Der Becher des Sokrates

2016-05-20 § Ein Kommentar

SocratesSokrates war im antiken Griechenland ein bedeutender Philosoph und dramatisch unterbezahlter Sophist. Vater dreier Kinder und liebender Ehemann. Seine Frau Xanthippe kümmerte sich um das Familienunternehmen – so hatte Sokrates genügend Zeit sich der Philosophie zu widmen. Er galt auch als gern gesehener Gast auf den vielen, in der Antike üblichen Festen. Allein wegen seiner Trinkfestigkeit, trank er so manchen auf den Orgien unter den Tisch. Weil er für seine philosophische Lehrtätigkeiten kein Geld verlangte, bestahl er und seine Frau Xanthippe die maßlos besoffenen Gastgeber, manchmal eine Vase, manchmal eine Büste. Er verkaufte sie später wieder an die Besitzer zurück – man war mit diesem Modus äußerst zufrieden. Das Xanthippe als streitsüchtig galt tut nichts zur Sache. Vielleicht mag sogar diese Streitsucht die Inspiration für Sokrates gewesen sein – wer weiß? Jedoch wissen wir, dass Sokrates seine Xanthippe liebte und Xanthippe ihren Sokrates. So war er getragen durch Liebe und Sophistik – der Philosoph dessen Methode in die Geschichte einging. Die Methode der letzten Erkenntnis – der Erkenntnis nichts zu wissen. Man kennt ihn heute durch den Ausspruch: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. So ist die sokratische ultima ratio eine reine Selbsterkenntnis – kein Axiom – nur allein, weil sie schon durch die Logik falsch ist. Aber: Vom Standpunkt des persönlichen Erkenntnisvermögens die höchste zu erreichende. Vielleicht sogar eine Stufe über der Demut – jedoch definitiv ein Tribut an dem, was wir noch alles wissen werden! Ich schweife ab. Es geht hier nicht um die Weisheit eines alten Mannes.  Es geht auch nicht um jenes was dieser Sokrates seinen Nachkommen gegeben hat – es geht in diesem Text um das Geschenk das Sokrates von den Göttern erhielt. Keine Tugend und auch keine Weisheit. Es war ca. 400 Jahre vor Christus als Sokrates starb. Verurteilt, zum Tode durch den Schierlingsbecher. Angeklagt wegen Blasphemie und Verführung der Jugend. Schuldig gesprochen. Ein Urteil, das viele in Athen bestürzte – trotz der vielen Richter. Selbst Xanthippe sagte zu ihrem Mann: „Du wurdest zu unrecht verurteilt!“. Die Antwort war: „Wäre es dir lieber wenn man mich zu recht verurteilt?“. Xanthippe ging und betete zu den Göttern – Sokrates nahm ein Bad. Er lud seine Söhne zu sich und im Anschluss seine Schüler. Der Schierlingsbecher war bereit – Xanthippe betete. Sokrates selbst erzählte noch von irgendwelchen Flüssen und feilbot noch weiter Weisheiten. Unterdessen, waren die Götter im Olymp verzaubert vom Schauspiel das sich ihnen gebar. Die letzten Worte des weisesten Mannes zu hören, waren ihnen Unterhaltung genug. Sie ergötzen sich daran einen intelligenten Mann sterben zu sehen. Sie feuerten dem Ereignis entgegen – waren gefesselt vom Rausch des baldigen Todes. Hades hatte die Tischherrschaft – bald werden sie seine letzten Worte vernehmen – die Erregung stieg – andächtige Extase unter den Göttern. Nur Apollon sah die flehende, bittende und weinende Xanthippe. Er besann sich und reagierte blitzschnell. Den Tod des Sokrates konnte er nicht mehr verhindern, jedoch konnte er ihn so angenehm gestalten als es nur möglich war. Er, Apollon, segnete den Schierlingsbecher. Unterdessen sprach Sokrates seine letzten Worte: „Kriton, wir schulden Aeskulap noch einen Hahn, vergiß nicht, diese Schuld zu bezahlen.“ – er griff zum Becher – trank – starb. Schierling ist ein heimtückisches Gift. Es lähmt die Beine und man erstickt in Folge – langsam. Jedoch der gesegnete Becher ermöglichte Sokrates einen angenehmen Tod und in Folge blieb der Becher bei den Menschen. Von da an, konnte jeder der einem Sokrates würdig war, einen angenehmen Gift-Tod sterben. Um herauszufinden ob man einem Sokrates würdig ist, bot der Becher zwei Möglichkeiten. Trank man Wein aus ihm, dann verlebte man einen göttlichen Rausch. Trank man Wasser, so erhielt man die absolute Klarheit. Die Fähigkeit alles zu verstehen – alles zu durchblicken. Wer unwürdig war, verfiel in Wahnsinn. Und so ging der Becher des Sokrates auf Reisen. Er brachte Erkenntnis – er brachte höchsten Rausch und er brachte den Wahnsinn. Über 2400 Jahre wanderte der Becher von Persönlichkeit, von Gruppe, von Gemeinschaft über in ferne Länder – allüberall auf jedem Kontinent. Manche meinten ihn zu überlisten. Seiner gebar zu werden. Manche berauschten sich so lange, bis sie in Folge ihres Rausches dem Sokrates nicht mehr würdig waren und so in Wahnsinn verfielen. Andere wiederum tranken klares Wasser aus ihm, solange bis sie in absoluter Reinheit des Geistes, dem absoluten Einblick, der göttlichen Erkenntnis, der Epiphanie des Wissens ausgesetzt waren – solange, bis sie nicht mehr wussten, dass sie nichts wissen – und damit nicht mehr einem Sokrates würdig waren. Auch sie ereilte der Wahnsinn. Das Orakel sprach von einem Mann, der den Becher suchen soll und ihn finden wird – und es sprach von einem Lehrer, der vom Becher trinken soll – und in einem seiner SchülerInnen den/die Auserwählte finden wird. Der/Die wird den Becher des Sokrates an sich nehmen und in Folge die Welt verändern. Er/Sie wird Philosoph sein!

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§ Eine Antwort auf Der Becher des Sokrates

  • tommaier sagt:

    Nachdem das „IKEA-Dispositiv“ so gefloppt ist habe ich mir gedacht: „Arschloch hoch Amerika“ und „zurück zum Start“. „Deus ex“ gab mir so viel Selbstvertrauen. Es entstand der Becher des Sokrates.

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