Wie man im Lotto verliert

2016-08-05 § Ein Kommentar

Wegen der fortschreitenden Nachfrage, wird diese Reflexion als eine rein populistische Arbeit verfasst. Exemplativ referiert dieser Text zum österreichischen Lotto, also dem 6 aus 45. Die Grundzüge lassen sich jedoch auch in anderen Systemen des Lotto-Gedankens als Impuls erfassen, um so als Negation und schlussendlich als Ausweichpunkt innerhalb der begrenzten Greifbarmachung, seinen kontradiktionalen Charakter als Vorlage zur impulsiven Begrifflichkeit darbietet. Mit anderen Worten – ein Mann steht vor einer Kreuzung, er hat die Wahl Links oder Rechts zu gehen – man empfiehlt ihm nicht nach Rechts zu gehen und ratet ihm ab den Linken Weg einzuschlagen. Die Entscheidung ob sie, geschätzter Leser oder geschätzte Leserin, im Lotto verlieren möchten, liegt ganz bei Ihnen.

Um nun die Thematik operationalisierbar zu machen, müssen wir einige Punkte, darunter auch Zufall, Spiel und der Dialektik zwischen gewinnen und verlieren aufarbeiten. Zu Anfang also das Wir: da das Lotterien-System (dispositiv) als isolierte Gemeinschaftsaktivität verstanden werden muss, entspricht es einer Ent-Wollenen, vom Willen befreiten Diversität die im Prozeduralen seine Einheit findet. Die Auswahl der Zahlenfolge schafft nun im gemeinschaftlichen seinen Individualismus. Jedoch: es widerspricht und terminiert sich in der Singularität und seiner ultima ratio – der Prüfung. Diese beispielhafte dialektische Beweisführung kann edler nicht sein, denn: wir tippen, es zieht und wir prüfen. Rückbezüglich wird nun die Prüfung als im Wir-Gemeinen der prozeduralen Vorbedingung der Tipp-Abgabe verstanden, die losgelöst vom Wir im choreographierten Tun sich abspielt/abzeichnet/abhandelt. So wird die Prüfung selbst zur Notwendigkeit, ob nun selbst durchgeführt und fremdgesteuert tut hier nur aus einem Grunde nichts zur Sache, weil dieser zu Groß für diesen Text wäre und den Fokus der zum Gleichen im Tempus vollzogenen Unfähigkeit den denkbar unwahrscheinlichsten Umstand zu erraten als Konsequenz verschleiert. Dieses Ent-Raten ist nun seiner Bestimmung als Prüfungsergebnis genug Futter. ES entführt also – und solange dieses ES dem dialektischem Wir entgegensteht, kann das Prozedere sich wiederholen und damit dem Wir Nahrung bieten. Die Systematik ist selbstverständlich normativ und subversiv. Der Nimbus des System  wurde gefüttert durch die Vielzahl von Gewinnern – der Nimbus des konstruierten Wir durch die wenigen Verlierer dieses Spieles. Wie man sieht, greift die Wir-Analyse voll in die Dialektik von Verlieren und Gewinnen.

Den Zufall – den gibt es nicht. Im euklidischen Raum ist er ein Krebsgeschwür – im rationellen ein Beweis der eigenen Ohnmacht. So ist es zutiefst Sinnlos über etwas zu schreiben, das es nicht gibt – da aber uns die Frage „Wie man im Lotto verliert“ interessiert, wäre es nicht schlecht, dem Zufall auf den Schwanz zu treten und ihn so zu zwingen etwas zu verweilen. Bälle fallen in einen Trichter – eine Frage der Gravitation. Die Bälle werden durch computergesteuerte Luftdüsen ordentlich durchgemischt – eine Frage des Zufallsgenerator. Ein Ball wird gezogen – eine Frage der Physik. Alles was nun diesen Zufall ausmacht ist beeinflusst durch die Zeit. Zu welcher Zeit beginnt das Fallen lassen der Bälle – wie steht die Sonne und der Mond zur Erde! Zu welcher Zeit startet der Zufallsgenerator der computergesteuerten Luftdüsen – eine Maschine die nur Null und Eins kennt, kennt auch keinen Zufall – aber seine Runtime auf die Nanosekunde genau! Die Ziehung selbst – physikalische Zeit. Die reine Vorstellung von „Zufall“ verängstigt uns in unserer eigenen Omnipräsenz. Hier und da, überall und an jeder Stelle – im Raum ungebunden, trotz seiner Beschränkungen, trotz seinem Käfig-ähnlichem Charakter basiert all unser Erkenntnis auf der Theorie der Zeit. Der Raum fassbar – die Zeit ambivalent. Sie dient der höchsten wissenschaftlichen Axiomatik, er nur ein Gefängnis unseres Seins. Sie generiert den Zufall, er die Ordnung – Simulation. Der Zufall ist in dieser Konstruktion ein Karzinom am linearen Denken. Wir lernen aus unseren eigenen Krankheiten des Geistes – Hauptsache die Linearität bleibt bestehen. Sie zeigt, sie zeigt in eine Richtung, sie zeigt uns also den Weg. Wüsten wir den Weg, so wäre unsere Leben, unser Sein, vergleichbar einem Elektron in einem CPU-Prozessor – hin und her geschupft – dort ist dein Weg, denn du bist eine Null! Den Zufall, Freihaus geliefert, zu jeder Lotto-Ziehung – er ist das was uns gewinnen lässt – im Lotto zu verlieren ist gar nicht mal so selbstverständlich, schon gar nicht einfach.

Die dem Spiel innewohnende Mechanik lässt sich leichter demontieren als es vordergründig erscheint und sollte auch keine gröberen Probleme aufwerfen. Alsbald ist das Spiel durch sein Telos vollkommen, alsbald ist seine Seinsgebung prozedural, alsbald ist Fruchtgenuss und Obolus eines Spieles in der Rolle des Spielers/der Spielerin selbst begründet. Eine Triangulation zwischen Arbeit, Spiel und Kampf zeigt deren massive Entfernung zueinander auf, obgleich es Schnitt- und Knotenpunkte gibt. Arbeit und Kampf dienen dem Selbsterhalt, das Spiel tut es nicht. Spiel und Arbeit nähren den Konstruktivisten, der Kampf tut es nicht. In Spiel und Kampf geht es um Sieg oder Niederlage, die Arbeit kennt beides nicht. Erst im Triangel versteht sich die klare Trennung dieser drei Nominalisierungen und dürfen damit ihre Begrifflichkeit bewahren, ohne ihre Entität im Metadiskurs zu verlieren. Wenn nun jemand behauptet, „Dieses Spiel sei für ihn mehr Arbeit oder gar schon ein Kampf“ dann ist es auch kein Spiel mehr, sondern „mehr Arbeit“ oder „gar schon ein Kampf“. spiel_kampf_arbeitEin anderer kann behaupten, seine Arbeit sei eher Spiel, weil er täglich etwas zu verlieren oder zu gewinnen hat – dann hat er ein Wesensmerkmal des Spieles erkannt – und muss, um sich selbst nicht zu betrügen, eingestehen, dass er nicht arbeite sondern spiele. Kategorial lassen sich nur wenige, den drei Transzendentien überspannende Attribute finden (abgesehen von ein paar Wortspielen oder philologischen Analysen). Das sicherlich denkbar Wichtigste jedoch ist die Gemeinsamkeit der soziologischen/psychologischen Rolle im Geschehen vor und nach, sowie im Aktiven und Passiven der Handlung. Die Dimensionierung auf den Mensch soll als gegeben vorausgesetzt werden, auch wenn darunter der Text massiv leidet und der nachfolgende Gedanke einen exemplarischen Charakterzug annimmt welcher von ‚gewieften‘ Empiristen ohne jede Anstrengung mit Leichtigkeit falsifiziert werden kann. [Intermezzo] Wir Hermeneutiker wissen es schon, die Empiristen suchen noch immer nach dem schwarzen Schwan – ein Beispiel illustriert und beweist nicht. Ich interessiere mich für die Regel und nicht für die Ausnahme [Intermezzo ende]. spiel_kampf_arbeit2Die zweite Similarität ist die Prozedur. Die dritte ist sein Beschluss bzw. Ende. Das Theorem ist sich selbst nun nichts mehr schuldig und kann problemlos, im Sinne einer dialektischen Negation invertiert werden. Zuvor aber die Erklärung von Rolle, Prozedur und Beschluss als dem inneliegenden Eigenschaften dieser drei, voneinander losgelösten Thesen des menschlichen Tuns. Die Rolle ist dem Individuum behaftet und bestimmt damit sein unreflektiertes Sein ohne Vollendung oder Teleologie. In der Prozedur übernimmt die Rolle die Aufgabe der Reflexion, ist aber noch nicht vollendet, da die Prozedur selbst zwar Regel und Aktion beschreibt, aber manifestiert im ‚hic et nunc‘ nur Hoffnung und Prognose auf ein Ende zulässt. Der Beschluss selbst ist nun dieses Ende ohne große Auswirkungen auf die Prozedur. Er sieht es vor, das liegt den Entitäten inne. Er, der Beschluss, entartet den Menschen und beendet zugleich – legt sich so also gegen jegliche Theorie der Unendlichkeit und stipuliert dadurch das Ende der Prozedur. Das der Beschluss selbst zur Prozedur wird, ist ein rekursives Gedankenexperiment begründet durch eine Übermacht der Unendlichkeit. Solange das Ende einer Prozedur auch eine weitere Prozedur nach sich zieht, ist eine Endlosschleife einfach nicht auszuschließen – jedoch nicht tragend für Spiel, Arbeit und Kampf. Während die Prozedur natürlich Einfluss auf die Rolle haben kann (Kann-Bestimmung) so hat der Beschluss definitiv Einfluss auf die Rolle (Muss-Bestimmung). Der Arbeiter hört die Sirene und wechselt seine Rolle vom Arbeiter zum Freizeitmensch, der Fussballspieler hört nach 90 Minuten die Pfeife und wird vom Spieler zum Gewinner oder Verlierer (ein Unentschieden kann beides bedeuten). Der Krieger wird am Ende einer Schlacht zum Sieger oder zum Besiegten. Die Rolle ändert sich nun also definitiv – und damit auch die emotionalen sowie identitätsstiftenden Benefiz. Uns interessiert aber das Lotteriespiel. spiel_kampf_arbeit_invertDeshalb invertieren wir unsere bisherigen Erkenntnisse und erkennen noch immer die Wechselwirkung der Attribute. Das Spiel zieht also seine Kreise. Die Rolle steht der Prozedur genauso gegenüber wie sie es dem Beschluss nach tut, der das Finale Element dieser illustren und zugleich dem Beschluss nach unverheißnungsvollen, wegen seiner Berechenbarkeit, unwahrscheinlichen Moment entspricht. Doch die Rolle ist weiterhin behaftetet wie der Kokon eines Schmetterlings. Umhüllt, Platz schaffenden und zugleich einengend. Fest am Platze, dort wo er brütet, dort wo er schlüpft. Dort wo er zum Pavillon wird. Die Prozedur holt ihn zurück, sie ist der produktive Teil; Jener Teil, der sowohl den Beschluss besiegelt als auch seine Rolle bestätigt, beurkundet. Fern ab der höchsten Unwahrscheinlichkeit soll ein Notar den Rollenwechsel begutachten. Er wird zum Träger, zwischen der Metamorphose aus Prozedur und Beschluss. Dem Schlussendlichen, dem bejahenden – nicht der Gerechtigkeit wegen – das Lotto-Dispositiv braucht sie nicht – sondern der Funktionalität versprechendend. Ein Versprechen auf die Gesetzte der Physik, auf die Gesetze der Mathematik, die Gesetzte der Wahrscheinlichkeit. Und selbige werden zum Dämon. Selbige, Gesetze, könnten das Ende bedeuten, nicht für jene die den Schein besitzen, sondern für jene die den Schein drucken – den Schein aufRECHT behalten. Ihrer prozeduralen Bescheinigung jenem Wert verleihen, den sonst nur gedrucktes Geld hat. Zweifelsfrei, für den Moment wertvoll, wegen seiner rollenverändernden Wirkung – weil es für den Spieler soziopsychologisch das Extrem der Änderung verspricht – weil es für den Spielmacher den Beschluss bedeutet – das Ende der perfekten Choreographie der davor einhergehenden Prozedur.

Für sachdienliche Hinweise zur Prozedur und zur Dialektik zwischen Gewinnen und Verlieren wäre ich sehr erfreut. Bitte benutzen Sie die Kommentarfunktion!

 

 

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