Kritischer Objetivismus

2018-09-14 § Hinterlasse einen Kommentar

In mitten einer objektiven Darstellung eines beliebigen Gegenstandes liegt sowohl das für sich begrenzende Moment eines durchgesetzten (legitimierten) Nominatives und dem rein sinnlichen Deskriptiv welches das Subjektive der Darstellung konsensuell  zu eliminieren versucht. Nichts liegt mir ferner als an dem Objektiven zu zweifeln, dennoch möchte ich den Objektivismus kritisch in die Petrischale des Denkens legen um zu sehen, wie sich die einzelnen Elemente mit seinen Attributen und Eigenschaften einem kognitiven Stresstest widersetzen. Einige Prämissen müssen vorweg geklärt werden! Die Dialektik von „Alles ist relativ“ und das Erkenntnisspektrum, dass „ich weiß, dass ich nichts weiß“.  Das ich mich wieder einmal an Grundlagenforschungsbereichen der Philosophie labe, will nur zum Ausdruck bringen wie hungrig mein Geist ist – und wie gerne ich bereit bin, alle bisher gewonnenen Erkenntnisse der allgemeinen Erkenntniskritik in eine Arena des Streites zu schicken um am Schluss das stärkste Erkenntniselement einer tiefsitzenden Prüfung zu unterwerfen. Nun ist die Schwierigkeit ein Argument als stark oder schwach zu konnotieren hinlänglich bekannt. Ich will das Argument als Basis für Erkenntnis heranziehen (in einer spekulativen Form der Philosophie wie ich sie betreibe sollte diese Prämisse standhalten). Des weiteren will ich die Erkenntnis als das Veränderbare ansehen, sodass jegliche Erkenntnis im Grunde kein Gesetz, kein Theorem, kein Philosophem – nicht nicht einmal eine These (in schwacher oder harter) ist. Sie ist im Wesen eine Zwischenspeicherung der kognitiven Arbeit und verleitet so in Folge zu voreiligen Aussagen, die weder Gehalt noch Permanenz besitzen. Die Erkenntnis bewegt sich immer im Besonderen und nie im Allgemeinen – und wollen wir davon ausgehen, dass das erst Allgemeine Wahrheit ist und das Besondere niemals Wahrheit sein kann – so sehen wir die Veränderbarkeit der Erkenntnis unterworfen durch Mode, Stil und Zeitgeist herumgewirbelt wie ein kleines Fischerboot auf den stürmischen Wogen der Weltmeere. Exemplarisch (und damit bebildere ich wieder nur ein Besonderes) müssen wir uns das Sokratische Prinzip des „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ dem Objektivismus unterordnen um so der Erkenntnisproblematik ein Gesicht zu verleihen. Natürlich wusste Sokrates, dass er etwas (wenn nicht sogar ganz schön viel) wusste. Er war doch nicht irgend ein Penner der sich wichtig aufspielen wollte – in dem er durch seine Hebammen-Kunst seine Mitmenschen in Verlegenheit bringen wollte. Auch kein Sophist des alten Griechenlands, der schamlos seinen Schülern beibringen musste, dass sowohl im Guten etwas Falsches und im Schlechten etwas Gutes steckt – man möchte und wollte damals einfach die Erkenntnis als die Ratio-Ultimo verkaufen und konnte auch so durch reine Argumentation zum gewünschten sophistischen Ergebnis gelangen. Für den edlen Geist des „Wende-Philosophen“ Sokrates definitiv akademischer Humbug. Effekthascherei. Heute würden wir einen Versuch das Wahre als Falsch darzustellen definitiv genauso verurteilen wie jeder Versuch im Falschen das Wahre zu suchen und mit Argumenten zu finden. Die Frage in diesem Zusammenhang was nun Wahr und was nun Falsch ist, ist ein Thema für einen anderen Blog-Beitrag – hier geht es nicht darum, sondern (spekulativ) um die Tatsache, das man das, was man als das Wahre gefunden hat, als Falsch darstellt – frevelhaft, abartig und abnormal einzustufen sein sollte. Diese Aussagen sind nicht dogmatisch sondern beziehen sich ausschließlich auf das absolute Wahre. Genug davon. Dieser Sokrates, war hochgradig gebildet. Er kannte die Philosophien der Ahnen und seiner Vordenker. Neben seiner hochgradigen Bildung war er auch ein talentierter Stein- und Bildhauer. Und weil er für seine Unterrichtstätigkeit sowohl kein Geld (Obolus) als auch die Todesstrafe (Verführung der Jugend) in Kauf nahm, war er für mich (während meines Studiums) der erste echte Lehrer – der für seine pädagogischen Ideale starb. Leider, und so sehen wir an mir das Erkenntnisproblem, musste Sokrates nicht wegen Verführung der Jugend bzw. Gotteslästerung sterben, sondern einzig und allein wegen einem juristischen Detail des antiken Athens. Er wurde, wie jeder Verurteilte, nach der Art der Bestrafung befragt. Verbannung oder eine Geldstrafe? Doch da er sich für keine der beiden Bestrafungen entschieden hat, wurde ihm der Schierlingsbecher serviert – die Todesstrafe. Das Paradoxon ist der Rechtsphilosophie zuzuweisen. Schließlich war er es, der die unbedingte Befolgung der Gesetze propagierte aber dennoch keine von den zwei äußert geringen Bestrafungen einer Entscheidung näher bringen wollte – es wäre für ihn ein Schuldeingeständnis gewesen. Aber darüber zu diskutieren soll den jungen Jusstudent|innen auferlegt werden – wenn sie über die Philosophie der Gerechtigkeit räsonieren (müssen). Im Grunde ist es eine einfache Prämisse die dem sokratischen Prinzip auferlegt wird. Ich – das ist jeder. Einfacher ausgedrückt: „Man klingelt bei jemanden – über die Gegensprechanlage hört man: „Wer ist da?“ – man antwortet „Ich“ und bekommt als Antwort: „Ich ist Jeder“. Das setzen wir einfach ins sokratische Prinzip ein, und erhalten: „Jeder weiß, das jeder nichts weiß“. So wird aus der Erkenntnis ein argumentatives Faktum, das wiederum (und leider) sophistisch Eingesetzt werden kann. Denn wenn ich weiß, das mein Gegenüber ebenfalls weiß, das ich nichts weiß – so ist es kein Statement gegen meine Unwissenheit sondern ein Impuls gegen die Einstellung zu glauben, das mein Nächster (und das ist mein Gesprächspartner) wohl kaum Kenntnis glaubt über jenes was ich zu wissen glaube. Aber darum geht es, wir und ich (und wenn der Philosoph unter meinen Lesern das Ich tatsächlich dekonstruiert hat) ein wechselseitiges Erkenntismoment einstellt. Damit stellt sich erst das Wechselseitige aus dem Vorstellungsbereich eines unwissenden im vergleich zum wissenden Absoluten dar. Das absolut Wissende ist nicht Wahrheit – außer es ist Allgemein und nicht Besonders. Besitzt nun das Wissen den Status als Allgemeinen, so kann es explanatives Wissen werden um so als Argument in den Wahrnehmungsprozess der Erkenntnis aufgenommen zu werden. Bislang deduziert es aber nur. Deshalb müssen wir uns das „alles ist Relativ“ einer Bedingtheit des ontologischen Realismus anbiedern um aus einer rein dem Solipsismus-Theoretischen ebenen selbiges als Unwahr einzustufen. Aber das wollen wir nicht. Um nun selbiges deiner Dialektik zuzuführen – haben wir zweierlei Negationen zu Auswahl. Die Negation „alles ist absolut“ führt uns zu einem äußerst interessanten Punkt kognitiver Bemühungen. Details später. Die Doppelnegation: „nicht ist absolut“ hat schon wieder diesen sophistischen Charakter – will aber tendenziell im logischen Denken seinen Einzug finden. Will nun dem Syllogismus aus dem einen oder dem anderen zu einer Wahrheit führen, so müssen wir in erster Line das Eine mit dem Anderen in Relation setzen (ohne damit dem Relativismus Spielfeld zu geben). Warum? Nicht der Relativismus ist das Problem – genauso wie der Postulat des Objektivismus es sein kann. Wieso soll auch nicht sowohl relative Wahrheit als auch objektive Wahrheit das Quint-Essenz sein? Mein Versuch das relative dem objektiven entgegenzusetzen ist nur ein schwacher Versuch, eine dialektische Negation für das Eine und das Andere zu finden. Die Negation als Methode ist ja auch nicht das Non-Plus-Ultra. Den in ihrer ist „alles relativ“ in seiner Negation „nicht ist relativ“ oder „nichts ist absolut“ – ich hoffe der Leser versteht nun die Problematik. Sehen wir nun, im Nichts das Relative, so ist es unmerklich schwer, einen Syllogismus (Schluss) zu finden – der sowohl dem Relativen die selben Berechtigungen zuschreibt wie einem der Negation absolut gesetzten Wahrheits-Argumentativ näher bringt. Die Schwierigkeit ein Absolutes zu denken, wird eben in einer antiken Philosophie zu einer Leichtigkeit transformiert. Schon wenn wir uns auf die Philosophien eine Epikur oder genauer eines Pythagoras (ich war nur kurz abgelenkt vom Hedonismus des Epikur [in abgeschwächter Form] so sehe ich definitiv keinen Einspruch im Versuch glücklich zu werden, so wie ich keinen Einspruch in dem Philosophem des Nous finden kann). Das eine soll das andere nicht bedingen. Die pythagoreische Philosophie kann und will ich nicht auf irgend ein a Quadart zu irgend einem b Quadrat reduzieren – in ihr beheimatet sich ein Theorem, welches bislang unverfälscht ist. Auch wenn wir Pythagoras als eine Definitor zwischen der Einheit (dem Nous) und der Vielheit (von 2 – 10) denken müssen, erscheint uns doch jenes Bildnis als langfristiges Axiom in all unseren Überlegungen wieder. Die Einfachheit der Erkenntnis ist das Moment des restriktiven Denkens. So soll sowohl der Objektivismus durch eine grundlegende Idee weiter gedacht werden –> Es gibt nur eine Gesundheit, aber viele Krankheiten. Es gibt nur eine Ruhe aber viele Bewegungen. Damit hätten wir eine rudimentäre Ausgangslage geschaffen um Bezugspunkte um ein antithetisches Kalkül zu setzen, die sowohl das Absolute als auch die Unmöglichkeit im Besonderen die Wahrheit zu finden, eingrenzt. Selbst wenn das Besondere vom Allgemeinen abgeleitet wurde, ohne dem Allgemeinen ein weiteres Attribut zu verleihen und so dem Besonderen im Hinblick des absoluten Allgemeinen eine Äquivalenz als Schluss darlegt, ist es ebenso als absolutes Besonderes zu betrachten. Entsteht nun als dem (exempl.) absolut-allgemeinen Stuhl ein absolut-besonderer Stuhl [in der Annahme, das beide gleich sind] so haben wir einen leeren Prozess in der ersten Abstraktionsstufe. In der zweiten Stufe eine Kopie vom Original und erst in der dritten Abstraktionsstufe die Gleichsetzung (und damit auch die Absolutsetzung) beider Stühle durch die Metaebene der Stuhl-Idee – dem transzendentem Stuhl. Ich will dieses Modell auf das Aussagekalkül „Es gibt nur eine Gesundheit, aber unzählige Krankheiten“ anwenden, bevor ich die bisherigen Erkenntnisse dem anfangs erwähnten Fehlglaube der absoluten Relativität zuweise. Betrachten wir also die Gesundheit als Allgemeines an, dann ist es ein leichtes zum Besonderen vorzuschreiten. Psychische Gesundheit, physische Gesundheit usw. leiten sich von der unbestreitbaren Existenz der Gesundheit ab und bislang ist auch noch immer ein leerer Schluss von der Gesundheit zu sprechen um damit sowohl die psychische als auch die physische usw. als Aussage zugrunde zu legen, solange alle Formen (damit das Absolute) eingeschlossen sind. Kopieren wir aber das Allgemeine auf das Besondere und so ist sowohl das eine mit dem Anderen ident, jedoch nicht in seiner Absolutheit vollständig. So ist der Scherz in meinem Fuss verschwunden und damit auch der Zustand der Gesundung eingetreten. Damit erlaubt die zweite Abstraktionsstufe auch die Absenz der Negation einer Eigenschaft des besonderen Zustandes. Das Allgemeine liegt schemenhaft auf dem Besonderen und deckt sich (Deckungsgleichheit zwischen dem Original und dem Besondern ist gleichgesetzt mit der Deckungsgleichheit zwischen dem Allgemeinen und der Kopie). Man sieht sofort, das die zweite Abstraktionsstufe noch immer durch die Unterscheidung zwischen Induktiv und Deduktiv geprägt ist, denn wenn beide Zustände absolut gesetzt sind so unterscheidet sich das Original durch die Kopie ausschließlich durch den chronologischen Unterschied beider Erscheinungszustände. Wird der Mensch gesund geboren, so ist das Verschwinden einer Krankheit die Wiedergewinnung von Gesundheit im Besondern.  Schwieriger wird es nun, wenn ein Mensch mit einem Gebrechen (oder einer Erbsünde als psychologischer Schmerz) geboren und dieses kuriert sich im Laufe der Zeit (oder durch irgendwelche anderen Künste der Gesundheitswissenschaften – ich bin kein Arzt oder spiritueller Heiler und es spielt im Detail auch keine Rolle) so bekommt die zweite Abstraktionsstufe gerade durch die Absolutsetzung ein schwerwiegendes aber nebensächliches Problem. Dieses Deduktion-Induktion-Problem ist genauso einfach zu Lösen wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Es bedingt sich also gegenseitig und ist somit auch nicht mehr durch eine chronologisch bedingte Einschränkung in Kritik zu stellen, da nun das Original nicht das (zu)Erste ist, sondern das Original im Anderen gefunden werden kann und die Kopie sich durch die Konsequenz daraus ergibt. Ich sehe den gelösten Priester von der heilenden Wirkung einer Beichte vor Gott sprechen und erkenne damit das Original der Gesundung meiner durch Erbsünde induzierten Psychose. Ich sehe einen Langstreckenläufer seine Bahnen ziehen und erkenne damit das Original der Gesundung meiner Lähmung von Geburt an. Aber es ist nunmal noch immer die zweite Abstraktionsstufe und damit naiv-kritischer Objektivismus aber noch lange kein wissenschaftlicher, oder rein kritischer Objektivismus. Dafür haben wir aber die dritte Abstraktionsstufe, die die Unbestimmtheit ihrer eigenen Bestimmung als Aporie nach sich zieht. Im Falle der Gesundheit wird in der Metaebene ein Hyperreales eingeführt, das derart hochgradig Abstrakt sein muss um nicht das Allgemeine zum Besonderen zu transponieren. Betrachten wir also [spekulativ] die Gesundheit als einen pragmatischen Zustand des Seins so wird die Krankheit in seinem Wesen ebenso erklärbar gemacht, wie sie auch neben der Erklärung ein sich wechselseitiges Element zu (z. B.) geänderten Umwelteinflüssen neu aufgestellt wird. Der empirsche Objektivismus führt einen Katalog ins Feld und meint, dass alles was nicht im ICD oder DIMDI Katalog aufgeführt ist als Gesundheit zu betrachten sein sollte. Ein klassischer Fall von Falsifikation auf einer Metaebene. Der empirische Objektivismus in der Metaebene bedient sich also philosophischer Methoden um etwas so rein Biologisches wie die Physe des Menschens, die vollends noch-nicht aber bald determiniert ist, oder determiniert sein sollte. Ob nun über die höhere Bedeutung von der Folge des Diabetes (ich denke hier an den gänzlichen Verlust des Schmerzempfindens) oder die Depression als natürliche Vorbereitung des Menschens auf die Unausweichlichkeit des Todes betrachtet werden kann und dieses an den medizinischen Fakultäten diskutiert wird habe ich keine Kenntnis. Das jegliche/diverse Form/en von Krankheit ein Signal sein soll auf ein ungestilltes Bedürfnis des Körpers bzw. der Seele ist weit verbreitet. So wäre doch die Gesundheit ein Zustand der Signallosigkeit, paradoxer noch, ein Kommunikationsstillstand an und für sich selbst. In der dritten Abstraktionsstufe, der Metabestimmung des Allgemeinen, schränkt sich selbiges durchgehend weiter ein. Unser einfacher Fall der Medizin, ist durch den Willen des Menschen, damit den detaillierteren Willen zur Macht über sich selbst ausgelegt. Der, den wir als Patient|in betrachten ist getrieben durch den Willen seiner eigenen Möglichkeiten die die Ebene des Denkens an seine Grenzen führen soll. So ist sein Verständnis von dem, was als Metamöglichkeit erkennbar ist, durch die Vielsseitigkeit der Methoden starkt beeinflusst. Die medizinische Methode, so wie ich sie einsehe, ist in keiner anderen niedrigen Wissenschaften (im Vergleich zur reinen Philosophie, die m. E. den Status der Wissenschaft dringt verlassen muss, um nicht unter dem Joch der Einfältigkeit zu leiden) auf die Definition einer Hypothese (Diagnose) und der methodischen Möglichkeiten, jenen durch den Willen des Menschen dargelegten Sollzustand ad acta gelegt zu werden um so die Hervorrufung einer neuen Seinswesenheit oder die Reparatur einer bekannten ontologischen Entität einzustellen. Diese von mir exemplarisch auf einer niederen Instanz (nämlich der der Medizin) dargelegten Metakognitiven Auswirkungen auf die absolute Allgemeinheit und seiner Folge auf das absolut Besondere schränkt den kritischen Objektivismus nur bildhaft ein. Das rein visuelle Denken wird zum auditiven. Sämtliche weitere Argumente kolorieren nur die Metaebene des Beispiels (dem Mediziner) und tun dem kritischen Objektivismus nur insofern Tribut, als dass man nicht alles als a priori Falsch bzw. alles als a posteriori Falsch und schon gar nicht, alles als a priori Wahr bzw. als a posteriori Wahr anzusehen hat. Das eine und/oder das andere spielt im rein kritisch-philosophischen Objektivismus keine durch Konnotation eingeschränkte Bedeutung. Schmerz oder Euphorie haben [und sollten] für den|die Philosophen|in einen ausschließlich exemplarischen Charakter [haben]. Sie entspringen der Wechselwirkung des sich verändernden Gedanken, der die Erkenntnis von Gestern in zweierlei Art betrachtet – als 1. vergänglich und als 2. veränderlich. Nun aber zur dialektischen Betrachtung des Aussagekalkül: „Alles ist relativ“. Wir dürfen uns nicht sofort durch die vielen absolut gesetzten Beispiele von oben im Text beeinflussen lassen. Die Annahme, das „alles Relativ“ sei ist nun philologisch als das absolute Relativum und gleichzeitig auch die Grundlage des Subjektivimus zu betrachten. In beiderlei Spektren soll die Aussage seine Berechtigung finden. Dialektisch aber wollen wir die Aussage „alles ist relativ“ als These ansetzen. Es erlaubt uns den nächsten antithetischen Schritt der bidiaktional Erscheint, jedoch in seinem Wesen der rein dialektischen Betrachtung sowohl Wahr als auch Falsch sein kann. In der Antithese sind beide Möglichkeiten denkbar – ich will mich darauf nicht näher deklarieren. Zurück zu den zwei Antithesen: 1. „Alles ist absolut“ und 2. „Nichts ist Relativ“. Im einen müssen wir die Prämise der ersten Antithese in die These einsetzen – es folgt: Wenn nun alles relativ ist so ist auch alles nicht absolut. Einfacher kann es wohl nicht mehr sein. Deklarieren wir aber die Antithese als Falsch und die These als Wahr, erhalten wir den Schluss (Sylogismus) einer unwahren Behauptung, die weder durch das logisch bedingte eine noch durch das logisch ausgeschlossene andere seinen Wahrheitsanspruch ableiten lässt. Erst wenn beide Aussagen als Wahr betrachtet werden, ist in der dritten Abstraktionsstufe ein netter Effekt zu betrachten, der die Negation aufhebt und so zum Erkenntnisstand seinen befruchtenden Beitrag näher legt. Nicht jetzt, weil „alles relativ“ und „nichts absolut“ ist, sonder, weil über die Metadefinition sowohl das Alles das Nichts einschließt und das Nichts defacto das Alles ausschließt. Wir sehen also, das die erstrangige Erklärung dem Gegensätzlichen nicht immer den Anspruch auf Vollständigkeit der Aussage darlegt. Noch immer wollen wir „alles ist relativ“ weder beweisen noch widerlegen sondern mehr die Auswirkungen dialektisch/spekulativ von seinem spekulativen/beispielhaften in das nicht-beispielhafte, somit vom Besonderen ins Allgemeine überführen. Einfach nur, weil Wahrheit nur im Allgemeinen zu finden ist – komplexer jedoch, weil Wahrheit nur über das Allgemeine definiert werden kann.

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Policy paper

2018-08-16 § Hinterlasse einen Kommentar

Da sich nun im Laufe der Zeit doch einiges an Textmaterial auf diesem Blog angehäuft hat, ist es meine Aufgabe ein Grundsatzpapier zu verfassen. Was soll ich schreiben?

  • Title: Gedanken mit dem Netz gefangen
  • Author: Tom Maier
  • Description: mind-capturing-protocols

Damit hätte ich schon einmal die Pflicht-Aufzählung für Papers jeder Art verfüllt. Da ich aber Freude daran gefunden habe, werden im Rahmen dieser Festlegung noch weitere Aufzählungen Einzug finden. Oh ja, und natürlich die obligatorische Gliederung mit drei Ebenen (wenn die dritte überhaupt notwendig ist):

1. Kategorien

1.1 Das Prinzip

Um Kategorien festlegen zu können, sollte ein Prinzip dem Ganzen zugrunde liegen. Das Prinzip hebt sich durch sein Alleinstellungsmerkmal aus – mit anderen Worten, das Prinzip kann niemals neben einem anderen Prinzip stehen, denn sonst verliert es sein Wesen und rückt selbst wieder nur zu einer Kategorie herab, die in der Meta-Ebene nach einem Prinzip verlangt. So ist es gänzlich Falsch, von zwei Prinzipien (oder mehr) auszugehen… möchte man sich auf Spitzfindigkeiten einlassen. Ich will diese Denksweise exemplarisch erklären: „Meine Arbeit unterliegt zwei Prinzipien: Erstens, dem Prinzip der Klarheit und zweitens dem Prinzip der Vollständigkeit“. Das klingt nachvollziehbar, ist aber in dieser Denkweise gänzlich falsch, da sowohl das eine als auch das andere niemals ein Prinzip (im Sinne eines Nous) sein kann, wenn beide gleichwertig nebeneinander stehen sollen. Die Bewertung ist hier nicht der treibende Faktor weil selbst ein Über- oder Unterhang einer zweiten Seinsbestimmung keinerlei prinzipiellen Charakter erlaubt. Diese Hin-und-Her (ich will Fachbegriffe wie Ambivalenz vermeiden – weil diese angeblich die Lesbarkeit stören) zwischen dem Einem und dem Anderen, kann (in der Politik nennt man es Anlassgesetzgebung) einen wechselbalkartigen Charakter annehmen. Ich will von dieser äußerst restriktiven (oh Gott, natürlich strengen) Begriffsbestimmung abkommen und dem Prinzip jenes zuweisen, was im Volksmund als solches auch verstanden wird: Eine Verhaltensrichtlinie. Das Prinzip also für diesen Blog unterliegt einer sorgfältigen  (ach: akribisch würde so gut reinpassen) Protokolierung eines Gedankenstrang zu  einem bestimmten Thema. Ich habe also für diesen Blog das Prinzip „SORGFÄLLTIGKEIT“ gewählt – nicht Vielfällltigkeit oder Einfälltigkeit.

1.2 Die Entität

Um also eine kategoriale Beschreibung vornehmen zu können – sollte eine Entität vorliegen. Sollte! Ein sophistisches Verlangen, all unsere Gedanken in ein lineares Korsett zu stecken (dem ich im Beitrag: Alles NICHT-DENKBARE kann auch nicht geordnet werden! schon Rechnung getragen habe). Ob es nun von unten nach oben (deduktiv) oder von oben nach unten geht (induktiv) soll für Gedankenprotokolle eher eine untergeordnete Stellung einnehmen – insbesondere weil Mind-Capturing selten einem Forschungsziel folgt – nur allein, weil eine Zielformulierung für ernsthafte Forschung absurd ist. Poppers Zeiten sind vorbei!

Wir haben eine Hypothese – prüfen Sie diese und ermitteln Sie ob sie Falsch oder Richtig ist. Forschungsziel: Prüfen Sie so lange, bis sie falsifiziert ist!

Will ich nun eine Entität festlegen, so ist es das gute Recht des Lesers, jegliche Abweichung von der Entität als Falsch oder als Themenverfehlung abzutun. Warum auch nicht? Schließlich ist es eine Falsifikation, wenn der Fussball das Spielfeld verlässt – er wird zwar zurückgeworfen um das Spiel weiter am Laufen zu lassen – der teleologische Weg des Balles interessiert niemanden -denn er verlässt auch das, was wir als Entität Fussball betrachten würden und so, wie Fussball sowohl das Regelwerk, die begrenzte Örtlichkeit (Foucault beschreibt es auch als Heterotopie) als auch dem materiellen Einsatz – der temporalen Begrenzung und der Dynamik (also dem Nous der Bewegung) entspricht, soll die Entität für diesen Blog sich auf die „Versprachlichung des Räsonnement“ beschränken – dem Räsonnement der Gesichte, von damals bis jetzt – von der Idee zum Wort.

1.3  Jetzt mal ehrlich: die Kategorien

Da sich diese unsere unwissende „Menschheit ohne Ahnung“ eine Vielzahl von Begriffen und Worten zurecht gerückt hat (sie gefunden, beschrieben, eingegrenzt, beschrieben und als gefunden deklariert), ist es mir möglich die Themen (oder Kategorien) auf fünf einzuschränken, wobei natürlich die Erste und die Letzte gewagt sind und deswegen von mir sehr viel Selbstbewusstsein abverlangt:

  1. Philosophie
  2. Pädagogik
  3. Politik und Zeitgeschehen
  4. Literaturkritik
  5. Humor und Satire

Ich will meine Beträge nicht farblich kennzeichnen, um dem Leser die Arbeit abzunehmen. Meine Hoffnung ist noch immer, dass posthum irgend ein|e Student|in meine Beiträge sortiert.

2.1 Die Methode

Äußerst abstrakt und metaphorisch kann man sich eine Weltengeist vorstellen. Eine denkende Instanz, die unser Denken verbindet. Und so wie Sokrates in seiner Agonie von Flüssen gesprochen hat, erlaube ich mir von diesem Weltengeist zu schreiben. Der Status-Qvo unseres Denken – kann doch niemals vom Individuum selbst geboren sein. Das Individuum hat die Möglichkeit als Konstruktivist auf diesen Weltengeist einzuwirken – durch Fragen, durch Behauptungen – durch die einfache Rede. Das Gegenwärtige (ich will sagen, der tatsächliche Nous) erkennt das Gerede unsere Mitmenschen und hat (wem wir das zu verdanken haben, weiß ich nicht) aufgehört dieses zu bewerten. All dieses, das hier und jetzt – dein Denken jenseits der Worte – diese Emotion, sind der Beitrag zur kognitiven Entwicklung des Weltengeistes. Ob ich nun den Gedankenstrang wie ein Polariod festhalte, das Gegenwärtige als Photographie und der Weiterentwicklung in Form einer Photomontage  Tribut leiste, ist für die Gegenständliche protokolierung Nebensächlich. (gegenständliche Protokollierung nebensächlich).  Mit anderen Worten: die Methode wird zum Ziel und Zweck – verstehen überwindet Orthographie – verstehen überwindet Grammatik – Verstehen überwindet kulturelle Grenzen und wird so zum energetischen Teil jenes Prozesses, dem der Weltengeist sein Forschungsziel nennt.

3.1 Die Abstraktion

Im 19ten Jahrhundert (wenn wir das Leben und Sterben von Jesus Christus als Maßstab ansetzen wollen und nicht in Olympiaden rechnen) war noch der Glaube präsent, niemals die Wahrheit, durch Argumentation in Frage zu stellen und der Unwahrheit niemals durch Argumentation Platz in unserem Denken zu schaffen, sind wir jetzt am kritischen Wendepunkt. Wieso sollten wir auch nicht – alles Gute kann ins Böse gewandt werden, alles Dumme ist der Quell des Gescheiten. Die geistige Entwicklung ist aber schon lange nicht Sklave seiner eigenen Erkenntnis – die Entwicklung beschreibt seine neuen Methoden neu und definiert seine Entitäten als Prozess seiner eigenen Erkenntnis im Prozess – was uns doch wieder zu Aristoteles zurück wirft, der das Nous in der Bewegung sieht. Radial nicht linear, ein Postulat unter vielen. Das reine Denken kann sich nur einer Gesetzmäßigkeit unterwerfen – es kann nur einem Prinzip folgen – und so wird das radiale Denken nur ein Teilbereich der linearen Erkenntnis. Es ist so, als würde man den Gipfel unter den Berg stellen.

3.1.2  aber die vielen Fremdwörter???

Ja natürlich – dem und der Leser|in fallen die vielen Fachbegriffe auf, die sich so ergeben. Aber jetzt einmal ehrlich – wieviele sind es wirklich in diesem Blog? Zehn oder Zwölf (wenn es hoch kommt). Die Determinanten (Wörter die Inhaltlich eingrenzen) sind doch übersichtlich. Worauf kommt es mir hauptsächlich in diesem Blog an? Der Unterschied zwischen Induktion und Deduktion. Der Unterschied zwischen Normativ und Deskriptiv. Das Eine ist gesetzt, das Andere beschreibt. Der Nous (worum es wirklich geht) begleitet diesen Blog nicht wirklich und … es spielt keine Rolle. In der tatsächlichen Philosophie ist der Begriff „Syllogismus“ genauso und-und-verständlich wie der Begriff „für-sich“. Das „an-sich“ kann Verwirrung stiften, wie es eine „Prämisse“ tut und das „an-und-für-sich“ ist in seiner Komplexität einer „non-retrograden Progression“ gleich-zu-setzen. Ob ich nun „im-vorhinein“ oder „apriorie“ schreibe ist nur durch die Effizienz Begründbar – manchmal aber auch nur notwendig. Aber, für jeden Beitrag nehme ich mir vor die Lesbarkeit durch Lehnwortarmut aufzupeppen – wozu? Ist mir selbst noch unklar.

 

 

 

Die Negation des Anders-Sein

2018-08-09 § Hinterlasse einen Kommentar

Noch bevor wir uns dem seienden Individuum zuwenden, möchte ich (zum Anlass des sich all-jährlich wiederholenden Todestag von DEMOKRIT aus Abdera) eine Gedenknote einfügen – die den ersten echten Rock-and-Roll-Superstar der Philosophie hochleben lassen soll. Neben seiner Atomlehre (die noch immer Sprengkraft hat) wurde er von Hegel als Einen-der-Ersten genannt, der unter den Vorsokratikern schon ein Licht hatte (wenn gleich kein Großes). Mit seinem Lehrer Leukipp hat er den ausschlaggebenden Impuls für das, was wir Synthese nennen, gegeben [Verzeihung wenn dieser kurze Demokrit Part nicht vollständige Tiefe besitzt – ich scripte aus dem Gedächtnis.] Aber auch das und das Andere soll noch nicht Grund genug sein, das Justin Beaver Poster abzuhängen um Platz zu schaffen für das Konterfei des Demokrit. Nein nein, ein oder zwei nebensächliche Details seines Lebens (die wahrscheinlich in einer seriösen Philosphievorlesung keine Zeit haben) sind es, die ihn zu dem Superstar der Antike machten: „Demokrit und seine Talente“.

demokrit

Foto vor der Monatage von Pexels auf pixabay.com

Und talentiert war er – ohne Zweifel. Nur allein mit seiner Erbschaft von 100 Talenten machte er sich ein geiles Leben in den angesagten Großstädten der Antike – vornehmlich in Ägypten (manchmal auch im Morgenland). Man kann ihn gut und gerne als den Ur-Großvater des gepfegten Jet-Sets nennen. Ich persönlich meine, dass er seine Kohle für teuren bezahlten Sex, altmesopotamisches Bier und Papyrus ausgegeben hat. Aber das ist nur meine Meinung – denn wie sollte man auch in so kurzer Zeit 100 Talente durchbringen (das ist eine gewaltige Summe – darauf komme ich noch zurück). Aber er hat es geschafft – einhundert Talente – aber weil die Verfassung von Abdera für jene, die die Erbschaft des Vaters in den Wind schießen, keine Beerdigung im Familiengrab erlaubt hatte der gute Demokrit ein massives Problem. Pleite und ohne Grabplatz veranstaltete er ein Event – eine Lesung aus dem Diakosmos (der kleine Diakosmos wird dem Demokrit zugeschrieben) und diese Lesung muss es in sich gehabt haben, denn schließlich musste er die Abderiten derartig bewegt oder begeistert oder in Extase versetzt haben, das sie bereitwillig ihre Brieftaschen öffneten um dem Demokrit für seine Arbeit Tribut zu leisten. Und davon nicht wenig – 500 Talente. Für jene die noch nicht wussten was ein Talent wert ist oder einfach nicht schon oben im Text Google beauftragt haben den Gegenwert von einem Talent zu ermitteln – hier die Auflösung: Er bekam attische Talente, die nach einer Inflationsbereinigung mit ungefähr 1000 bis 1400 Taler pro Talent hochgerechnet werden kann. Wieder andere wollen es mit ungefähr 250.000 Euro pro Talent beziffern. Eine Milchmädchenrechnung kommt auf circa 10.8 Millionen Liter Wein, die sich der gute Demokrit mit seinen 500 Talenten kaufen konnte. Wenn ich nun Sloterdijk für seine Akkumulation von einem einstelligen Euromillionenbetrag zur Erforschung des Postkapitalismus bewundert habe, so muss ich jetzt sagen: Demokrit, ich liebe dich!

Die Negation des Anders-sein!

Noch in mitten einer Vorstellung die sich die Vernunft als Grenzen unserer Wirklichkeit darstellen will, ist ihre Begrenzung mehr durch das Wissen als Moment im imanenten Monus der zeitlichen Abgrenzung unserer Grenzen dieser Wirklichkeit. Will man jetzt schon frühzeitig die Determinate Freiheit als Möglichkeit der Grenzenlosigkeit ins Feld werfen, so müssen wir die Vernunft klar vom Wissen abgrenzen, das Erfahrene als durch die Wahrnehmung-bedingt betrachten und die Wahrnehmung als gelernten bzw. geübten Prozess der Wahrnehumung selbst ansehen ist eindeutig rückbezüglich und so im Faktum eine normative Entgleisung unseres Naturzustandes. Mimetisch wird die Wahrnehmung des natürlichen Gesamtzustandes als gegeben angenommen – das soll, um wirklich spekulativ zu arbeiten, kein Hindernis darstellen – denn schließlich transponieren wir die Natur in die Kunst und vermitteln über die Kunst auch wieder das Transponat zurück um so die Vernunft als Bestandteil in diesen Prozess einzubauen – bzw. einbaubar machen (falls man die Implementierung erst in einem späteren Moment umsetzen möchte). Entklärt (ich will diesen Begriff neu hinzufügen, da mich gegenwärtig noch immer die nomadische Dialektik aus Ruhe und Bewegung [oder wie Nietzsche anführte: es gibt nur eine Gesundheit aber viele Krankheiten] die auf die eine Ruhe im Vergleich zu den vielen Bewegungen rückführbar ist) und so dem Klaren (wovon wir wieder auszugehen haben, da es nur eine Klarheit gibt) dem Entklärten als Messlatte dienen soll. In ihr sollten wir das Erklärungsmoment finden, das die Bedingung unserer Grenzen durch Verstand und Wissen – die Vorweggreifung der Freiheit und in Folge natürlich auch den Prozess zwischen dem Naturzustand und seiner durch die Kunst erklärenden Aufgabe. Diese entklärte Begrifflichkeit kann und muss der Negation des Anders-sein dienlich werden, da wir im einen sowohl die Entstehung als auch deren nähere deskriptive Verwendung haben und im anderen das Bestehende durch den immanenten Prozess in seiner Verständnislosigkeit neu erkennen können. Wie kann dieser Verständnisprozess nun als Aporie terminieren? Wie soll das Nicht-Seiende der tatsächliche Attributator unserer Seins-Vorstellung werden? Nun da doch, so wie vieles, durch seine Attribute, Eigenschaften und seine Bewegung bestimmt wird – bleibt nur das sprachliche Moment um eine Beschreibung zu einem Seins-Element zu transformieren, wie gehabt, im und durch-das Moment was zu keiner standfesten Erklärung führt – wenn man die Erklärung überhaupt als neues Prinzip der Modern hochstilisieren will. Und wagen wir tatsächlich den Schritt – Semiotik, Semantik, Hermeneutik, Logozentrismus und gegenwärtige Literalität mit ihren unzähligen Symbolen dem Zweck der Erklärung näher zu bringen – so entsprechen wir damit definitiv dem Auftrag der Moderne – wir würden sogar unser Sein und seine Grenzen nicht mehr durch Wissen und Vernunft begrenzt kennen – sondern durch seine intrinsische und extrinsische Erklärung. [Verzeihung das ich jetzt an dieser Stelle mich dem exemplarischen zuwende – ich will nur ein paar Bilder aus meinen Kopf dadurch entfernen um den abstrakten Prozess der Analyse wieder aufnehmen zu können {es handelt sich dabei kategorisch um keine Deduktion zum Bestimmten} sondern um nachvollziehbare Geistesgegewärtigkeit]  Der|die Pharmazeut|in legt einen Beipackzettel zum Medikament bei. Der|die Pädagoge|in erstellt eine Lehrstoffverteilung über Stundenbilder – flankierend zum Unterricht. Der|die Betriebswirt|in schreibt ein Marketing-Konzept noch bevor er|sie das Produkt ins Regal stellt. Das erklärende Modell zur tatsächlichen Eingrenzung des Seins soll in seiner Abwesenheit zum freiheitsstiffenden Element werden – und ich will tatsächlich auf den Begriff Element beharren – weil seine rein geistliche Existenz derart in unser Denken einwirkt, dass es schon einen materialistischen Charakter besitzt. Sprachlich versuche ich nun von dem Element zum Produkt zu gelangen – will doch das eine seine Beständigkeit über die Zeit hinweg behalten und das andere als finales Werden durch seine Bestimmung verstanden werden. Die entklärte Verbindung zwischen Element und Produkt wird zum Negativum allem Anderen – und in Folge auch allem anderen Nicht-seienden was ein weiterer Eingriff in eine zusätzliche Ebene zur Folge hat. Den haben wir das Seiende noch immer als nicht klar realisiert, weil noch immer die Erklärung fehlt – so haben wir die Negation ‚Allem-nicht-Seienden‘ der Negation ‚Allem-Andern-nicht-seienden‘ keiner Gegenüberstellung zu unterwerfen. Wie sollten wir auch? Das dem Anderen nicht-Seiende führt in seiner These zu Erscheinung und in der Antithese, also der Negation ebenfalls nur zu einer Erscheinung. Es kann nun also dem eigenen Nicht-Seienden antithetisch und deskriptiv nur ein geistiges Kurzweil erscheinen, dessen Tiefe zu Lösung wenig beiträgt. Die Schwierigkeit ist noch immer in der Grundlagen-Forschung allem Philosophierens zu finden (und da will man schon über den nächsten Schritt nachdenken – Grotesk). Das gegenwärtige Elaborat erlaubt einzig den Schluss, das es das Nichts auch nicht gibt denn wir können nicht aus der Negation dessen was wir nicht sind unser Sein ableiten. Und wie es das Elaborat verlangt können wir definitiv aber unser Sein von der Negation des Anders-Seins ableiten indem wir das Andere von unserem Klar über die Erklärung abgrenzen. Die Entklärung wird damit das vorranige problematische Element, da die Klarheit in seinem Wesen einzig einen ideellen Zustand beschreibt, seine Unklarheit durch Eigenschaften begründbar sein kann und seine gänzliche Entklärung keinerlei Konsequenz erlaubt, als den von ihr selbst verlangten Weg zur Nichtigkeit, allem Klaren eine Absage zu erteilen um so der Erklärung durch den Primat der Kritik seine Falsifikation ein Postulat abringt. Die Methode also (so will sie etwas beitragen) entzieht z. B. einer Aussage alles Klare, so das alles Nicht-Klare übrig bleibt um damit diskursiv die Fehler auszumerzen (bewusst formuliert in der Aussage und nur dort). So kommt es entweder zur Erklärung oder zur Korrektur – keines von beiden will dem Seienden das geben, was dem Seiende jenes Faszinationsmoment verleiht, dass uns so an das Sein bindet. Ich bringe schon wieder jene Aussagen vor, die jene Aphorismensammler so lieben. „Wir sind an unser Sein gebunden“, Zitat Tom Maier, 2018 – mir wird übel dabei. Der Gedanke daran einen protokollarischen Zwischenschritt als Flaschenpost in die Zukunft zu schicken, ist nur ein Beweis dafür das ich versagt habe. „Ich denke, also bin ich“ – die spontane Erklärung dafür warum man kurz räsoniert [Philosophie gänzlich falsch verstand] – „Ich weiß, das ich nichts weiß“ – als Antwort des Unteroffiziers zum Rekruten auf die Frage, wann wir schlafen dürfen …

 

Postmodern

2018-08-02 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Geschichte der Philosophie sollte eigentlich hinlänglich bekannt sein. Es hat sich in den letzten 656 Olympiaden so einiges getan. Zahlreiche große Namen sind aufgetaucht die mit noch zahlreicheren Worten, Ideen und Gedanken den ihrigen Teil zu dem beigesteuert haben, was wir philosophischen Fortschritt nennen. Dieser Fortschritt ist natürlich ein Irrglaube – es gibt keine Progression in der Philosophie. Auch das Finden von neuen Begrifflichkeiten ist nur ein trauriger Versuch den Gedanken, die Idee, das Wort mit Silben in Töne zu gießen. Aber es muss sie doch geben, diese Geschichte der Philosophie (nur allein, aus pragmatischen Gründen) den gäbe es sie nicht, so müssten viele Universitäten ihre Lektoren und Professoren ins Vorwarnsystem des Arbeitsmarktservice eintragen. Nun gibt es drei große Herangehensweisen, um die Philosopheme in ein chronologisches Korsett zu zwängen. 1) Über die Namen jener Subjekte die den geisteswissenschaftlichen Status am vorzüglichsten vortragen konnten weil sie mit Charaktereigenschaften, ich gehe sogar soweit zu sagen, mit physiognomischen Besonderheiten ausgestattet waren – um das Protokoll des Weltengeistes mit der geringsten Fehlerquote bei der höchsten charismatischen Wirkung auf die Mitmenschen wiederzugeben. Das philosophische Moment wurde erst in der Kongruenz des Inhalts zum Medium Mensch möglich – manchmal ein Faszinationsmoment, manchmal erst der Grund es auf eine wissenschaftliche Ebene zu heben – obgleich Philosophie – wahre Philosophie im Wesen keine Wissenschaft ist – sie ist lediglich die Mutter jeder Wissenschaft und genau jene Mutterpflichten sind es, ihren Kindern (Disziplinen) das bestmögliche Vorwärtskommen zu ermöglichen. Aus ihr heraus entspringt auch das Postulat – alles Philosophische als Weiblich zu betrachten – alles philosophieren selbst, so in Folge als reines maskulines anzusehen. Ihm zugrunde liegt nicht die Frage, wie oft gemeint – sondern das kognitive Bedürfnis zu Verstehen. Die Frage ist nur ein Werkzeug um das Gebilde Verständnis aufzubauen. Wenn die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt wird, so hat die Frage selbst rein nichts Räsoniertes in sich – will sie nicht dem Verständnis dienen und damit dem Verstand. Zu wissen woher sie (die Philosophie) ihre Mode entnimmt dient ebenso wenig dem Fortschritt als es das psychologische Profil des Philosophen selbst tut. So sind sie, die Subjekte einmal Lehrer, einmal Wissenschaftler, einmal Narren, einmal dem Rausch verfallen, einmal gute Familienväter – Streber oder Revolutionäre. Das Psychogramm des Philosophen wirkt auf das Weltgeschehen, wie die Schriftart auf den Text – es erzeugt ein Bild, ein Sinnbild. Das praktische nun ist, dass jene ein Geburtsdatum und ein Todesdatum haben – sie wären also prädestiniert um von ihnen eine Geschichte der Philosophie abzuleiten. 2) Die Orte in welchen das ausgesprochen wird, worüber an anderen Orten geschwiegen wird. Topographisch gibt und gab es Hot-Spots welche durch ihre Prägung erst jene geistige Arbeit möglich machen, die das wiederspiegeln sollen was dem Gegenwärtigen seine volle Präsenz verleiht. Der Raum entreißt sich durch seine Nicht-Bewegung aus dem chronologischen und beeinflusst so das Gegenwärtige durch seine Vergangenheit und Zukunft, die dem Wesen des ruhenden Ortes inne wohnt. Der Raum selbst ist geistig steril. Des Ortes Besonderheiten sind einem Tatsächlichen unterworfen und vermitteln so das Entrissene im Lauf seines Werdens. Das Sein beinhaltet alles Vergangene als Mal und alles Zukünftige als Präposition/Vorzeichen des Möglichen und des Ideellen. Beispiel: Benötigt der Weltengeist Olivenhaine für seine Wirklichwerdung im Exemplarischen, so wird er die Insel Sylt oder England meiden. Ist sein Denken erst im Trabantenstadtbau des realen Sozialismus möglich, so ist der Vatikan auszuschließen – kategorisch natürlich. Die Kulisse ist nicht nachhaltig und selbst wenn jemand meint, er spüre die Präsenz eines Genies in Weimar oder Jena so ist es meist keine philosophische Eingebung sondern mehr ein Marketing-Gag der Gründerväter, der auf das Subjekt wirkt (siehe Herangehensweisen 1) . Das Absurde des Raumes ist erst der Indikator, um eine Geschichte abzuleiten – den schließlich zeichnet sich ein Ort durch seine Attribute aus, die einen Chronismus möglich machen – aber von sich im Zentrum losgelöst, ihre Unterschiedlichkeit zur Folge hat und damit jedes Philosophem allein gegen den Grad des Populären nach sich zieht. Es liegt daran, das jeder Ort durch seine Begrenzung zur Heterotopie wird um damit die Wirkung von Axiom und Gesetz als weltüberspannende Wahrheit negiert. Die Grenze wird zur Geschichte – ob sie nun politisch, durch ein Bündnis, durch die Natur oder einen sprachlichen Einfluss geschieht, sind nur vier Überlegungen die als Begrenzung herangezogen werden können – sie erlauben aber eine Geschichte der Philosophie zu deduzieren. 3) Ist die Ableitung von der Strömung eines Gedankens, einer Idee oder den Begriffen. Diese ist kategorial herrlich sortierbar. Die Strömungen beinhalten die Subjekte und die Orte in welchen sie wirkten, erweitert sie aber um jene Mitmenschen und Räume die an ihr mitwirkten. Sie werden zur Entität und subsumieren Gemeinsamkeiten um der Ganzheitlichkeit des Raum-Zeit-Kontinuums mit- und gleichzeitig entgegen zu wirken. Eine Strömung entsteht also aus Schnittpunkten und aber auch aus Parallelen. Erkennt die Geschichtsschreibung eine Gemeinsamkeit zwischen den Erkenntnissen, so ist die Strömung ebenda wie sie durch ein Voranschreiten auf unterschiedlichen Bahnen ebengleich eine Zuweisung erlaubt – sie passiert dann meist postkognitiv – wie eine Metaphysik der in die Strömung passenden Determinante oder sie ist Selbstnominel (z. B. normativ und in Folge deskriptiv – Wiener Kreis). In der Strömung selbst liegt ihr eigens Verwesen begraben – wie schon Zenon beschrieben hat, aber trotzdem ein Ordnungssystem erlaubt. Ich will es etwas verändern – im Bedeutungsgehalt sollte es aber dem zenonischen Gedanken entsprechen der für sein Beispiel einen Menschen wählte, der auf einen Schiff gegen die Fahrtrichtung geht. Wir wollen uns einen Fisch wie einen Gedanken vorstellen der in einem Fluss in Fließrichtung schwimmt. Dreht er seine Richtung und schwimmt gegen den Strom (wie es z. B.  Lachse tun) so verändert er nicht seine Position obgleich er definitiv in Bewegung ist. Der Fisch (Gedanke) ist nun also im Strom (der Zeit) – zugleich in Bewegung und ändert dennoch nicht seinen Ort was ihn zum Phänomen einer Strömung macht weil sein Kraftaufwand nichts anderes zur Wirkung hat, als Stillstand. Der Wahrheitsanspruch einer Strömung ist dementsprechend hoch, nur allein weil dieser Fisch (Gedanke) wie ein Fels im Flusse wirkt – dennoch aber durch seine eigene Lebenszeit begrenzt ist, die sowohl wie die Grenze eines Ortes (siehe Herangehensweise 2) als auch wie die Zuweisung zur Zeit verstanden werden kann und im Vergleich zu einem gewaltigen Stein im Fluss, der durch die Zeit/den Strom sich verformt, welches ein vorhandenes Wissen ist, sehr wohl eine Wahrheit durch seine Bezeichnung transportiert und aber eben nur als Geschichte in die Ewigkeit einfließen kann. Das ist die dritte Herangehensweise um eine Geschichte der Philosophie zu schreiben.

Und so können wir, wenn wir es uns einfach machen wollen – alle Episoden zwischen Thales und Sloterdijk (oder Maier – siehe http://maier.css4.at) nachspielen – wir können aber auch die Naturphilosophien bis zum Poststrukturalismus aufzeichnen oder auf einer Landkarte vom antiken Knossos bis zum groovy Reykjavik mit Farbstiften eine Logik ableiten wie bei Malen nach Zahlen man zu einem Bild kommt. Der schwierige Weg, und dieser wurde von Hegel schon paraphrasiert ist ein Weg der Einsicht. Es ist die Einsicht darin, das das Gegenwärtige schon das Vergangene in sich trägt und so auch das Absolute als Einheit versteht, welches im Hier und Jetzt wirkt und ohne ein a Priorie oder a Posteriori ein bestimmendes Seins-Element ist – welches empirisch nur innerhalb unserer eigenen Lebenszeit verifizierbar sein sollte, weil dieses Element mit seinen Attributen die es zum Bestimmenden macht einer Falsifikation stand hält und einer Verifikation nicht bedarf. Das Hier-und-Jetzt ist also die kumulierte Erkenntnis und entspricht sie nicht einer Mode so entspricht sie dem Anspruch einer Kritik an ihr Selbst. Möchte man jedoch tatsächlich von einer Geschichte der Philosophie sprechen, dann bleibt uns nur eine etwas schwammige Einteilung in drei Wirkungen. Der ersten Wirkung: die der Idee oder des Gedankens, die in der Antike seine Heimat hat – oder am ehesten mit ihr erklärbar ist. Das dunkle Mittelalter, oder das schweigsame Zeitalter, ist jene Zeit des Räsonierens über die Idee oder des Gedankens. Wir haben hier eine gewaltige Zeit ohne vieler Subjekte (wie z. B. Th v. Aquin) weniger bedeutende Orte und schon nahezu keine Strömungen. In all seinen Vorstellungen soll uns diese Zeit, wenngleich sie wenig Glamour wie die Antike oder die Moderne hat, als ein paradiesisches Zeitalter des Denkens erscheinen. Sie ist die zweite Stufe von Bedeutung, sie war die Verarbeitung in Reinform – ungetrübt und sie mündet in der Moderne – das Zeitalter der Begriffe und der Begrifflichkeiten. Die Moderne ist die Zeit, wo endlich nach den vielen Jahren des Räsonierens das Wort folgt – der Satz – die vollständige Erklärung. Da den Menschen in seinem Wesen, ein gewaltiger Wortschwall nicht unbedingt sein Wesen Definition gibt – er über Jahrhunderte hinweg das Denken als Praxis hatte oder vorher die reine Erfassung der Idee das Ausgangsmoment innewohnend hatte – so war die Verwortlichung – das Zeitalter des Logos – eher eine Bürde – wie die Erfassung der Abstraktion und das Begreifen zuvor. Und so entsprang auch, nach einem fleißigen über Ursache und Wirkung reden und schreiben – ein Bedürfnis über die Moderne hinauszudenken – es entstand eine Lotterie in welcher die Theoreme und Hypothesen über das, was nach dem Wort – nach der Moderne kommen mag den Einsatz darstellte und damit verbunden die Hoffnungen jener Forscher – die das Ende eines Hier und Jetzt herbeisehnten. Fiktive Vorstellungen – Dystopien und Utopien – Postulate von der Auflösung aller Symbole und in Folge einen neueren Aufbau des Turms zu Babel. Eine Beendigung darüber zu Schreiben oder Reden über das, worüber im Zeitalter des Räsonierens schon Klarheit gefunden wurde – oder man glaubt, das diese Klarheit immanent sei. Das unsägliche soll zum Ungesagten werden – die Idee zu einfach um weiter an ihr zu verweilen aber dennoch zu Abstrakt, als wenn sie weiter kommuniziert werden soll. Inmitten der vielen Vorstellungen – der determinierten Begriffe – scheint eine Postmoderne nur durch das Finale der Determinierung seinen Bestand finden wo in  ihm keine höhere Sprachlichkeit oder ein höheres Kommunique als begriffen aufgefasst werden kann. Die Postmoderne ist jenes Portal, das uns durch die Sprachlichkeit zu einem Nicht-Sein führt – welches zur Bedingung allem Seins erhoben wurde. Dieses Portal stand schon immer offen – durchschreiten wir es, so werden wir erkennen das das Nichts und das Sein das selbe ist – verbleiben wir, so reden und schreiben wir weiter – wir werden weiter lesen und weiter zuhören – welches der Grund ist, über das Nichts jenseits der Moderne zu sinnieren sein soll – ist nicht der Abschluss der Moderne!

 

Logozentrismus

2018-07-26 § Hinterlasse einen Kommentar

Nun haben wir hier in Österreich seit gut sieben Monaten eine Türkis-Blaue Regierungsmannschaft, welche emsig und fleißig eine grundsätzliche Neukonzeptionierung und in Folge Neuformatierung des Gedanken Österreichs in Arbeit hat. Für auswärtige Personen möchte ich kurz die Krux jener unheiligen Verbindung näher bringen. Zum Ersten wäre da ein türkises Team welches wie der Wolf im Schafspelz zwischen aufrichtigen Christen des konservativen Lagers herausagiert und definitiv etwas nicht braucht: Einen Schäfer. Zum anderen ist da ein blaues Konglomerat mit eigentliche allem. Oder um es in einen Satz zu gießen: Eine soziale Heimatpartei (mit zwielichtigen Ambitionen) welche den gelebten Europagedanken in sich trägt jedoch wenn nötig gegen den Eurostrom schwimmt – von der linken Presse als Nazis verschrien, im Wesen aber progressiv, opportunistisch, jederzeit revolutionär provokant sind und durch ihr eigenes Spiegelbild legitimiert wurden. Die blaue Farbe kommt nicht von den strahlend eiskalten Augen ihres Häuptling – nein, es ist ein wager Anspruch eine liberale Partei zu sein. Ihr Chef-Ideologe ist ein gelernter Philosoph – man möchte annehmen es sei also eine politisch gut aufgestellte Truppe – wäre da nicht das Schicksal der FPÖsterreich – sozusagen ihr Wesen auf ewig in diesem Land nichts mehr als ein Steigbügelhalter für Veränderung zu sein. Einmal (vor sehr langer Zeit) für die Roten, später für die Schwarzen und hier und jetzt für Türkis. Aktiver Liberalismus verlangt eigentlich ideologisch kein Lernen aus der Vergangenheit und so treten sie uns gegenüber – hohl, wortgewandt im Augenblick und so als könnten sie das Gesagte im Moment der Aussprache wieder vergessen – aber: frei und gebunden an schriftliche Vereinbarungen, die jedesmal, wenn sie es lesen wieder für sie zum Moment wird – und so tragen sie die Vergangenheit jedesmal aufs neue vor, mit dem Lohn eines leichten Narzismus der ihre von Gott und dem|der Wähler|in gegebenen Möglichkeiten, tatsächlich etwas zu bewegen, vergessen lässt. Ihre politische Arbeit ist ein Auftragsarrangement – jede bisherige Aktion als Regierung ein politischer Selbstmord. Die intellektuelle Opposition schweigt und lacht leise in sich hinein – wie dieses 4jährige Intermezzo in der politischen Evolution gesamtheitlich nicht mehr als ein Regulativ ist – genauer, eine Feinjustierung. Das junge türkise Team zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht so an christliche Werte gebunden sind wie manch ein alter Hase in der ÖVP Familie. Ich will damit keinen seine oder ihren Glauben in Zweifel ziehen – vielmehr stammt diese Kritik von einem nahmhaften steierischen Journalisten der Kenntnis der politischen Landschaft haben sollte (schon von Berufs wegen) aber dennoch von einem feurigen Katholiken – ich würde sagen, einen der jeden Sonntag in der ersten Reihe vor dem Altar sitzt, dem Regierungsteam Rückendeckung gibt und sie damit ethisch und moralisch legitimiert – viel schlimmer noch, ihr handeln ausdrücklich erlaubt. Shame on you, dear Landeshauptmann – aber ich sollte nicht das Schaf strafen, das den Erfolg des Wolfes respektiert sondern den Focus meiner Kritik auf den schlafenden Schäfer lenken – nur allein … das halte ich im Kopf nicht aus. Und eigentlich kann von einem Wolf nicht wirklich die Rede sein, es ist mehr ein Hund, ein Cocker Spaniel der da von Wien runterbellt und durch sein unüberlegtes Kläffen ein wichtiges sozialdemokratisches Prinzip aushebelt und jenes erledigt, was einem Sozialisten rein ideologisch unmöglich ist, nämlich: „Einem Menschen durch politische Maßnahmen eine Verschlechterung seines Lebens herbeizuführen.“ Und natürlich haben diese kruden Maßnahmen positive Auswirkungen auf das Budget – welches von der österreichischen Bevölkerung gern gesehen wird, schließlich ist eine Kostenersparnis noch immer das Non-Plus-Ultra einer pragmatischen Sinnhaftigkeit. Die Einsparungen müssten dann, aufgrund der Einfallsarmut rechter Parteien als Steuerreform an den Österreicher bzw. die Österreicherin weiter gegeben werden – und da rechts der SPÖ keiner wirklich mit Excel umgehen kann, wird diese Reform sicher wieder nicht finanzierbar sein und so werden wieder Sozialdemokraten auf den Plan gerufen, ein Sparpaket zu schnüren. That’s the circle of political life in Austria.

Eigentlich wollte ich das große Gesamtkonzept nicht kommentieren – meine an mich selbst gestellte Aufgabe für heute war es, eine Leistung (die Kurz und Strache noch ihren Enkelkindern erzählen können) auf die kognitive Waagschale zu legen. Die Harmonisierung der Ministerien Logos – tolle Leistung, oder…?

Neues Bundesministerlogo

Zur Einführung: Für den Obulus von € 70.000,- hat ein Designer die schwere Aufgabe einer Einheitlichkeit für das Ministeriumswesen in Österreich ausgearbeitet. Dabei liegt der Fokus auf einer Österreichfahne, die (laut einem Standard Journalisten) von links angeknabbert, für mich aber eindeutig abgebrochen wurde – über eine klar vordefinierte Sollbruchstelle. Das tatsächliche Rekonvolvent ist jedoch in der Kategorisierung des Themenkomplex als durch seine metamäßigen Höherstellung deduzierbar. Das sich Verschiedene wird somit zur Ergänzung degradiert um so der Dialektik von Einheit und Vielheit eine Bestimmungsebene zu verleihen um so der folgenden spekulativen Entweisung einem kontinuierlichen Aspekt der Neugestaltung möglich zu machen. Es wird das retrograde Element zum diskursiven angelegt, mit dem Anspruch einer Entwertung – welche dem Vordergründigen eine Abweisung der wahrnehmungsrelevante Kanälen einräumt um so der informellen Gesetzgebung des faktischen das Absolute als Kontiniuum im organisatorischen Auftrag gerecht zu werden. Die sich selbst verwendbare Rekursion auf den Gegenpol seiner Forderung auf Flucht und Einheit, ist das bedeutende Element innerhalb welcher die spekulative Ästhetik einen Ausdruck und somit auch seine Bestimmung finden kann. Schwierig ist natürlich die konsequente Einhaltung gängiger Logiken (ich will sie noch nicht in den Stand eines Prinzips erheben, deshalb belasse ich es als Logik) welche in Folge triviale Behandlung mit diskursiven Charakter als Meinungsaustausch welcher Konsequenz nach-sich-zieht. Da wären Fragen der Schriftart: „Ist es Gothik, Europa – ich habe für mein lustiges Satire-Derivat oben die Schriftart Calibri Light gewählt“. Die Schriftfamilie für die Auswahl hat ein nachhaltiges Verwandschaftsverhältnis, welches Inzest im bürokratischen bzw. bürographischen Prozess möglich macht um so einer weitläufigen Verbreitung nicht nur dienlich zu sein, sondern seiner Entweisung im diskursiven als Weisung mit einem normativen Leergehalt durch einer Zuweisung seinen Ausgang zu finden. Man merkt, dass die Logik der Ästhetik weiterhin auf seine mimeische Wirkung beschränkt ist um somit dem semiotischen Verlangen nach Verständnis entsprechend Würdigung zu verleihen. Und da spreche ich definitiv von einer kritischen Würdigung die die gesamten zu transportierenden Inhalte und Ideen als dialektische Einheit einer Missverständlichkeit gegenüberstellt. Die oft geübte Kritik einer klaren Abgrenzung durch ideosynkratische Merkmale welche auf den ersten Blick entstehen, und damit ein Eidos-Moment auszulösen, ist definitiv ein kritikfähiges Argument, jedoch leider keines der Philosophie verwandten weil es sich zur Pädagogik berufen fühlen sollte. Zwischen der Dekodierung und der im Affekt passierenden Assoziation durch die Semiotika ist jene Unterscheidung zu finden, die wir gegenwärtig gerne als Bildungsgrad bezeichnen. Eine Provokation, oder gar eine böswillige Irreführung über das Symbol zu unterstellen ist ebenso keine Aufgabe der Philosophie – nur allein sie wäre Rückbezüglich und bringt keine brauchbare Erweiterungen der bestehenden Erkenntnisse wie z. B. Wirkung-Eigenschaft-Schlussfolge oder einer leicht modifizierten pythagorischen 1 (Monas) durch welche die Einheit seine Vollendung in der 3 findet um so gegensätzlich das Vorstellbare in den Fluss des Seins zu setzen, welches endlich die Differenz zwischen Vollendung und Vollständigkeit aufzeigt. Das ich gezwungen bin, unsere neuen Logos unter die Ideen einer Lehrmeinung, die gerade einmal ein paar Olympiaden nach Thales erstellt wurde aufzulegen, zeigt mein hermeneutisches Bestreben nach Gründlichkeit und Auflösung der Symbole. Blicken wir nochmals auf (das|die) Logos (altgriechisch|postmodern) und unterwerfen sie der Bestimmung zur Einheit (1) über die Vielheit (2) zur Vollständigkeit (3) dann wird uns der klare Weg zur Körperlichkeit (4) oder Vollendung definitiv verwehrt was wohl sein Ende mit der Legislaturperiode, oder früher bedeutet und im besten Fall der Mode unterworfen ist.

Die Zeichen der Zeit

2018-07-19 § Hinterlasse einen Kommentar

Schon lange ist es mir ein Anliegen eine vorsichtige aber entschlossene Kritik an jenes Normungsinstitut zu richten, welches uns (die Deutschen, die Schweizer und die Österreicher und die innen) nach besten wissen und nach dem Grundsatz der deutschen Gründlichkeit nicht nur durch den Arbeitsalltag, nein, ich würde sogar behaupten durch alle Facetten unseres Lebens begleitet, geführt, vorgelebt und für uns durchgerechnet – kurz genormt hat. Die Deutsche Industrie Norm – sieht sie noch die Zeichen der Zeit oder erblindet sie in ihrem Elfenbeinturm – geblendet vom weißen Marmor oder fetischisiert sie Tag-ein Tag-aus des vielen Goldes wegen mit welchem sie behängt wurde? Die DIN 2137 – eine der vielen Normen die das schreibende Volk begleitet und in Folge, eine Kritik daran …

… welche von mir sicherlich nicht durch das fundamentale Wissen über genau diese DIN2137 oder  irgend ein Wissen über technische Normungstheorien brilliert. Eigentlich wird der geschulte Leser sofort erkennen, dass meine Ausführungen nur an der Oberfläche glänzen (wenn man von Orthographie oder Grammatik mal absieht) – und von Tiefgründigkeit gar nicht die Rede sein kann und wird. Jedoch der treue Leser und die treue Leserin hoffen (berechtigt) das nach all der Selbstironie vielleicht noch etwas kommt – ich will beide nicht enttäuschen.
Das unten dargestellte Tastaturlayout ist in der Version T3 vorliegend und stammt so ungefähr aus dem Jahr 2011. (Man sieht wie beschäftigt ich bin, dass ich erst 7 Jahre nach der Erscheinung meine Kritik schreiben konnte). Blickt man ins Zentrum sieht man in fettem rot den großen und scharfen ß-Buchstaben. Endlich kann Roßmann in Caps Lock seinen Namen schreiben: ROHMANN, nein nein nein – ein Moment: ROßMANN. Ich kriegs nicht hin. Solange namhafte Tastaturhersteller/innen nicht das große scharfe ß auf die Tasten malen und das dazupassende Keyboardmapping liefern, bleibt der große Roßmann für mich noch immer der ROSSMANN; bzw. oder vielleicht doch ROSZMANN?

1280px-German-Keyboard-Layout-T3-Version1-large

Quelle von und Dank an: Karl432 und de.wikimedia.org

Da wären wir auch schon beim Thema. Eine Norm ist in unserem demokratischen und freien Gemeinschaftsverständnis im Wesen nur eine Empfehlung – nicht mehr. Den demokratische Begriff will ich nicht weiter determinieren da er kein naturalistischer ist. Vom Freiheitsbegriff erwarte ich mir die Annahme „der gänzlichen Unfreiheit des Menschens“ – begründet durch die soziologischen Beziehungen des Menschen – gezwungen durch das Gemeinschaftsverständnis – mit seinen informellen Normen usw. Mit anderen Worten, können wir nicht davon ausgehen, das es Freiheit per se nicht gibt – es wäre zu vermessen. Die Freiheit des Menschen ist aber im Gros auszuschließen, solange er/sie erst durch die Blicke des Anderen existiert und so auf die soziologische Gruppe „Gemeinschaft“ angewiesen ist. Ob nun ein Zaratustra über den Zeitraum von 7 Jahren mit einem kongenialen Tastaturlayout aus seiner Höhle zurück zu den Menschen findet – kann ich so nicht beurteilen – zumindest nicht empirisch. Hermeneutisch jedoch mit Bezug auf Hegel könnte es möglich sein – da dieser doch als Grundbedingung für Philosophie die Freiheit des Philosophen postuliert. Das erst einige Olympiaden später ein Friedrich Nitzsche es geschafft hat einen freien Menschen zu erfinden – sollte den toten Hegel hoffentlich versönlich stimmen und er möge endlich in frieden Ruhen – das ein Mensch so viel Genie gepaart mit soviel Irrtümer verbindet, macht Hegel wohl zu dem, was er war und immer sein wird – ein Philosoph seiner Zeit der die Zeichen sah. Aber ich schweife ab – eine Hegelretrospektive folgt noch auf diesem Blog. Zurück zum unfreien Menschen in der Kommune – zurück zur Normungstheorie die grundsätzlich nicht für den individuellen Menschen arbeitet sondern erst als Instrument des kommunalen Zusammenlebens seine Bestimmung findet. Unter der Prämisse der Unfreiheit wird eine Philosophie (ob nun Wahr oder Falsch) spekulativ und soll so dem Irrglauben einer Willkür des Individuums durch seine Empfehlung entgegenwirken. Hier finden wir auch die philologische Aporie hinter dem Unterschied zwischen Empfehlung und Gesetz – weil ja doch alles juristische die Sprache des Herrschers (das allein beweißt die Unfreiheit) ist und einzig eine Empfehlung ein Regulativ für den freien Menschen sein kann welches man mit einer geschlossenen Antwort (was dann wiederum ein Beweis der Unfreiheit ist) in Zustimmung oder Ablehnung finalisiert – ohne Kompromiss. So ist es auch mit den Tastaturhersteller/innen die sich für ein Positiv oder ein Negativ zur Norm zu entscheiden haben – und einen einzigen Ausweg aus diesem Entweder-Oder (das ich mir von Kierkegaard determiniert gewünscht hätte) eine Weg über die Tradition finden um so dem vermeintlichen Fortschritt durch den konsensuellen Gedanken einer Norm bzw. Empfehlung zu entgehen versuchen. Das Novum muss nicht automatisch Fortschritt bedeuten – jenes konnten wir veranschaulicht von den konservativen Kräften unseres Zusammenlebens lernen genauso wie der Konsens nicht immer Wahrheit bedeutet – was ein herber Schlag gegen jedwede Religiosität nach sich zog. Hier schreibe ich mich selbst in eine hervorragende Nische des modernen Denkens (obgleich doch moderne Philosophie nicht räsoniert sondern den Gedanken der zweiten Epoche in Begriffe gießt oder gießen sollte um der Bestimmung der dritten Epoche zu entsprechen). Die Nische ist: im Glauben ist der Mensch frei – jedoch ist er es auch in andren Nischen wie z. B. der Phantasie, dem Traum, der psychotischen Störung). Da aber nun ein Normungsinstitut keinen religösen Status besitzt ist dieser gedankliche Exkurs spekulativ produktiv (wegen seiner Falsifikation) – inhaltlich ein Kurzweil – aber der Sache dienlich gänzlich unproduktiv. Da ich nun vom Allgemeinen zum Besonderen übergehe – ist nur ein operativer Versuch zu einem brauchbaren induktiven Ergebnis zu gelangen. Ich will es über eine Fragekaskade versuchen?

Unterliegt die DIN2137 rein pragmatische Überlegungen?
Ist die DIN2137 an die Bedürfnisse eines Programmierers oder eines Typisten angelehnt?
Ist der aktuelle Stand der Programmierung von der Tastatur geprägt?
(Schließlich ist eine höhere Programmiersprache nichts weiter als eine les- und schreibbare Interpretation von Assembly-Code, welcher wiederum nur ein äußerst abstrakter Ableger vom Assembler selbst ist, welcher wiederum seine Befehle und Werte eigentlich nur als HEX Zahlen zur weiteren Verarbeitung an den Prozessor in Binären Code liefert wo mehr als 1.6 Milliarden Transistoren den Tastendruck auf den Screen projezieren – und wichtiger noch – den Gedanken auf eine Festplatte speichert).
Brauchen wir also ein C#German um die DIN2137 zu legitimieren?

Historische betrachtet war das erste brauchbare Tastaturlayout eine Kombination aus der Häufigkeit der Buchstaben in einem Text und der Leistungsfähigkeit des korrespondieren Fingers – so entstand das 10-Finger-Tastschreiben. Die Anordnung blieb über Generationen gleich – doch war sie schon damals Apriori zum Tode verurteilt. A Posteriori sollte es sich beweißen. Sie konnte niemals den Siegeszug einer Klaviatur erreichen – die keine geographischen oder kulturellen Grenzen kennt. Die Mondscheinsonate gespielt auf einem Konzertflügel klingt in China gleich (bzw. ähnlich, je nach Interpretation) wie in London oder Salzburg. Der Grund liegt in der Literalität und der Universalität der Musik – wo der Ton abhängig von der Position und der Stimmung ist, doch die Tasten keine Symbole brauchen. Konträr dazu hat der Zauberlehrling definitiv nicht das selbe ästhetische Schriftbild in Hindi oder Urdu wie im Vergleich zum deutschen Original. Ob der Veden auf Russisch (in kyrillischer Schrift) das selbe transportier, sei dahingestellt. Und die bedeutendste Frage – hat der Bubblesort Algorithmus die gleiche Schönheit im Persischen wie im Englischen? Sprache als globale Wahrheit hat trotz aller Bemühungen versagt weil sie eine geographische und temporäre Erscheinung ist – deshalb: Alexa spiele von Chopin Fantaisie in F minor!

Rossmann

2018-06-21 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir haben einen psychologischen Sitzkreis. Genauer genommen, mehr eine Sitzellipse. Das liegt aber wohl am Raum und weniger an der tiefenpsychologischen Bedeutung dieses Settings. Die Stühle reiben mit ihren Rückenlehnen an der Wand dieses rechteckigen und nicht quadratischen Raumes. Wieso sollten sie auch nicht? Dem Architekt kann man es nicht ankreiden, dass er oder sie sich dem Goldenen Schnitt verpflichtet fühlt und dieser (rein proportional) sich eher in einem Rechteck als in einem Quadrat realisieren lässt. Paul fragt sich selbst, wer wohl glücklicher sein mag – einer der seine Fenstern an der Breite oder an der Länge des Raumes hat. Dieser Raum hat nur ein Fenster natürlich am kürzern Ende des Therapieraumes. Er schaut noch einmal in die Runde und bemerkt das die meisten Sessel noch leer stehen. Klara ist da – und Bernadette. Natürlich Bernadette – niemals würde sie zu spät zu  einer Therapiesitzung kommen, geschweige denn eine versäumen. Sie kramt in ihrer kleinen Umhängetasche – diesmal hat sie wieder ein paar Notizen mitgebracht. Naja, so sind sie – die Mind Catcher. Diesen einen Gedanken muss man halt niederschreiben – womöglich hat er ja ein Ablaufdatum und ist bei der Sitzung selbst wieder obsolet (depressed and deprived). Klara durchschaut es – blitzschnell – eigentlich im Augenblick selbst. Den ganzen Strang, vom niedergeschriebenen Gedanken, vom Ablaufdatum und dem Kommentar „depressed und deprived“. Aber halt nur einen Moment, lieber blickt sie auf den Linoleum-Boden in Echtholz-Optik als noch länger auf Bernadettes beschäftigt wirkendes Gesicht zu schauen die noch nervös mit einer Hand in der Handtasche wühlt. Ihr suchen wirkt mehr wie ein tasten, dachte Paul woraufhin er beschloss lieber seinen eigenen psychologischen Fall nochmals im Geiste durchzugehen. Über allen Dreien schwebte die Frage: „Warum können drei sich in einer Gesprächsrunde nicht unterhalten – auch ohne Therapeutin?“ Einfach reden – aber das Schweigen dominierte die Stimmung. Bernadette hatte schon eine Theroie: „Weil vielleicht …“ – Paul schreckte sich unmerklich … und die Türe öffnete sich für die letzte Patientien. “ … Christina fehlt“. Das sonnige Gemüt einer guten Sesselrunde – ein anderer hätte sich vielleicht umgesehen – Christinie aber ging zu ihrem Stammplatz. Zwischen Bernadette und Klara, lieber näher bei Klara als bei Bernadette – was im Grunde gut war, weil es schon Usus war. Bernadette schenkte Christinie natürlich das obligate breite Begrüßungsgrinsen, sodass ihre Zahnfehlstellungen auch wirklich allen Anwesenden nochmals ins Bewusstsein gerufen wurde. Klara musterte noch stärkter den Fussboden und legte ein extrem-genervtes MakeUp auf ihre Mimik und Paul durchblickte alles – die gesamte Szene. Seine weit geöffneten Augen (noch vom Schock, dem Schrecken der plötzlich öffnenden Tür) lassen ihn sich um Jahre jünger fühlen. Naja – er konnte doch auf dieses Event eigentlich nur mit Flucht oder Kampf antworten – aber Paul als geschulter Psychopatient entscheidet sich lieber für den totalen Durchblick und nutzt die kleine-gratis Insulin-Dosis als Jungbrunnen für den Moment und atmet tief ein und wieder aus. Wer fehlt noch? Peter, Karl und die Therapeutin natürlich – die sich in dieser Satzellipse prominent in den Vertex setzten wird. Damit der Sitzkreis nicht allzu ärmlich aussieht, kommen noch vier weitere Menschen – Komparsen ohne Sprechrolle – ohne Bedeutung. Und wie sie ihre Plätze einnehmen – die Statisten und Statistinnen – werden auch Bernadette und Klara und auch Christinie vom Nimbus ihrer Bedeutungslosigkeit neu motiviert. Sie verzichten gänzlich auf ihre Rollen als Nebendarsteller – als Nebendarsteller in einer Welt wo Karl eigentlich Hauptrolle spielen soll und wird und werden in Folge den gleichen Wert haben wie die Topfplanze im rechten Eck dieses rechteckigen Raumes einnehmen . Paul bleibt – er muss. Ja und – die wirklichen Stars dieser psychologischen Gesprächsrunde treten auch ein. Peter, der im Gespräch mit der Therapeutin etwas Zeit der Sitzung auf den Flur verlegt hatte. Und Karl – als Freund von Paul – neben ihm. An dieser Stelle soll noch erwähnt werden, dass dieses Setting in Amerika – in Washington DC sich abspielt. Und da Psychotherapie in den USA sehr teuer ist, sollte noch erwähnt werden wie die Akteure sich diesen notwendigen Dienst leisten können. Peter und Paul sind Veteranen eines der vielen Kriege der Vereinigten Staaten jenseits der eigenen Heimat. Auslandseinsatz also, für Paul als Offizier und für Peter als einfacher Soldat. Das Veteranen-Ministerium der USA hat für solche ein großzügiges Post-Bellum-Programm. Sie sollen sich die Leiden von der Seele reden – Uncle Sam zahlt dafür. Karl, Karl Rossmann war in keinem Krieg. Zumindest nicht als einfacher Soldat und schon gar nicht als Offizier. Karl war, während dem Vietnam-Krieg, als Limousinen-Fahrer in Hollywood (LA) tätig. Er kutschierte die Stars – immer dann, wenn ein Event einen Auftritt mit einer Limousine von den Stars verlangte. Ihm waren die Stars eher fremd – das Pflichtbewusstsein war seine Raison. Er quatschte die Stars niemals voll – er brachte sie von A nach B. Die Bekanntheit seiner Fahrgäste war ihm weit weniger wichtig als der richtige Gang passend zur Geschwindigkeit. Er erledigte seinen Job und fühlte sich immer dabei wie ein gut geöltes Rädchen. Ein Rad in einem Uhrwerk. Ein Uhrwerk das den Lauf der Welt anzeigt. Nicht höher und nicht minder. Natürlich hätte er als Unteroffizier jederzeit einen Platz in diesem Krieg im Vietnam bekommen. Doch was hätte er dort tun sollen? Befehle zwischen Paul und Peter noch einmal aussprechen. Sinnlos, denn die zwei verstanden sich gut genug. Dem einen oder dem anderen zu zeigen, dass man funktioniert? Wohl kaum! Zu Paradox wäre es, eine weitere Ebene ins Befehlssystem einzuführen, die einzig und allein die Pflicht als Maxime sieht. Schon gar nicht, für einen Krieg der nichts mit der Verteidigung des eigenen Landes zu tun hat. Welche Pflicht gibt es auf fremder Erde? Jederzeit könnte Karl zurück nach New Jork gehen um dort beim wohlhabenden Onkle seine Zeit zu fristen. Aber er wusste, dass es kein Zurück für sein Leben gibt. Er wusste, dass sein Leben im kontinuierlichen Fluss ist. Er wusste von seiner Bestimmung – die doch immer nur ein Kompromiss – eine Zwischenlösung zwischen dem Leben von Peter und Paul war. Auch wenn er von Peter und Paul niemals etwas wusste. Oft fuhr er an den Boulevards der Großstadt vorbei, wo an unprominenter Stelle ein Graffiti zu finden war: „Euer Frieden ist unser Krieg“. Hippies, die eigentlich in der beschäftigten Welt des Karl Rossmann eine Nebenerscheinung sind, wollen ihn hoch halten – hoch als eine Ikone eines Menschen, der in Kriegszeiten seine Berufung gefunden hat, und so dem Selbstbewusstsein über die Arbeit ein neues Emblem verleiht.

Karl fängt an zu reden: „Ich kam nach Amerika, glaubte meinen Koffer verloren zu haben und fand doch einen Onkel in New York, der mich aufnahm…“ und während er  weiter von den einzelnen Etappen seines Lebens erzählte, kurz immer inne hielt um einen harschen Blick in die Runde zu werfen – doch aber wieder beim zuhörenden Gesicht der Therapeutin landete und weiter seinen Monolog frönte, kam ihm ein fremder Gedanke – der so nichts mit seinem Text zu tun hatte.  Fremd, weil gänzlich neu aber dennoch so nahelegend an seinem Leben – und warum sollte auch ein Gedanke nichts mit dem zu tun haben – um jenes was es zu tun haben sollte. Der Gedanke war, das eigentlich noch niemand je nach seinem Amerika gefragt hat. Und dennoch teilten sich seine Gedanken in zwei Spuren – auf der einen dachte er darüber nach, warum er nach all den Jahren noch immer nicht von seinem Amerika reden kann – auf der anderen sinnierte er über die Metaebene von fremden Gedanken nach. „Verbinde es! Bringe dieses Amerika in eine Schiene auf welcher auch dein Gedanke weiter leben kann. Beschreibe es – das Amerika als Imagination – als ein fremder Gedanke.“ las Karl in den fragenden Gesichtern der Anwesenden – wo ihr Wunsch sich zu Ergötzen wie ein Imperativ auf ihn wirkte. Es war immer selbstverständlich für ihn. Niemals konnte er sich anmaßen dieses Amerika, das er seit nun so vielen Jahren kennengelernt hat – in irgendeiner Weise sein Amerika zu nennen. Er sah sich immer noch als Deutscher – sein Wesen ändert sich in manchen Bereichen einfach nicht – und selbst wenn er manchmal bei Gesprächen mitlauschte (er tat es oft – das Zuhören war in der Gruppe seine Rolle) wie sich zwei seiner Mitmenschen darüber stritten, wer wohl der bessere oder einfach nur der echte Amerikaner sei und sie damit argumentierten in welcher Generation und wie viele Jahre schon keiner je diesen Fleck Erde verlassen hat, sieht Karl für sein Leben keinen Unterschied. Ob man hier geboren oder ob man hier gelernt hat, das zu sein, was einen guten Amerikaner ausmacht, kommt in Folge wohl wieder zum gleichen Schluss. Für Karl schon – denn er meinte noch immer viel in Deutschland gelernt zu haben und selbst wenn das Lebensnotwendige, das Tatsächliche hier von ihm studiert wurde, bedeutet es für ihn noch immer, mehr zum einen zu gehören als zum anderen. Wer fühlt sich nicht fremd? Wer braucht schon das Angesehen werden vom Anderen – vom Nächsten? Karl hätte sich jederzeit zu den Docks am Hafen begeben können um dort auf die neu Anreisenden verächtlich hinunter zu blicken. Seine 30 Jahre hier in diesem Land wären wohl Legitimation dafür genug – doch weil er wusste, das genau jene Immigranten auf diese verächtlichen Blicke vorbereitet sind – und wahrscheinlich nur mit Demut, einer schlecht gespielten Demut reagierten – wäre es für Karl einfach nur Zeitverschwendung sein Ego an der Erniedrigung des Egos seines Nächsten zu laben. Die Arbeit war es – immer. In der Selbstvergessenheit der Arbeit – im Funktionieren und in den Blicken seiner Vorgesetzten labte er Ego – pure Sklavenmoral bestimmte sein Leben – und dennoch, wenn er auch niemals in den Geschichtsbüchern als ein Held, als einer der etwas bewegt hat, aufscheinen wird – scheint ihm die vergeudete Zeit noch immer eine vergoldete zu sein. Natürlich erkannte er in den Blicken vieler weiblicher Zeitgenossinnen das Wohlwollen – er meinte sein Sinn für Gerechtigkeit sei der Grund – er meinte immer noch, das wenn er sich für das Gerechte einsetzt er weiterhin die Blicke ernten wird die ihm (auch wenn es ihm nicht bewusst ist) so über lebenswichtig sind. Und so schien ihm die Arbeit noch immer jener Teil des Lebens zu sein – der Tugendhaftigkeit verleiht. Nämlich die Tugendhaftigkeit a posteriori, die Tugend Gerecht zu sein war ihm a priori sowieso in die Wiege gelegt worden.  „… und so eilte ich zum Zug der uns nach Oklahoma bringen sollte und …“ erzählte Karl als er abrupt von der freundlich lächelnden Therapeutin unterbrochen wurde – weil sie ihre eigene Rolle als bezahlte Fachkraft für Gruppengesprächsleitung ins Bewusstsein rufte und eben auch so zu reagieren habe. Sie musste das Setting wieder auf eine psychologische – oder wenigstens auf eine gruppendynamische Ebene bringen – und so blieben ihr nur zwei Möglichkeiten. Die Erste, einfach in die Runde zu fragen ob sich noch jemand hin und wieder in der eigenen Heimat fremd fühle – oder die Zweite, zu fragen ob jemand das Gesagte kommentieren möchte. Wohl wären ihr noch weitere Möglichkeiten offen geblieben – das wusste sie als geschulte Therapeutin – zumindest hätte sie als letztes Mittel immer noch alles auf eine scholastische akademische Ebenen überzuleiten. Aber da sie sowieso schon zwei Fragedimensionen in ihrem übertragbaren Bewusstsein zur Verfügung hatte – war weiteres überlegen eher kontraproduktiv – wieso auch, mit einer Frage konnte man sowie nichts falsch machen. Auf das akademische wollte sie es einfach nicht rückführen – zu viele Überlegungen die einfach nicht vorher gemacht wurden fehlten für dieses traurige Setting, das keinerlei Zielformulierungen und keinerlei analytische Vorarbeit hatte, und so, würde man streng nach dem Lehrbuch vorgehen keinen spürbaren Therapieerfolg nach-sich-ziehen. Was sollte sie auch von Bedeutung fragen? Klara, erzählen sie von ihrer Kindheit – Bernadett, erzählen sie von ihrem Sexualleben – in der Gruppe – vor allen hier, wo für diese Menschen die Anderen die Öffentlichkeit darstellen? Going Public! Wie soll es auch funktionieren? Hier im geschützten Bereich der Gruppe können sie offen über alles reden – aus der Sicht der Therapeutin vielleicht (sie würde noch am ehesten an eine Verschwiegenheit gebunden sein, aber die Anderen?) dachte sie selbstkritisch über sich selbst so zeitgleich wie sie redet: „… inmitten wo wir uns normalerweise heimisch fühlen sollten, fühlen wir uns fremd. Wie erlebt ihr es?“ – ‚Eine Frage an die Gruppe, na das war ja mal wieder taktisch klug‘ fiel es ihr ins Bewusstsein und suchend schaute sie durch die Gruppe, in der Hoffnung einen Helden dabei zu haben, der für alle sprechen wird. Bei Karl hielt sie inne – aber er hat schon so viel Redezeit gehabt – wenngleich, hätten wir ihn reden lassen. Weiter erzählen von seiner Zeit hier in Amerika – von seinem plattitüden Leben ohne tieferen psychologischen AHA-Effekt. „Klara, fühlen sie sich manchmal auch fremd – in Zeiten und an Orten wo sie sich sich geborgen fühlen sollten?“ – „Ja“ antwortete Klara worauf sie wieder ihren Blick auf den Fussboden lenkte und damit wohl die vermutlich längste Sprechpause in der Geschichte der Gruppentherapie des Erfahrungsschatzes der Therapeutin einleitete.

[„Möchten Sie davon erzählen?“ – „Nein“ – zu trivial, „Warum nicht?“ – zu naiv – diesen Weg löschte die Therapeutin noch bevor sie ihn auch nur erwägen wollte]
[„Klara, wir erinnern uns an die Geschichte von Karl – was macht ihrer Meinung nach eine Amerikanerin in Amerika aus?“ – tief luftholend „Weiß nicht!“ – hätte sie doch nur noch gefragt: „Sagen Sie es mir?“ – aber sie tat es nicht.]
[„Und gibt es besondere Zeiten oder besondere Orte an welchen Sie sich fremd fühlen?“ – Jackpot]

„Und gibt es besondere Zeiten oder besondere Orte an welchen Sie sich fremd fühlen?“ fragte die Therapeutin und beendete in Rekordzeit die wahrscheinlich und vermutlich längste Sprechpause in der Geschichte ihrer Gruppentherapie-Erfahrung! „Oder sich fremd fühlten?“ fügte sie noch hinzu – während sie gegen ein Überheblichkeitsgefühl ankämpfte um bloß nicht abgehoben , arrogant oder überheblich – wegen ihrem Erfolg – zu wirken. Authentisch bleiben – sonst akzeptieren sie dich nicht mehr. ‚Bleib natürlich – so als ob die Frage die natürlichste der Welt wäre!‘ – die funktionale Selbstinduktion funktioniert (zumindest noch für 25 Minuten, weil dann die Sitzung zu Ende ist – ohne auf die Uhr zu schauen – diese 25 Minuten sind gefühlte 25 Minuten – Halbzeit: Es kann nur mehr besser werden und wird es schlechter, so werden sich Generationen noch an die grandiose Fragekaskade erinnern die hier und jetzt passierte.) Bernadette nutzte dieses grandiose psychologische Hoch auf ihre Weise. Ihre Weise war es, zu glauben, dass an einem Moment wie diesen ein schlagartiger Themenwechsel die Wogen jenes therapeutischen Fortschritts auch für ihre Wünsche und Bedürfnisse nutzbar zu machen. Noch bevor Bernadette fragen konnte, hatte die Therapeutin schon das „Aber natürlich dürfen Sie“ auf den Lippen, dennoch: „Darf ich etwas vorlesen?“ – „Natürlich dürfen Sie!“. Und so führte sie aus, von ihren anderen Therapien – besonders jener in der das Schreiben als heilende Maßnahme praktiziert wird. Sich zu allgemeinen Themen schriftlich äußern, scheint wohl in der Psychologie eine praktische Methode zu sein – Deduktion und Induktion in einem verpackt – die Rolle zeigt sich schon – wer nun vom allgemeinen auf das besondere Leiden erklären kann, oder das besondere Leiden zum Allgemeinen bringen kann. Wer so viele Therapien wie Bernadette besuchte, dem war der Unterschied eigentlich schon so etwas von egal geworden. Ob ihre schlaflosen Nächte einen Namen trugen – ein Motto – erleichtert ihr nur das Gespräch beim Apotheker, mehr aber auch nicht. Bipolar, bipolar Depressiv – mit all ihren langen Hochs und noch längeren Tiefs die diese so spezielle Form der Depression mit sich brachte. Gegenwärtig sei sie stabil – so steht es zumindest in einem Befund irgend eines Doktors der Psychiatrie der sie ausführlich begutachtet hat. Als ob das Leben mit der Diagnose „bipolare Depression“ nicht schon allein hart genug wäre, hat sie zusätzlich auch noch diese Krankheit an ihrer Seele – die, weil sie so speziell ist, sich lieber nicht in irgend ein Kategorienkorsett schnallen lässt. Aber die Diagnose hatte schon so seine Vorteile – eben halt nur auf einer rein sprachlichen Ebene oder genauer genommen – im sozialen Kontext. Das sie keinen ernst zunehmenden kognitiven Schaden hat, stimmt sie versöhnlich mit sich selbst. „Ich spinne doch nicht – ich bin doch noch ganz normal – ich bin nicht verrückt!“ – das sie alle dieses Aussagen über sich jederzeit problemlos im therapeutischen Gespräch verwenden kann und sie es doch nicht tut – aus Rücksicht zu den Anderen – nämlich zu jenen die an Schizophrenie oder an Wahnvorstellungen leiden. Ihr Leiden war emotional mit extremen Auswirkungen auf ihre Bedürfnisse. Sie hielt kurz inne – sinnierend ob ihr Text womöglich ungesund für genau jene die an Schizophrenie oder an Wahnvorstellungen leiden sei. „Ich habe diesen Text in einer Schreibtherapie geschrieben.“ sagte Bernadette. „Das Thema war, einen Brief zu schreiben – an jemanden den ich schon lange nicht mehr gesehen habe, der mir aber trotzdem sehr am Herzen liegt“. Diese therapeutische Maßnahme ist in seinen Grundfesten doch solide – der Patient assoziert vergangene Zeiten mit einem Menschen der ihm/ihr am Herzen liegt/lag und sollte so für das Hier und Jetzt ein durchwegs affektiv-positives Erleben aus der Glückserinnerung (contraire zur Schmerzerinnerung) initiieren. In Verbindung mit diesem Gefühl und der Darstellung der negativen gegenwärtigen Situation sollte sich doch Diskussionsstoff für den Therapeuten ergeben.
„Ich habe meinen Brief an Gott geschrieben … “ fügte sie hinzu und ein Raunen schlich durch die Gruppe. “ … wenn ich vorlesen darf …  – kurze, wirklich sehr kurze Pause – gerade einmal für einen tiefen Atemzug – sie liest:

Sehr geehrter Herr Gott!
Wir bedauern die 40 Peitschenhiebe und den äußerst unvorteilhaften Tod Ihres Sohnes, Herrn Jesus Christus, geb. am 24. Dezember 00 in Nazareth. Dennoch müssen wir Sie darauf Aufmerksam machen, dass die Verurteilung nach gültigem römischen Recht passierte und Sie, als noch lebender Anverwandter für die Zahlung der Hinrichtungs- sowie Begräbniskosten aufkommen müssen. Da Sie auf mehrmalige Erinnerungsversuche nicht reagiert haben, beläuft sich der gegenwärtige Saldo mit einer Verzinsung von 7 % per Anno seit 31 n. Chr  bei € 5,109^20 bzw. $ 5,97^20 nach Abzug aller verwertbaren Assets. Bitte bezahlen Sie den offenen Betrag binnen 14 Tagen auf unser Schweizer Bankkonto xxx, ansonsten müssen wir weitere juristische Mittel einsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Bernadette K.
Judeas Inkasso International

Für Karl ist eine Situation wie eine diese nicht unbedingt befremdend. In seiner Zeit in den Vereinigten Staaten von Amerika hat er schon so manche Erzählung erlebt – ja sogar so manche Blasphemie. Wie hätte er auch darauf reagieren sollen – es wäre auch gar nicht seine Aufgabe gewesen. Vielmehr war sein Gedanke plötzlich auf eine Therapie fixiert, die er neben dieser Gruppensitzung zu absolvieren hat. Es ist für ihn noch immer ein schwer erklärbares Leben – er, in einer Bewegungstherapie – Bernadette in einer Schreibtherapie – neben diesem Treffen, wo sich alle nochmals zusammenfinden um Schonungslos zu plaudern – für Karl, eher ein Mysterium. Sein Leben war vorher nie darauf ausgelegt, dass Reden Arbeit sei. Es wäre für ihn auch gänzlich denkbar unmöglich bare Münze für ein gesprochenes Wort zu bekommen. Diese Therapie, und auch seine Bewegungstherapie werden ja auch nicht bezahlt. Es wäre allzu Paradox für ihn für Sprechen harte Dollars in Rechnung zu stellen. Schon gar für das Zuhören, Geld zu bekommen – eine undenkbare Welt für Karl Rossmann. Und so sieht er auch, sein Zuhören über diesen grotesken Brief an Gott eher als ein hineinleben in den Moment der in Folge das ausmacht, was er und vielleicht auch alle anderen auch – einen Abschnitt im Chronologischen nennt.