dass hier so rumkommandiert wird!“
Ich: „Ich habe nichts gesagt“
Ü-Ich: „Es soll einfach nur still sein!“
Ich zu Ü-Ich: „Ich kann reden so viel ich will und es kann tun was es will!“
Ü-Ich: „Es soll einfach nur die Klappe halten“
Es zu Ich: „Halt doch du mal die Klappe“
Ich: „So jetzt reisst euch mal zusammen, was will ich denken, wenn alle so mit mir reden“
Ü-Ich: „Wenn das so weiter geht, dann werde ich noch ganz verwirrt“
Es: „Wir werden alle noch ganz verwirrt!“
Ich: „Wir sollten hier nicht als wir sprechen – hier, in diesem Hirn gibt es nur mich – und außerdem sollte ich jetzt schlafen“
Ü-Ich: „Ich kann mich nur durch Verwirrung ermüden!“
Es: „Oder du hältst einfach die Klappe – ich möchte schlafen“
Ich: „Hier gibt es kein du – nur ein ich. Bitte haltet euch an die Regeln“
Ü-Ich: „Ach halt doch die Klappe“
Es: „Es soll einfach nur still sein“
Ich: „Ich will endlich schlafen, sonst werde ich noch total verwirrt – ich kann nicht mehr – OK!?!“
Ü-Ich: „Das Bett ist so bequem“
Es: „So bequem!“
Ich: „Das Ausstrecken der Beine tut mir so gut“
Es: „So bequem!“
Ü-Ich: „Die Augen einfach geschlossen halten, aber nicht zusammen pressen“
Es: „So bequem“
….
————————
Arbeitstitel: „Vom Monolog zum Dialog zum Trialog – oder, was ich denke kurz bevor ich einschlafe“
Anmerkung des Autors: „Um die Dramatik etwas hervorzuheben und gleichzeitig die Verschriftlichlichung zu gewähren, musste ich mein Es upgraden und mein Über-Ich downgraden“

Wo bin ich?

Du siehst dir momentan die Archive für Februar, 2017 auf Gedanken mit dem Netz gefangen an.